Auch ein Land muss Gebüh­ren bezah­len

Auch der Lan­des­be­trieb Stra­ßen­bau NRW muss für die Ent­wäs­se­rung von Lan­des­stra­ßen Ent­wäs­se­rungs­ge­büh­ren zah­len. Mit die­ser Begrün­dung bestä­tig­te jetzt das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len in Müns­ter ein Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts Düs­sel­dorf, wonach der Lan­des­be­trieb Stra­ßen­bau NRW nicht län­ger das Nie­der­schlags­was­ser der L 30 auf dem Gebiet der Stadt Düs­sel­dorf außer­halb der Orts­durch­fahrt unent­gelt­lich über das Kanal­netz der Stadt ent­sor­gen darf.

Auch ein Land muss Gebüh­ren bezah­len

Der Land­schafts­ver­band Rhein­land als Rechts­vor­gän­ger des Lan­des­be­triebs Stra­ßen­bau NRW hat­te 1972 mit der Stadt Düs­sel­dorf einen unbe­fris­te­ten Ver­trag geschlos­sen, wonach die Stadt berech­tigt war, in der Tras­se der Stra­ße einen Kanal zu ver­le­gen. Dafür wur­de dem Rechts­vor­gän­ger des Lan­des­be­trie­bes erlaubt, das Nie­der­schlags­was­ser von der Stra­ße unent­gelt­lich über das Kanal­netz der Stadt zu ent­sor­gen. Eine Kün­di­gungs­mög­lich­keit sah der Ver­trag nicht vor. Im Janu­ar 2005 mach­te die Stadt gegen­über dem inzwi­schen zustän­dig gewor­de­nen Lan­des­be­trieb ein Anpas­sungs­ver­lan­gen mit der Begrün­dung gel­tend, die für den Ver­trags­ab­schluss maß­geb­li­chen Ver­hält­nis­se hät­ten sich so erheb­lich geän­dert, dass der Stadt die unent­gelt­li­che Ent­sor­gung des Nie­der­schlags­was­sers nicht län­ger zuzu­mu­ten sei. Ein im Juli 2005 geführ­tes Gespräch führ­te zu kei­ner Eini­gung. Nach­dem der Lan­des­be­trieb sich in der Fol­ge­zeit nicht mehr bei der Stadt mel­de­te, kün­dig­te die Stadt Ende Sep­tem­ber 2006 den Ver­trag.

Mit der dage­gen gerich­te­ten Kla­ge bean­trag­te der Lan­des­be­trieb beim Ver­wal­tungs­ge­richt Düs­sel­dorf fest­zu­stel­len, dass der Ver­trag nicht durch die Kün­di­gung wirk­sam been­det sei. Die­se Kla­ge wies das Ver­wal­tungs­ge­richt durch Urteil vom 16. Juni 2008 mit der Begrün­dung ab, die von den Par­tei­en zur gemein­sa­men Geschäfts­grund­la­ge gemach­ten Umstän­de hät­ten sich grund­le­gend geän­dert. Bei Ver­trags­ab­schluss sei­en bei­de Ver­trags­part­ner davon aus­ge­gan­gen, für die von der Stadt erbrach­te Ent­wäs­se­rungs­leis­tung bestehe kei­ne Gebüh­ren­pflicht, so dass die Ent­wäs­se­rungs­leis­tung durch die Gestat­tungs­leis­tung ange­mes­sen ent­gol­ten sei. Nach Ein­füh­rung des Kom­mu­nal­ab­ga­ben­ge­set­zes NRW und einer ent­spre­chen­den Sat­zungs­be­stim­mung sei die Ent­wäs­se­rung von Stra­ßen­grund­stü­cken dem­ge­gen­über ab 1976 gebüh­ren­pflich­tig gewor­den. Seit­her stün­den Gestat­tungs­leis­tung und Ent­wäs­se­rungs­leis­tung nicht mehr in einem adäqua­ten Aus­gleichs­ver­hält­nis und eine Fort­set­zung des Ver­tra­ges für die Stadt nicht mehr zumut­bar. Allein im Jahr der Kün­di­gung habe die Ent­wäs­se­rungs­leis­tung etwa den sie­ben­fa­chen Wert gegen­über der Gestat­tungs­leis­tung gehabt. Da der Lan­des­be­trieb kei­ne ernst­haf­te Bereit­schaft gezeigt habe, die bestehen­de Äqui­va­lenz­stö­rung im Ver­trags­ver­hält­nis zu behe­ben, sei die Stadt zur Kün­di­gung berech­tigt gewe­sen.

Den gegen das Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts gerich­te­ten Antrag auf Zulas­sung der Beru­fung hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt NRW nun­mehr man­gels aus­rei­chen­der Dar­le­gung eines Zulas­sungs­grun­des abge­lehnt.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len, Beschluss vom 16. Novem­ber 2009 – 9 A 2045/​08