Bei Behand­lun­gen durch Ange­stell­te in der Pra­xis eines nahen Ange­hö­ri­gen kei­ne Bei­hil­fe

Die Bei­hil­fe ent­fällt, wenn der Beam­te in der Pra­xis eines nahen Ange­hö­ri­gen sei­ne medi­zi­ni­sche Behand­lung erhält. Dabei ist es uner­heb­lich, ob er von Ange­stell­ten behan­delt wor­den ist, solan­ge der Ange­hö­ri­ge als Inha­ber der Pra­xis die Hono­rar­for­de­rung gel­tend macht

Bei Behand­lun­gen durch Ange­stell­te in der Pra­xis eines nahen Ange­hö­ri­gen kei­ne Bei­hil­fe

In dem hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall waren dem Klä­ger ärzt­lich ver­schie­de­ne Behand­lun­gen (u. a. Kran­ken­gym­nas­tik und Mas­sa­ge) ver­schrie­ben wor­den. Sämt­li­che Behand­lun­gen wur­den in der phy­sio­the­ra­peu­ti­schen Pra­xis der Ehe­frau des Klä­gers von einer dort ange­stell­ten Phy­sio­the­ra­peu­tin durch­ge­führt. Die Bei­hil­fe­stel­le lehn­te den Antrag unter Hin­weis auf eine Bei­hil­fe­vor­schrift ab, wonach Auf­wen­dun­gen für die per­sön­li­che Tätig­keit eines nahen Ange­hö­ri­gen (Ehe­gat­ten, Eltern und Kin­der) bei einer Heil­be­hand­lung nicht bei­hil­fe­fä­hig sind.

Nach dem Urteil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts erfasst die­ser Aus­schluss­tat­be­stand nach sei­nem Zweck auch den Fall der Behand­lung des Bei­hil­fe­be­rech­tig­ten in der Pra­xis des nahen Ange­hö­ri­gen durch einen Ange­stell­ten. Aus­gangs­punkt ist die Ein­schät­zung, im Ver­hält­nis zwi­schen nahen Ange­hö­ri­gen, die unter­ein­an­der unter­halts­pflich­tig sind, ver­zich­te der Behan­deln­de auf ein Hono­rar oder beschrän­ke sei­ne For­de­rung zumin­dest auf das, was als Ver­si­che­rungs­leis­tung und/​oder Bei­hil­fe erstat­tet wer­de. Danach kommt es für die Anwen­dung der Aus­schluss­re­ge­lung dar­auf an, wer Inha­ber der For­de­rung aus dem Behand­lungs­ver­trag ist. Die­ses Urteil knüpft an Ent­schei­dun­gen der Zivil­ge­rich­te zur Aus­le­gung einer ver­gleich­ba­ren Aus­schluss­re­ge­lung im Bereich der pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung an.

Dem­ge­gen­über greift der Aus­schluss­tat­be­stand dann nicht ein, wenn der Bei­hil­fe­be­rech­tig­te aus beson­de­ren Grün­den auf die Behand­lung durch sei­nen Ange­hö­ri­gen ange­wie­sen war. Dies kann der Fall sein, wenn die erfor­der­li­che medi­zi­ni­sche Behand­lung nur durch den nahen Ange­hö­ri­gen durch­ge­führt wer­den konn­te oder es dem Berech­tig­ten aus tat­säch­li­chen Grün­den nicht mög­lich oder zumut­bar war, einen ande­ren Arzt auf­zu­su­chen, und der Umfang der Behand­lung das Maß des­sen deut­lich über­steigt, was übli­cher­wei­se noch unent­gelt­lich geleis­tet wird.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, – Urteil vom 29. Sep­tem­ber 2011 – 2 C 80.10