Alko­hol­trin­ken an öffent­li­chen Plät­zen

Eine Ver­ord­nung, durch die im Stadt­ge­biet das mit dem Ver­zehr von Alko­hol ver­bun­de­ne Lagern von Per­so­nen­grup­pen oder län­ge­re Ver­wei­len ein­zel­ner Per­so­nen unter­sagt wird, ist unwirk­sam, da durch das Trin­ken in der Öffent­lich­keit kei­ne all­ge­mei­ne Gefah­ren­la­ge ent­steht, die allein eine sol­che Rege­lung recht­fer­ti­gen könn­te.

Alko­hol­trin­ken an öffent­li­chen Plät­zen

So die Ent­schei­dung des Thü­rin­ger Ober­ver­wal­tungs­ge­richts in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer im Jah­re 2008 in die Stadt­ord­nung der Stadt Erfurt ein­ge­füg­ten Bestim­mung, wonach das mit dem Ver­zehr von Alko­hol ver­bun­de­ne Lagern von Per­so­nen­grup­pen oder län­ge­re Ver­wei­len ein­zel­ner Per­so­nen unter­sagt ist.

Der aus Erfurt stam­men­de Antrag­stel­ler mach­te u. a. gel­tend, ein der­ar­ti­ges Ver­bot sei nach § 27 Ord­nungs­be­hör­den­ge­setz nur zuläs­sig, wenn das unter­sag­te Ver­hal­ten eine Gefahr für die öffent­li­che Sicher­heit oder Ord­nung dar­stel­le. Dies sei hier nicht der Fall. Soweit mit dem Alko­hol­trin­ken in der Öffent­lich­keit Stö­run­gen (wie z.B. Grö­len oder Anpö­beln von Pas­san­ten) ver­bun­den sei­en, sei­en der­ar­ti­ge Stö­run­gen schon durch die bestehen­de Rege­lung in § 8 der Stadt­ord­nung der Stadt Erfurt erfasst. Die neu in die Stadt­ord­nung ein­ge­füg­te Bestim­mung des § 8a sol­le viel­mehr den Alko­hol­ge­nuss ein­zel­ner "stil­ler Trin­ker" unter­bin­den, von denen der­ar­ti­ge Stö­run­gen gar nicht aus­gin­gen.

Nach Auf­fas­sung des Thü­rin­ger Ober­ver­wal­tungs­ge­richts bil­de § 27 Abs. 1 Ord­nungs­be­hör­den­ge­setz kei­ne aus­rei­chen­de lan­des­ge­setz­li­che Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge für die umstrit­te­ne Rege­lung. Durch das Trin­ken in der Öffent­lich­keit ent­ste­he kei­ne all­ge­mei­ne Gefah­ren­la­ge, die allein eine sol­che Rege­lung recht­fer­ti­gen könn­te. Viel­mehr wer­de durch die Ver­ord­nung eine Maß­nah­me der Gefah­ren­vor­sor­ge ergrif­fen, die durch die all­ge­mei­ne Rege­lung des § 27 Abs. 1 OBG nicht erlaubt sei. Dafür bedür­fe es einer spe­zi­el­le­ren lan­des­ge­setz­li­chen Ermäch­ti­gung. Dem Antrag ist statt­ge­ge­ben wor­den.

Thü­rin­ger Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 21. Juni 2012 – 3 N 653/​09