Das Mina­rett ohne Laut­spre­cher­an­la­ge

Das Mina­rett zu einer Moschee in einem Misch­ge­biet ver­letzt kei­ne nach­bar­schüt­zen­den bau­recht­li­chen Vor­schrif­ten, zumin­dest solan­ge nicht, wie es nicht mit einer Laut­spre­cher­an­la­ge aus­ge­stat­tet ist. Mit die­ser Begrün­dung hat jetzt das Ver­wal­tungs­ge­richt Min­den eine Nach­bark­la­ge gegen den geplan­ten Bau eines Mina­retts in Bie­le­feld-Brack­we­de abge­wie­sen.

Das Mina­rett ohne Laut­spre­cher­an­la­ge

Im Jah­re 2004 errich­te­te der Tür­kisch-Isla­mi­sche Kul­tur­ver­ein Bie­le­feld mit ent­spre­chen­der Bau­ge­neh­mi­gung der Stadt Bie­le­feld eine Moschee in Brack­we­de. Ende 2008 bean­trag­te der Ver­ein zusätz­lich eine Bau­ge­neh­mi­gung für ein Mina­rett neben der Moschee. Die Stadt erteil­te die­se Geneh­mi­gung im Febru­ar 2009 antrags­ge­mäß mit der Auf­la­ge, dass die Nut­zung des Mina­retts zum Gebets­auf­ruf und der Ein­bau einer Laut­spre­cher­an­la­ge nicht zuläs­sig sind.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Min­den hat die Kla­ge eines Nach­barn gegen die­se Geneh­mi­gung jetzt abge­wie­sen. Das geplan­te Mina­rett ver­sto­ße, so das Ver­wal­tungs­ge­richt in sei­nen Urteils­grün­den, gegen­über dem kla­gen­den Nach­barn nicht gegen das bau­recht­li­che Gebot der Rück­sicht­nah­me. In der Umge­bung des Mina­retts gebe es sowohl Wohn­be­bau­ung als auch Gewer­be­be­trie­be. In die­se bau­li­che Gemenge­la­ge füge sich das Mina­rett ein. Es hal­te auch genü­gend Abstand zum Grund­stück des Klä­gers.

Wesent­lich sei bei alle­dem, so das Gericht, dass eine Nut­zung des Mina­retts zum Gebets­auf­ruf („Muez­zin­ruf“) eben­so wie der Ein­bau einer Laut­spre­cher­an­la­ge nicht bean­tragt und aus­drück­lich auch nicht zuge­las­sen wor­den sei. Bei­des sei des­halb nicht Gegen­stand des jet­zi­gen Ver­fah­rens. Soll­te eine sol­che erwei­ter­te Nut­zungs­mög­lich­keit künf­tig ein­mal bean­tragt wer­den, müss­te dar­über in einem neu­en Ver­fah­ren unter Berück­sich­ti­gung der Inter­es­sen der Nach­barn ent­schie­den wer­den.

Ver­wal­tungs­ge­richt Min­den, Urteil vom 22. April 2010 – 9 K 981/​09