Bei­hil­fe­an­spruch für Hin­ter­blie­be­ne

Der in § 16 Abs. 1 Satz 1 BVO begrün­de­te Anspruch auf Bei­hil­fe­leis­tun­gen für bestimm­te enge Fami­li­en­an­ge­hö­ri­ge des ver­stor­be­nen Bei­hil­fe­be­rech­tig­ten steht sys­te­ma­tisch in engem Zusam­men­hang mit dem Aus­schluss der Ver­erb­lich­keit von Bei­hil­fe­leis­tun­gen gemäß § 1 Abs. 3 Satz 1 1. Halb­satz BVO. Bei dem Anspruch gemäß § 16 Abs. 1 BVO han­delt es sich um einen neu­en und selb­stän­di­gen Anspruch der Hin­ter­blie­be­nen, nicht etwa um den auf Erbrecht gegrün­de­ten ursprüng­li­chen Bei­hil­fe­an­spruch des ver­stor­be­nen Bei­hil­fe­be­rech­tig­ten 1.

Bei­hil­fe­an­spruch für Hin­ter­blie­be­ne

Aus die­ser Rechts­na­tur des Bei­hil­fe­an­spruchs der Hin­ter­blie­be­nen gemäß § 16 Abs. 1 BVO folgt, dass die mate­ri­ell-recht­li­che Aus­schluss­frist des § 17 Abs. 10 Satz 1 BVO stets erst mit Ablauf des Todes­ta­ges zu lau­fen beginnt und des­halb den Hin­ter­blie­be­nen in vol­lem Umfang zur Ver­fü­gung steht.

An die­sem Ergeb­nis ändert sich auch dann nichts, wenn mit dem Urteil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vom 29. April 2010 2 davon aus­zu­ge­hen sein soll­te, dass die eine Ver­erb­lich­keit von Bei­hil­fe­an­sprü­chen aus­schlie­ßen­de Bestim­mung des § 1 Abs. 3 Satz 1 1. Halb­satz BVO wegen Ver­sto­ßes gegen den Par­la­ments­vor­be­halt nich­tig ist.

Der Wort­laut von § 17 Abs. 10 Satz 1 BVO lie­fert für die hier in Rede ste­hen­de Pro­ble­ma­tik der Rechts­na­tur des Bei­hil­fe­an­spruchs der Hin­ter­blie­be­nen kein ein­deu­ti­ges Aus­le­gungs­er­geb­nis. Zwar steht der Wort­laut von § 17 Abs. 10 Satz 1 BVO, der auf eine Antrag­stel­lung durch „die Bei­hil­fe­be­rech­tig­ten“ abstellt, einer unmit­tel­ba­ren Anwen­dung der Bestim­mung auf den Bei­hil­fe­an­spruch von Hin­ter­blie­be­nen gemäß § 16 Abs. 1 Satz 1 BVO inso­weit nicht ent­ge­gen. Denn gemäß der Fik­ti­on des § 2 Abs. 3 BVO gel­ten als bei­hil­fe­be­rech­tigt unter den Vor­aus­set­zun­gen des § 16 BVO auch ande­re natür­li­che sowie juris­ti­sche Per­so­nen, d. h. vor allem auch die Hin­ter­blie­be­nen des ursprüng­lich Bei­hil­fe­be­rech­tig­ten im Sin­ne von § 16 Abs. 1 Satz 1 BVO. Wie der Beklag­te zu Recht aus­führt, knüpft die Bestim­mung für den Frist­be­ginn jedoch ledig­lich an das Ent­ste­hen der bei­hil­fe­fä­hi­gen Auf­wen­dun­gen im Sin­ne von § 5 Abs. 2 Satz 2 BVO an. Die Auf­wen­dun­gen und damit der Bei­hil­fe­an­spruch ent­ste­hen, wenn der Leis­tungs­er­brin­ger (etwa der behan­deln­de Arzt, Kran­ken­haus­trä­ger oder Apo­the­ker) sei­ne Haupt­leis­tung erbracht hat und damit der Zah­lungs­an­spruch aus dem zivil­recht­li­chen Ver­trag begrün­det wor­den ist 3. Die Bestim­mung des § 17 Abs. 10 Satz 1 BVO stellt für den Frist­be­ginn des­halb ledig­lich auf das Ver­hält­nis zwi­schen Leis­tungs­er­brin­ger und Pati­ent ab. Hier­aus kann ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Beklag­ten jedoch nicht geschlos­sen wer­den, dass die­ses Ver­hält­nis auch im Anwen­dungs­be­reich von § 16 Abs. 1 Satz 1 BVO stets für den Frist­be­ginn maß­geb­lich sein soll. Viel­mehr zeigt der Wort­laut von § 17 Abs. 10 Satz 1 BVO ledig­lich, dass der Ver­ord­nungs­ge­ber bei Schaf­fung der Norm aus­schließ­lich den Regel­fall einer Gel­tend­ma­chung von Ansprü­chen durch den bei­hil­fe­be­rech­tig­ten Pati­en­ten im Blick hat­te. Die hier vor­lie­gen­de Son­der­si­tua­ti­on einer Gel­tend­ma­chung von Ansprü­chen durch gemäß § 16 Abs. 1 Satz 1 BVO bei­hil­fe­be­rech­tig­te Hin­ter­blie­be­ne wur­de vom Ver­ord­nungs­ge­ber daher nicht aus­drück­lich gere­gelt.

Die Rechts­na­tur des durch § 16 Abs. 1 Satz 1 BVO begrün­de­ten Anspruchs der Hin­ter­blie­be­nen sowie Sinn und Zweck die­ser Rege­lung gebie­ten es jedoch, in die­sen Fäl­len die Frist des § 17 Abs. 10 BVO ent­spre­chend der­ge­stalt anzu­wen­den, dass die Frist stets erst mit dem Todes­tag zu lau­fen beginnt 4. Die Bestim­mung des § 16 Abs. 1 Satz 1 BVO, die einen eigen­stän­di­gen Bei­hil­fe­an­spruch für Ehe­gat­ten, die leib­li­chen Kin­der und Adop­tiv­kin­der des Hin­ter­blie­be­nen regelt, steht in engem Zusam­men­hang mit dem Aus­schluss der Ver­erb­lich­keit von Bei­hil­fe­an­sprü­chen durch § 1 Abs. 3 Satz 1 1. Halb­satz BVO. Letzt­ge­nann­te Vor­schrift bestä­tigt und kon­kre­ti­siert die bis­he­ri­ge, nun­mehr auf­ge­ge­be­ne stän­di­ge Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts, wonach der Bei­hil­fe­an­spruch infol­ge sei­ner höchst­per­sön­li­chen Natur als nicht ver­erb­lich und dem­zu­fol­ge als nicht in den Nach­lass des ver­stor­be­nen Bei­hil­fe­be­rech­tig­ten fal­lend ange­se­hen wur­de 5. Begrün­det wur­de die­se Auf­fas­sung damit, dass die Bei­hil­fe­vor­schrif­ten ihren Rechts­grund in der Für­sor­ge­pflicht des Dienst­herrn haben, die sich nur auf den Beam­ten und sei­ne enge­ren Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen, nicht aber not­wen­di­ger­wei­se auf die Erben erstreckt, die die­sem Per­so­nen­kreis nicht ange­hö­ren müs­sen.

Die Bestim­mung des § 16 BVO knüpft ersicht­lich dar­an an, dass der Bei­hil­fe­an­spruch als höchst­per­sön­li­cher Anspruch nicht ver­erb­lich ist und nicht mit dem Nach­lass auf die Erben des Bei­hil­fe­be­rech­tig­ten über­geht. Durch § 16 BVO wer­den des­halb ohne Anknüp­fung an das Erbrecht neue und selb­stän­di­ge Ansprü­che bestimm­ter Ange­hö­ri­ger oder drit­ter Per­so­nen begrün­det, und zwar unab­hän­gig davon, ob Erben vor­han­den sind. Etwai­ge Erben kön­nen zu den bei­hil­fe­fä­hi­gen Auf­wen­dun­gen, die einem ver­stor­be­nen Bei­hil­fe­be­rech­tig­ten ent­stan­den waren, und zu den Auf­wen­dun­gen aus Anlass des Todes des Bei­hil­fe­be­rech­tig­ten eine Bei­hil­fe nur dann erhal­ten, wenn sie zu den in § 16 BVO als bei­hil­fe­be­rech­tigt ange­führ­ten Per­so­nen gehö­ren. Der ihnen in einem sol­chen Fall erwach­sen­de Bei­hil­fe­an­spruch ist aber nicht auf das Erbrecht gegrün­det, son­dern ein ihnen aus­schließ­lich durch die Bei­hil­fe­vor­schrif­ten zuer­kann­ter neu­er und selb­stän­di­ger Anspruch 6. Der Bei­hil­fe­an­spruch der Hin­ter­blie­be­nen nach § 16 Abs. 1 Satz 1 BVO hat dem­ge­mäß eigen­stän­di­ge, von der Bei­hil­fe­be­rech­ti­gung des Ver­stor­be­nen los­ge­lös­te Tabe­stands­vor­aus-set­zun­gen. Die zeit­lich letz­te die­ser anspruchs­be­grün­de­ten Vor­aus­set­zun­gen ist aber stets der Tod des ursprüng­lich Bei­hil­fe­be­rech­tig­ten. Dar­aus folgt, dass in den Fäl­len des § 16 Abs. 1 BVO die Frist des § 17 Abs. 10 Satz 1 BVO auch stets erst mit Ablauf des Todes­ta­ges zu lau­fen beginnt 7. Die gegen­tei­li­ge Auf­fas­sung des Beklag­ten hät­te in sys­tem­wid­ri­ger Wei­se zur Fol­ge, dass die mate­ri­ell-recht­li­che Aus­schluss­frist des § 17 Abs. 10 Satz 1 BVO bereits vor Ent­ste­hung des Anspruchs des bei­hil­fe­be­rech­tig­ten Hin­ter­blie­be­nen zu lau­fen begän­ne. Der Norm­zweck von § 16 Abs. 1 BVO und die schüt­zens­wer­ten Belan­ge des Dienst­herrn an einer raschen Abwick­lung von Bei­hil­fe­fäl­len gebie­ten es daher, die Rege­lung des § 17 Abs. 10 Satz 1 BVO über die mate­ri­ell-recht­li­che Aus­schluss­frist auch hier ent­spre­chend der­ge­stalt anzu­wen­den, dass die Frist stets (erst) mit dem Tod des ursprüng­lich Bei­hil­fe­be­rech­tig­ten zu lau­fen beginnt. Nur so kann ver­mie­den wer­den, dass die Bei­hil­fe­an­sprü­che gemäß § 16 BVO in sys­tem­wid­ri­ger Wei­se über­haupt kei­ner Aus­schluss­frist unter­lie­gen.

Für die­se Aus­le­gung spre­chen nicht zuletzt Gesichts­punk­te der Für­sor­ge­pflicht des Dienst­herrn, ohne dass dem die vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt im Urteil vom 27. Mai 1982 8 ange­stell­ten Erwä­gun­gen ent­ge­gen­ste­hen. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat zwar für den von Nr. 15 Abs. 2 der Bei­hil­fe­vor­schrif­ten des Bun­des (BhV) in der Fas­sung vom 15. Febru­ar 1975 erfass­ten Per­so­nen­kreis (dem Bei­hil­fe in Todes­fäl­len gewährt wer­den kann, wenn Hin­ter­blie­be­ne nach Nr. 15 Abs. 1 BhV nicht vor­han­den sind) ent­schie­den, dass die­ser Per­so­nen­kreis aus eige­nem Recht Bei­hil­fe­an­sprü­che nur inso­weit gel­tend machen kann, als die Jah­res­frist der Nr. 14 Abs. 4 BhV beim Tode des ursprüng­lich Bei­hil­fe­be­rech­tig­ten noch nicht ver­stri­chen war. Nach die­ser Recht­spre­chung hat der von Nr. 15 Abs. 2 BhV umfass­te Per­so­nen­kreis somit einen eige­nen Bei­hil­fe­an­spruch grund­sätz­lich nur für die inner­halb eines Jah­res vor dem Tode des ursprüng­lich Bei­hil­fe­be­rech­tig­ten ent­stan­de­nen Auf­wen­dun­gen. Die­se Pro­ble­ma­tik steht hier indes nicht in Rede, da die Aus­schluss­frist des § 17 Abs. 10 Satz 1 BVO zum Zeit­punkt des Todes der Mut­ter der Klä­ge­rin nicht ver­stri­chen war.

Die in die­sem Zusam­men­hang ange­stell­ten Erwä­gun­gen des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts kön­nen für den Per­so­nen­kreis des § 16 Abs. 1 Satz 1 BVO (wie schon für die von Nr. 15 Abs. 1 BhV erfass­ten enge­ren Ange­hö­ri­gen 9) kei­ne Gel­tung haben. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat sei­ne Ent­schei­dung damit begrün­det, dass der von Nr. 15 Abs. 2 BhV erfass­te Per­so­nen­kreis nicht des­halb Bei­hil­fe erhal­te, weil der Dienst­herr ihm gegen­über eine Für­sor­ge­pflicht zu erfül­len habe, son­dern weil der Beam­te die beru­hi­gen­de Gewiss­heit haben sol­le, dass bei sei­nem Tode nicht Ande­re durch Auf­wen­dun­gen für ihn in unan­ge­mes­se­ner Wei­se belas­tet wer­den wür­den. Der Sinn und Zweck der Rege­lung spre­che des­halb dafür, dass nur die in einem begrenz­ten Zeit­raum vor dem Tode des Ver­stor­be­nen ent­stan­de­nen bei­hil­fe­fä­hi­gen Auf­wen­dun­gen erfasst wer­den soll­ten. Jeden­falls hin­sicht­lich der von § 16 Abs. 1 Satz 1 BVO erfass­ten Hin­ter­blie­be­nen ist die Sach­la­ge ent­schei­dend anders. Hin­sicht­lich die­ses Per­so­nen­krei­ses, den enge­ren Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen des ver­stor­be­nen bei­hil­fe­be­rech­tig­ten Beam­ten, hat der Dienst­herr, wie sich aus § 98 Abs. 1 Satz 1 LBG ergibt, grund­sätz­lich eine eige­ne Für­sor­ge­pflicht zu erfül­len. Mit die­ser Für­sor­ge­pflicht wäre es nicht ver­ein­bar, wenn die mate­ri­ell-recht­li­che Aus­schluss­frist für die Antrag­stel­lung zu einem Zeit­punkt zu lau­fen begän­ne, zu dem der Hin­ter­blie­be­ne gemäß § 16 Abs. 1 Satz 1 BVO noch gar nicht anspruchs­be­rech­tigt sein konn­te. Zwar mag es zutref­fen, dass im Fal­le des Todes des Bei­hil­fe­be­rech­tig­ten ihm gegen­über die inso­weit nach­wir­ken­de Für­sor­ge­pflicht des Dienst­herrn auf die inner­halb einer begrenz­ten Frist vor sei­nem Tode ent­stan­de­nen Auf­wen­dun­gen beschränkt ist. Da der Dienst­herr jedoch gegen­über den Hin­ter­blie­be­nen des Bei­hil­fe­be­rech­tig­ten aus dem Kreis der Fami­lie im Sin­ne des § 98 LBG – der sich mit dem von § 16 Abs. 1 Satz 1 BVO erfass­ten Per­so­nen­kreis deckt – zumin­dest im Grund­satz eine eigen­stän­di­ge Für­sor­ge­pflicht zu erfül­len hat, kommt ihnen gegen­über eine ent­spre­chen­de Beschrän­kung des Bei­hil­fe­an­spruchs gemäß § 16 Abs. 1 Satz 1 BVO nicht in Betracht 10.

Auch die Bestim­mung des § 16 Abs. 1 Satz 2 BVO kann nicht für die gegen­tei­li­ge Auf­fas­sung her­an­ge­zo­gen wer­den; viel­mehr spricht sie bei sys­te­ma­ti­scher Betrach­tung eher für das oben gefun­de­ne Ergeb­nis. Nach § 16 Abs. 1 Satz 2 BVO bemisst sich die eigen­stän­di­ge Bei­hil­fe der Hin­ter­blie­be­nen nach den Ver­hält­nis­sen am Tag vor dem Tod. Wie bereits der Wort­laut der Bestim­mung zeigt, steht sie in engem sys­te­ma­ti­schem Zusam­men­hang mit der in § 14 BVO ent­hal­te­nen Rege­lung über den Bemes­sungs­satz der Bei­hil­fe. Hier­nach ist die Bei­hil­fe im Anwen­dungs­be­reich des § 16 BVO abwei­chend von dem in § 14 Abs. 1 Satz 5 BVO ent­hal­te­nen Grund­satz (Zeit­punkt des Ent­ste­hens der Auf­wen­dun­gen) nach dem Vom­hun­dert­satz zu bemes­sen, der dem Ver­stor­be­nen am Tage vor sei­nem Able­ben zuge­stan­den hät­te. Auch dies spricht für die hier ver­tre­te­ne Aus­le­gung, wonach es sich bei der Bei­hil­fe­be­rech­ti­gung der Hin­ter­blie­be­nen nach § 16 Abs. 1 Satz 1 BVO um einen von dem ursprüng­li­chen Bei­hil­fe­an­spruch ver­selb­stän­dig­ten Anspruch han­delt. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Beklag­ten kann § 16 Abs. 1 Satz 2 BVO kei­ne wei­ter­ge­hen­de, über die Rege­lung des maß­geb­li­chen Bemes­sungs­sat­zes hin­aus­ge­hen­de Aus­sa­ge ent­nom­men wer­den. Ins­be­son­de­re bringt die Bestim­mung nicht zum Aus­druck, dass für die mate­ri­ell-recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen des Bei­hil­fe­an­spruchs des Hin­ter­blie­be­nen auf die Ver­hält­nis­se des ver­stor­be­nen Bei­hil­fe­be­rech­tig­ten abzu­stel­len ist. Dass hin­sicht­lich der Not­wen­dig­keit und Ange­mes­sen­heit der Behand­lung auf die Per­son des ver­stor­be­nen Bei­hil­fe­be­rech­tig­ten abzu­stel­len ist, ergibt sich ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Beru­fung nicht aus § 16 Abs. 1 Satz 2 BVO, son­dern folgt bereits dar­aus, dass auch von dem nach § 16 Abs. 1 Satz 1 BVO bei­hil­fe­be­rech­tig­ten Hin­ter­blie­be­nen eine Bei­hil­fe für Auf­wen­dun­gen des Ver­stor­be­nen gel­tend gemacht wird.

Für die Rich­tig­keit die­ser Über­le­gun­gen spricht ten­den­zi­ell auch ein Ver­gleich mit den Vor­läu­fer­be­stim­mun­gen, auch wenn der Befund inso­weit nicht ein­deu­tig ist. So ent­hielt die Bei­hil­fe­ver­ord­nung vom 27. Okto­ber 1972 11 kei­ne dem § 16 BVO ent­spre­chen­de Rege­lung über ein eigen­stän­di­ges Bei­hil­fe­recht der Hin­ter­blie­be­nen. Viel­mehr sah § 1 Abs. 2 der genann­ten Ver­ord­nung vor, dass bei dem Tode eines Bei­hil­fe­be­rech­tig­ten der hin­ter­blie­be­ne Ehe­gat­te oder die Kin­der des ver­stor­be­nen Bei­hil­fe­be­rech­tig­ten Bei­hil­fe zu den bei­hil­fe­fä­hi­gen Auf­wen­dun­gen erhal­ten, die bis zum Tod oder aus Anlass des Todes ent­stan­den sind. Eine aus­drück­li­che Rege­lung über die dabei von den Hin­ter­blie­be­nen ein­zu­hal­ten­de Antrags­frist ent­hielt die Bei­hil­fe­ver­ord­nung nicht, so dass offen blieb, wie in einer der­ar­ti­gen Fall­kon­stel­la­ti­on die Frist­re­ge­lung des § 13 Abs. 4 BVO a.F. anzu­wen­den war. Eine der­ar­ti­ge eigen­stän­di­ge Antrags­frist für den Bei­hil­fe­an­spruch der Hin­ter­blie­be­nen wur­de durch die Ver­ord­nung des Finanz­mi­nis­te­ri­ums zur Ände­rung der Bei­hil­fen­ver­ord­nung vom 30.11.1979 (GBl. 1979, 551) ein­ge­führt. Mit die­ser Ände­rung wur­de in § 10 Abs. 3 BVO a.F. erst­mals ein Anspruch auf pau­scha­le Bei­hil­fe­leis­tun­gen im Todes­fall geschaf­fen. Hier­an anknüp­fend bestimm­te § 13 Abs. 4 Satz 2 BVO a.F., dass für den Beginn der Antrags­frist bei pau­scha­len Bei­hil­fen in Todes­fäl­len nach § 10 Abs. 3 BVO a.F. der Tag des Able­bens maß­ge­bend sein soll­te. Dies zeigt, dass der Ver­ord­nungs­ge­ber die hier in Rede ste­hen­de Pro­ble­ma­tik zumin­dest in der Ver­gan­gen­heit im oben dar­ge­leg­ten Sin­ne gelöst hat. Auch ist nicht ersicht­lich, dass der Norm­ge­ber mit der Bei­hil­fe­ver­ord­nung vom 12. März 1986 12, die kei­ne ent­spre­chen­de Rege­lung ent­hielt, eine bewuss­te Abkehr von der vor­he­ri­gen Rechts­la­ge bezweck­te.

Nach all­dem davon aus­zu­ge­hen, dass die auf eigen­stän­di­ge Bei­hil­fe­an­sprü­che der Hin­ter­blie­be­nen nach § 16 Abs. 1 Satz 1 BVO nur ent­spre­chend anwend­ba­re Frist des § 17 Abs. 10 Satz 1 BVO stets erst mit Ablauf des Todes­ta­ges zu lau­fen beginnt und des­halb ein Bei­hil­fe­an­spruch für die im Jah­re 2005 ent­stan­de­nen Auf­wen­dun­gen nicht erlo­schen ist.

Hier­an ändert sich durch die neue Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts zur Ver­erb­lich­keit von Bei­hil­fe­an­sprü­chen 13 im Ergeb­nis nichts. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat mit die­sem Urteil sei­ne bis­he­ri­ge Recht­spre­chung, wonach der Bei­hil­fe­an­spruch wegen sei­ner höchst­per­sön­li­chen Natur nicht ver­erb­lich ist, auf­ge­ge­ben und fest­ge­stellt, dass der ver­fas­sungs­recht­li­che Hin­ter­grund der Gewäh­rung von Bei­hil­fen es aus­schlie­ße, den Bei­hil­fe­an­spruch unab­hän­gig von einer aus­rei­chen­den gesetz­li­chen Rege­lung als unver­erb­lich anzu­se­hen. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat in die­ser Ent­schei­dung den in § 1 Abs. 3 Satz 2 Halb­satz 2 BhVO des Saar­lan­des ent­hal­te­nen Aus­schluss der Ver­erb­lich­keit von Bei­hil­fe­an­sprü­chen man­gels einer aus­rei­chen­den gesetz­li­chen Grund­la­ge für nich­tig gehal­ten; glei­ches gel­te für den hier­an anknüp­fen­den eigen­stän­di­gen Bei­hil­fe­an­spruch der Hin­ter­blie­be­nen nach § 18 Abs. 2 BhVO SL. Dahin­ge­stellt kann dabei blei­ben, ob die­se Erwä­gun­gen auch für die auf der Grund­la­ge des § 101 LBG erlas­se­nen Bestim­mun­gen des § 1 Abs. 3 Satz 1 1. Halb­satz BVO und § 16 Abs. 1 Satz 1 BVO zutref­fen. Denn selbst wenn der in § 1 Abs. 3 Satz 1 Halb­satz 1 BVO ent­hal­te­ne Aus­schluss der Ver­erb­lich­keit von Bei­hil­fe­an­sprü­chen nich­tig und ab sofort nicht mehr anwend­bar sein soll­te, gilt dies jeden­falls nicht für den eigen­stän­di­gen Bei­hil­fe­an­spruch der Hin­ter­blie­be­nen nach § 16 Abs. 1 Satz 1 BVO.

So geht auch das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt davon aus, dass die Nich­tig­keit des in der Saar­län­di­schen Bei­hil­fe­ver­ord­nung ent­hal­te­nen Aus­schlus­ses der Ver­erb­lich­keit von Bei­hil­fe­an­sprü­chen die Wirk­sam­keit der sons­ti­gen Vor­schrif­ten der Bei­hil­fe­ver­ord­nung des Saar­lan­des im Grund­satz unbe­rührt lässt. Dies gebie­tet, die Vor­schrift des § 16 Abs. 1 Satz 1 BVO über die eigen­stän­di­ge Bei­hil­fe­be­rech­ti­gung der Hin­ter­blie­be­nen jeden­falls für eine Über­gangs­zeit bis zur Neu­re­ge­lung der Pro­ble­ma­tik durch den Gesetz­ge­ber wei­ter anzu­wen­den, weil andern­falls ein noch ver­fas­sungs­fer­ne­rer und schlecht­hin uner­träg­li­cher Zustand ein­tre­ten wür­de 14. Wie der vor­lie­gen­de Fall zeigt, wird die Rege­lung des § 16 BVO auch bei einer unter­stell­ten Ver­erb­lich­keit von Bei­hil­fe­an­sprü­chen nicht funk­ti­ons­los. Zwar wäre der in der Per­son der Mut­ter der Klä­ge­rin ent­stan­de­ne Bei­hil­fe­an­spruch dann in den Nach­lass gefal­len und nach § 1922 Abs. 1 BGB auf deren Erben über­ge­gan­gen. Die­ser Anspruch wäre jedoch nach § 17 Abs. 10 Satz 4 BVO erlo­schen, da er weder von der Erb­las­se­rin noch ihren Erben inner­halb der Frist des § 17 Abs. 10 Satz 1 BVO gel­tend gemacht wur­de. Die­ses Ergeb­nis ist vor allem des­halb unbil­lig, weil nach der bis­he­ri­gen gefes­tig­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts zumin­dest für die Erben kei­ner­lei Ver­an­las­sung bestand, einen Bei­hil­fe­an­spruch gel­tend zu machen; ein der­ar­ti­ger Antrag der Erben war nach bis­he­ri­ger Rechts­la­ge offen­sicht­lich aus­sichts­los. Die Rechts­stel­lung der Hin­ter­blie­be­nen wür­de ent­ge­gen der vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt erkenn­bar mit sei­nem Urteil vom 29. April 2010 15 ver­folg­ten Absicht ver­schlech­tert.

Auch unab­hän­gig hier­von ist für einen eigen­stän­di­gen Bei­hil­fe­an­spruch der Hin­ter­blie­be­nen selbst bei der Annah­me der Ver­erb­lich­keit von Bei­hil­fe­an­sprü­chen noch Raum. Denn der in § 16 Abs. 1 Satz 1 BVO umschrie­be­ne Per­so­nen­kreis muss sich nach dem oben Gesag­ten nicht mit den Erben decken; fer­ner sind – etwa bei einer Erb­schafts­aus­schla­gung – Fall­kon­stel­la­tio­nen denk­bar, in denen den Hin­ter­blie­be­nen über­haupt kein Erbe zufließt. Zumin­dest bis zu einer Neu­re­ge­lung der Gesamt­pro­ble­ma­tik durch den Gesetz­ge­ber ist des­halb für die Anwen­dung von § 16 Abs. 1 BVO wei­ter­hin Raum. Es muss dann dem Gesetz­ge­ber vor­be­hal­ten blei­ben, bei einer Neu­re­ge­lung der Ver­erb­lich­keit von Bei­hil­fe­an­sprü­chen zu ent­schei­den, ob dane­ben wei­ter­hin eine eigen­stän­di­ge Bei­hil­fe­be­rech­ti­gung für Hin­ter­blie­be­ne – etwa unter Anrech­nung auf ererb­te Bei­hil­fe­leis­tun­gen – bestehen blei­ben soll.

Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 15. Dezem­ber 2010 – 10 S 1820/​09

  1. Anschluss an BVerwG, Urtei­le vom 01.04.1976 – II C 39.73, BVerw­GE 50, 292; sowie vom 27.05.1982 – 2 C 50.81, NVwZ 1983, 225[]
  2. BVerwG, Urteil vom 29.04.2010 – 2 C 77.08, DÖD 2010, 230[]
  3. vgl. BVerwG, Urteil vom 29.04.2010 – 2 C 77.08 – a.a.O.[]
  4. vgl. so auch Schröder/​Beckmann/​Keufer/​Hellstern/​Zimmermann, Bei­hil­fe­vor­schrif­ten Baden-Würt­tem­berg, Stand Juli 2005, § 16 BVO S. 7[]
  5. vgl. m.w.N. etwa BVerwG, Urtei­le vom 01.04.1976 – II C 39.73, BVerw­GE 50, 292; sowie vom 22.03.1990 – 2 C 49.87, Buch­holz 270 § 16 BhV Nr. 2[]
  6. vgl. zum Gan­zen BVerwG, Urtei­le vom 01.04.1976 – II C 39.73, a.a.O.; sowie vom 27.05.1982 – 2 C 50.81, Buch­holz 232.5 § 18 BeamtVG Nr. 1[]
  7. vgl. BayVGH, Urteil vom 09.05.1984 – Nr. 3 B 83 A. 776, ZBR 1984, 344, zu den struk­tur­ähn­li­chen Bestim­mun­gen Nr. 14 Abs. 4 und Nr. 15 Abs. 1 BhV 1979[]
  8. BVerwG, Urteil vom 27.05.1982 – 2 C 50.81, a.a.O.[]
  9. vgl. hier­zu VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 20.01.1988 – 11 S 2306/​86, ZBR 1988, 357[]
  10. vgl. auch VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 20.01.1988 – 11 S 2306/​86, a.a.O.[]
  11. Ver­ord­nung des Finanz­mi­nis­te­ri­ums über die Gewäh­rung von Bei­hil­fen in Krankheits‑, Geburts- und Todes­fäl­len (Bei­hil­fen­ver­ord­nung – BV -) vom 27.10.1972, GES.Bl. 1972, S. 604[]
  12. Ver­ord­nung des Finanz­mi­nis­te­ri­ums über die Gewäh­rung von Bei­hil­fe in Krankheits‑, Geburts- und Todes­fäl­len (Bei­hil­fe­ver­ord­nung – BVO -) vom 12.03.1986, GBl. 1986, 67[]
  13. BVerwG, Urteil vom 29.04.2010 – 2 C 77.08 – a.a.O.[]
  14. vgl. zu die­sen Gesichts­punk­ten BVerwG, Urtei­le vom 17.06.2004 – 2 C 50.02, BVerw­GE 121, 103; sowie vom 28.05.2008 – 2 C 1.07, NVwZ 2008, 1380[]
  15. BVerwG, Urteil vom 29.04.2010 – 2 C 77.08[]