Bür­ger­meis­ter­ab­wahl per Zei­tungs­an­noun­ce

Die Abwahl eines Bür­ger­meis­ters ist rechts­wid­rig, wenn im Vor­feld der Abwahl auf die wahl­be­rech­tig­ten Bür­ger unsach­li­cher Ein­fluss durch Amts­trä­ger genom­men wur­de. Die­se unsach­li­che Ein­fluß­nah­me kann auch durch eine Anzei­ge in der ört­li­chen Tages­zei­tung erfol­gen.

Bür­ger­meis­ter­ab­wahl per Zei­tungs­an­noun­ce

So erklär­te jetzt das Säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt – wie zuvor bereits das Ver­wal­tungs­ge­richt Leip­zig 1 – die Abwahl der Bür­ger­meis­te­rin von Tros­sin am 24. Janu­ar 2010 für rechts­wid­rig.

Die Klä­ge­rin hat­te als gewähl­te ehren­amt­li­che Bür­ger­meis­te­rin ihr Amt am 1. August 2008 ange­tre­ten. Am 3. Novem­ber 2009 beschloss der 13-köp­fi­ge Gemein­de­rat der Gemein­de Tros­sin mit 12 Ja-Stim­men und 1 Ent­hal­tung die Ein­lei­tung eines Abwahl­ver­fah­rens durch die Bür­ger der Gemein­de. Am 24. Janu­ar 2010 stimm­ten 831 von 986 Wäh­len­den für die Abwahl der Klä­ge­rin. Dar­auf­hin teil­te der Gemein­de­wahl­aus­schuss der Klä­ge­rin mit Schrei­ben vom 25. Janu­ar 2010 ihre Abwahl mit. Hier­ge­gen such­te die Klä­ge­rin um gericht­li­chen Rechts­schutz nach.

Das Säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richts sah die Abwahl als rechts­wid­rig an, da im Vor­feld der Abwahl auf die wahl­be­rech­tig­ten Bür­ger unsach­li­cher Ein­fluss durch Amts­trä­ger genom­men wor­den sei. In einer amt­lich erschei­nen­den Anzei­ge eines Lokal­blat­tes, wel­che den Ein­druck erweck­te, von den Gemein­de- und Ort­schafts­rä­ten der Gemein­de Tros­sin her­zu­rüh­ren, wur­den die Wahl­be­rech­tig­ten auf­ge­for­dert, die „Dik­ta­tur der Bür­ger­meis­te­rin“ durch deren Abwahl zu been­den. Die­ser Auf­ruf stel­le eine unsach­li­che Wahl­emp­feh­lung dar, wel­che Amts­per­so­nen zuzu­rech­nen sei und des­halb zur Rechts­wid­rig­keit der Abwahl füh­re. Dem­ge­gen­über sei es ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts uner­heb­lich, ob für den Beschluss des Gemein­de­ra­tes zur Durch­füh­rung eines Abwahl­ver­fah­rens bei den Gemein­de­rä­ten sach­li­che Grün­de vor­ge­le­gen hät­ten. Die­se Grün­de unter­lä­gen kei­ner gericht­li­chen Kon­trol­le. Inso­weit ver­lan­ge die Säch­si­sche Gemein­de­ord­nung ledig­lich die Ein­hal­tung ver­fah­rens­recht­li­cher Vor­ga­ben, stel­le aber kei­ne sach­li­chen Vor­aus­set­zun­gen auf.

Die obsie­gen­de Bür­ger­meis­te­rin kann aller­dings trotz ihrer erfolg­rei­chen Kla­ge ihr Amt nicht wei­ter aus­üben, da sie auf­grund eines Bür­ger­be­geh­rens am 10. Okto­ber 2010 erneut abge­wählt wur­de und ihre dage­gen gerich­te­te Kla­ge vom Ver­wal­tungs­ge­richt Leip­zig rechts­kräf­tig abge­wie­sen wur­de.

Säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 8. März 2011 – 4 A 918/​10

  1. VG Leip­zig, Urteil vom 29.07.2010 – 6 K 182/​10[]