Aus­län­der­an­teil in der Klas­se als Grund für schlech­te Noten

Die nach dem Schul­ge­setz bestehen­de Ver­pflich­tung, deut­sche Schü­ler und sol­che nicht­deut­scher Her­kunft gemein­sam zu unter­rich­ten, bedeu­te nicht, dass in einer Schu­le mit hohem Anteil von Schü­lern mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund die­se gleich­mä­ßig auf alle Klas­sen ver­teilt wer­den müs­sen.

Aus­län­der­an­teil in der Klas­se als Grund für schlech­te Noten

So hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin in den hier vor­lie­gen­den Fäl­len ent­schie­den, in denen es um die Fest­stel­lung ging, dass es rechts­wid­rig gewe­sen ist, drei Ber­li­ner Schü­ler ihr Pro­be­jahr an einem Gym­na­si­um nicht bestehen zu las­sen, da es einen hohen Anteil in der Klas­se an nicht­deut­schen Schü­lern gege­ben habe. Im Schul­jahr 2011/​12 besuch­ten drei ber­li­ner Schü­ler mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund gemein­sam eine sieb­te Klas­se des Leo­nar­do- da-Vin­ci-Gym­na­si­ums im Bezirk Neu­kölln. Das dort zu absol­vie­ren­de Pro­be­jahr bestan­den sie nicht, weil ihre Leis­tun­gen in sechs bzw. neun Fächern mit man­gel­haft bewer­tet wur­den. Die Klä­ger, die mitt­ler­wei­le eine inte­grier­te Sekun­dar­schu­le besu­chen, wol­len nicht an das Gym­na­si­um zurück­keh­ren und hat­ten des­halb sei­ner­zeit nicht um Rechts­schutz gegen die Nicht­ver­set­zung nach­ge­sucht. Mit ihrer Kla­ge begehr­ten sie allein die Fest­stel­lung, dass das Nicht­be­stehen des Pro­be­jah­res rechts­wid­rig gewe­sen sei. Sie füh­ren dies auf die ihrer Ansicht nach rechts­wid­ri­ge Zusam­men­set­zung ihrer Klas­se zurück, die dis­kri­mi­nie­rend gewe­sen sei. Denn wäh­rend der Anteil der Schü­ler nicht­deut­scher Her­kunft in ihrer Klas­se bei 63 % gele­gen habe, habe die­ser Anteil bei einer – von ins­ge­samt acht – Par­al­lel­klas­se ledig­lich 13 % betra­gen. Des­we­gen hät­ten sie trotz der man­gel­haf­ten Noten ver­setzt wer­den müs­sen.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung ist das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin die­ser Arg­men­ta­ti­on der Klä­ger nicht gefolgt: Die nach dem Schul­ge­setz bestehen­de Ver­pflich­tung, deut­sche Schü­ler und sol­che nicht­deut­scher Her­kunft gemein­sam zu unter­rich­ten, bedeu­te nicht, dass in einer Schu­le mit hohem Anteil von Schü­lern mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund die­se gleich­mä­ßig auf alle Klas­sen ver­teilt wer­den müss­ten. Viel­mehr ste­he der Schu­le bei der Zusam­men­set­zung der Klas­sen ein Spiel­raum zu, der eine Viel­zahl sach­li­cher Kri­te­ri­en zulas­se.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt konn­te nicht fest­stel­len, dass durch die kon­kre­ten Umstän­de an der Schu­le eine dis­kri­mi­nie­ren­de Situa­ti­on geschaf­fen wur­de, die sich kau­sal auf das Leis­tungs­ver­mö­gen der Schü­ler aus­ge­wirkt haben könn­te. Die zur Nicht­ver­set­zung füh­ren­den Noten sei­en viel­mehr allein auf die schu­li­schen Leis­tun­gen der Klä­ger zurück­zu­füh­ren. Dafür habe nicht zuletzt die Tat­sa­che gespro­chen, dass in einer Klas­se mit ver­gleich­bar hohem Anteil von Schü­lern mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund ledig­lich ein Schü­ler das Pro­be­jahr nicht bestand, wäh­rend dies in einer ande­ren Klas­se mit 13 % nicht­deut­scher Schü­ler bei fünf der Fall war. Die Fra­ge der Zuläs­sig­keit der Kla­gen ließ das Ver­wal­tungs­ge­richt aus­drück­lich offen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Urtei­le vom 26. Sep­tem­ber 2013 – VG 3 K 269.12, 3 K 270.12 und 3 K 271.12