Aus­kunfts­ver­pflich­tung gegen­über dem Eisen­bahn-Bun­des­amt

Das Eisen­bahn-Bun­des­amt kann von Eisen­bahn­un­ter­neh­men Aus­künf­te durch einen voll­streck­ba­ren Bescheid ein­for­dern.

Aus­kunfts­ver­pflich­tung gegen­über dem Eisen­bahn-Bun­des­amt

So hat jetzt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt für Recht erkannt, dass die DB Netz AG vom Eisen­bahn-Bun­des­amt zur Ertei­lung von Aus­künf­ten ver­pflich­tet wer­den darf, um über­prü­fen zu kön­nen, ob das zum Kon­zern der Deut­sche Bahn AG gehö­ren­de Eisen­bahn­in­fra­struk­tur­un­ter­neh­men in Wider­spruch zu den Bestim­mun­gen des All­ge­mei­nen Eisen­bahn­ge­set­zes öffent­li­che Gel­der in den Eisen­bahn­ver­kehrs­un­ter­neh­mens­be­reich des Kon­zerns über­ge­lei­tet hat.

Aus­weis­lich des Geschäfts­be­richts 2006 des DB Kon­zerns erhiel­ten die Klä­ge­rin, die DB Netz AG, und zwei wei­te­re Eisen­bahn­in­fra­struk­tur­un­ter­neh­men des Kon­zerns im Jahr 2006 Inves­ti­ti­ons­zu­schüs­se in einer Höhe von ins­ge­samt 3,683 Mrd. €, wovon auf die Klä­ge­rin 3,226 Mrd. € ent­fie­len. Nach den text­li­chen Erläu­te­run­gen die­ser Zah­len han­del­te es sich zum einen um Zuschüs­se von Drit­ten, zum ande­ren um Bun­des­zu­schüs­se und Zuschüs­se der Euro­päi­schen Uni­on. In dem Geschäfts­be­richt 2005 des DB Kon­zerns waren die Zuschüs­se zwar nicht bestimm­ten Unter­neh­men des DB Kon­zerns zuge­ord­net, im Übri­gen aber nach ihren Beträ­gen in einer dif­fe­ren­zier­te­ren Wei­se aus­ge­wie­sen wor­den. Auf eine Nach­fra­ge des für die Eisen­bahn­auf­sicht zustän­di­gen Eisen­bahn-Bun­des­amts leg­te die Klä­ge­rin zunächst eine Über­sicht vor, in der die Zuschüs­se für das Jahr 2006 in Anleh­nung an die Dar­stel­lung in dem Geschäfts­be­richt 2005 auf­ge­schlüs­selt waren. Das Eisen­bahn-Bun­des­amt bat nun­mehr jedoch um eine wei­te­re Auf­schlüs­se­lung der Zuschüs­se von Drit­ten nach Gebern und Pro­jek­ten. Nach­dem die Klä­ge­rin die­se Bit­te abge­lehnt hat­te, gab ihr das Eisen­bahn-Bun­des­amt durch einen förm­li­chen Bescheid die Ertei­lung der ent­spre­chen­den Aus­künf­te auf.

Das Eisen­bahn-Bun­des­amt stell­te sich auf den Rechts­stand­punkt, dass der in dem All­ge­mei­nen Eisen­bahn­ge­setz ent­hal­te­nen Ver­pflich­tung der Eisen­bahn­un­ter­neh­men, den Auf­sichts­be­hör­den die für die Durch­füh­rung der Auf­sicht erfor­der­li­chen Aus­künf­te zu ertei­len, die Befug­nis der Auf­sichts­be­hör­de ent­spre­che, die Aus­künf­te durch einen voll­streck­ba­ren Bescheid ein­zu­for­dern.

Das von der Klä­ge­rin gegen den Bescheid ange­ru­fe­ne Ver­wal­tungs­ge­richt Köln hat sich der Aus­le­gung des Eisen­bahn-Bun­des­amts ange­schlos­sen und die Kla­ge abge­wie­sen 1, woge­gen das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len in Müns­ter eine sol­che Befug­nis der Auf­sichts­be­hör­de ver­neint und auf die Beru­fung der Klä­ge­rin den Aus­kunfts­be­scheid auf­ge­ho­ben hat 2.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat der Revi­si­on des Eisen­bahn-Bun­des­amts statt­ge­ge­ben und fest­ge­stellt, dass den gesetz­lich umschrie­be­nen Aus­kunfts­pflich­ten der Eisen­bahn­un­ter­neh­men ent­spre­chen­de Befug­nis­se der Auf­sichts­be­hör­den zur hoheit­li­chen Aus­kunfts­er­he­bung gegen­über­ste­hen. Die­ses Ver­ständ­nis ent­spricht dem Wil­len des Gesetz­ge­bers und dem Sinn und Zweck des Geset­zes. Das Eisen­bahn-Bun­des­amt soll hier­nach in die Lage ver­setzt wer­den, sich die für sei­ne Über­wa­chungs­auf­ga­be erfor­der­li­chen Infor­ma­tio­nen auf mög­lichst ein­fa­che, effek­ti­ve und zugleich einen wirk­sa­men Rechts­schutz gewähr­leis­ten­de Wei­se – eben durch den Erlass von voll­streck­ba­ren Aus­kunfts­be­schei­den – zu ver­schaf­fen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 7. Dezem­ber 2011 – 6 C 39.10

  1. VG Köln, Urteil vom 27.11.2009 – 18 K 5401/​08[]
  2. OVG NRW, Urteil vom 05.10.2010 – 13 A 29/​10[]