Rechts­an­walts­kos­ten im per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­chen Beschluss­ver­fah­ren

Die Dienst­stel­le ist nicht ver­pflich­tet, Rechts­an­walts­kos­ten, die dem Per­so­nal­rat im per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­chen Beschluss­ver­fah­ren ent­stan­den sind, auf der Grund­la­ge einer Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­rung zu über­neh­men.

Rechts­an­walts­kos­ten im per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­chen Beschluss­ver­fah­ren

Kei­ne Pflicht zur Über­nah­me der ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Anwalts­ver­gü­tung

Der Wort­laut der Rege­lung in § 44 Abs. 1 Satz 1 BPers­VG ist­nicht zwin­gend dahin zu ver­ste­hen, dass die Dienst­stel­le alle durch die Per­so­nal­rats­tä­tig­keit ver­ur­sach­ten Kos­ten nach Grund und Höhe zu über­neh­men hat. Er ist viel­mehr offen für eine Wer­tung, die jeweils danach fragt, ob der Per­so­nal­rat sei­ne Auf­wen­dun­gen für erfor­der­lich, ver­tret­bar und ver­hält­nis­mä­ßig hal­ten durf­te. Dass die­se Aus­le­gung gebo­ten ist, zeigt schon der rechts­sys­te­ma­ti­sche Zusam­men­hang mit den Rege­lun­gen zu Rei­se- und Schu­lungs­kos­ten in § 44 Abs. 1 Satz 2 und § 46 Abs. 6 BPers­VG, die aus­drück­lich auf die Merk­ma­le der Not­wen­dig­keit und Erfor­der­lich­keit abstel­len. Hin­zu kommt, dass der Per­so­nal­rat als Teil der Ver­wal­tung dem Gebot der spar­sa­men Ver­wen­dung öffent­li­cher Mit­tel unter­liegt 1. Dar­aus folgt ohne Wei­te­res, dass die Dienst­stel­le Rechts­an­walts­kos­ten nur in Höhe der gesetz­li­chen Ver­gü­tung nach § 2 Abs. 2 RVG i.V.m. der Anla­ge 1 zum RVG zu über­neh­men hat. Dass Per­so­nal­rä­te für ihre Ver­tre­tung im Beschluss­ver­fah­ren Rechts­an­wäl­te nur fin­den kön­nen, wenn sie eine Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­rung abschlie­ßen, kann nicht ernst­haft behaup­tet wer­den und wider­spricht im Übri­gen jeg­li­cher gericht­li­cher Erfah­rung.

Dem­ge­mäß ent­spricht es ein­hel­li­ger Auf­fas­sung in Recht­spre­chung und Lite­ra­tur, die Erstat­tungs­pflicht der Dienst­stel­le nach § 44 Abs. 1 Satz 1 BPers­VG für Rechts­an­walts­kos­ten auf die gesetz­li­che Ver­gü­tung zu beschrän­ken 2. Für den Bereich des Betriebs­ver­fas­sungs­rechts hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt eben­falls ent­schie­den, dass der Betriebs­rat die Beauf­tra­gung eines Rechts­an­walts grund­sätz­lich auf der Grund­la­ge der gesetz­li­chen Ver­gü­tung vor­zu­neh­men hat 3; Grün­de für eine "groß­zü­gi­ge­re" Betrach­tungs­wei­se im Per­so­nal­ver­tre­tungs­recht sind nicht erkenn­bar.

Eine Schlech­ter­stel­lung des Per­so­nal­rats gegen­über ande­ren Ver­wal­tungs­or­ga­nen ist damit nicht ver­bun­den. Zwar mag es zutref­fen, dass im Bereich der öffent­li­chen Ver­wal­tung im Fal­le der Beauf­tra­gung eines Rechts­an­walts nicht sel­ten eine Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­rung abge­schlos­sen wird. Der Pro­zess, den ein Trä­ger öffent­li­cher Ver­wal­tung gegen einen Außen­ste­hen­den führt, ist jedoch mit dem per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­chen Beschluss­ver­fah­ren nicht ver­gleich­bar. Denn hier fin­det anders als dort eine Erstat­tung außer­ge­richt­li­cher Kos­ten durch den Unter­le­ge­nen nicht statt. Die­se Lücke wird durch § 44 Abs. 1 Satz 1 BPers­VG geschlos­sen. Nach den dazu in der Recht­spre­chung aner­kann­ten Grund­sät­zen hat die Dienst­stel­le die außer­ge­richt­li­chen Kos­ten, die dem Per­so­nal­rat durch Beauf­tra­gung eines Rechts­an­walts ent­stan­den sind, immer dann zu tra­gen, wenn die Rechts­ver­fol­gung nicht von vorn­her­ein aus­sichts­los war oder mut­wil­lig betrie­ben wur­de 4. Lie­gen die letzt­ge­nann­ten Vor­aus­set­zun­gen nicht vor, so greift die Erstat­tungs­pflicht der Dienst­stel­le selbst dann ein, wenn der Per­so­nal­rat im Beschluss­ver­fah­ren unter­liegt. Unter Umstän­den ist auch der Dienst­stel­len­lei­ter berech­tigt, sich im Beschluss­ver­fah­ren eines Rechts­an­walts zu bedie­nen 5. Die Dienst­stel­le hat unab­hän­gig vom Aus­gang des Ver­fah­rens die bei­der­sei­ti­gen Anwalts­kos­ten zu tra­gen.

Erstat­tung unter Ver­trau­ens­schutz­ge­sichts­punk­ten

Aus­nahms­wei­se kann die Dienst­stel­le zur Erstat­tung auf der Grund­la­ge einer Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­rung unter Ver­trau­ens­schutz­ge­sichts­punk­ten ver­pflich­tet sein. Ob ein sol­cher Aus­nah­me­fall gege­ben ist, ist von den Umstän­den des Ein­zel­falls abhän­gig. Im Übri­gen kann eine ein­ma­li­ge Erstat­tung der Dienst­stel­le zu den Sät­zen einer Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­rung ohne das Hin­zu­tre­ten wei­te­rer Umstän­de beim Per­so­nal­rat kein Ver­trau­en dahin erzeu­gen kann, eine Erstat­tung zu die­sen Bedin­gun­gen wer­de auch für künf­ti­ge Beschluss­ver­fah­ren und wei­te­re Instan­zen vor­ge­nom­men.

Haf­tung für die Anwalts­kos­ten aus Für­sor­ge­ge­sichts­punk­ten

Eine Haf­tung der Dienst­stel­le für die Anwalts­kos­ten unter Für­sor­ge­ge­sichts­punk­ten schei­det aus.

In der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts ist geklärt, dass Ver­trags­part­ner des Rechts­an­walts, den der Per­so­nal­rat zwecks Durch­set­zung sei­ner per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­chen Befug­nis­se mit sei­ner Ver­tre­tung im Beschluss­ver­fah­ren beauf­tragt, der Per­so­nal­rat ist 6. Eine Haf­tung ein­zel­ner Per­so­nal­rats­mit­glie­der für die Ver­gü­tungs­an­sprü­che des Rechts­an­walts ist daher aus­ge­schlos­sen. Der Per­so­nal­rat selbst kann wegen sei­ner Ver­mö­gens­lo­sig­keit für die Anwalts­ver­gü­tung nicht auf­kom­men 7. Dies hat aber ent­ge­gen der Annah­me des Antrag­stel­lers nicht zur Fol­ge, dass der Rechts­an­walt wegen sei­ner Ver­gü­tungs­an­sprü­che auf das Wohl­wol­len des Per­so­nal­rats und der Dienst­stel­le ange­wie­sen ist. Viel­mehr hat der Per­so­nal­rat ein drin­gen­des Eigen­in­ter­es­se dar­an, einen bestehen­den Erstat­tungs­an­spruch aus § 44 Abs. 1 Satz 1 BPers­VG gegen­über der Dienst­stel­le gericht­lich durch­zu­set­zen. Ande­ren­falls könn­te er nicht mehr auf die Ver­tre­tungs­be­reit­schaft von Rechts­an­wäl­ten zäh­len. Zudem hat er die Opti­on, sei­nen Erstat­tungs­an­spruch an sei­ne bevoll­mäch­tig­ten Rechts­an­wäl­te abzu­tre­ten.

Frei­lich trägt der Rechts­an­walt das Risi­ko, bei Nicht­vor­lie­gen der Vor­aus­set­zun­gen des § 44 Abs. 1 BPers­VG mit sei­ner Kos­ten­for­de­rung aus­zu­fal­len 8. Dies ist nicht rechts­staats­wid­rig. Denn vom Rechts­an­walt als Organ der Rechts­pfle­ge kann erwar­tet wer­den, dass er den Per­so­nal­rat von einer Rechts­ver­fol­gung abhält, die offen­sicht­lich aus­sichts­los oder mut­wil­lig ist 9. Nur unter die­sen Vor­aus­set­zun­gen schei­tert – wie bereits erwähnt – die Über­nah­me von Rechts­an­walts­kos­ten durch die Dienst­stel­le. Eben­so wenig unter­liegt Beden­ken, dass der Rechts­an­walt mit Ansprü­chen aus­fällt, die über die gesetz­li­che Ver­gü­tung hin­aus­ge­hen. Denn mit dem Abschluss einer Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­rung geht er ange­sichts der ein­hel­lig ableh­nen­den Stel­lung­nah­men in Recht­spre­chung und Lite­ra­tur ein erheb­li­ches Risi­ko ein.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 29. April 2011 – 6 PB 21.10

  1. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 09.10.1991 – 6 P 01.90, BVerw­GE 89, 93, 102 ff. = Buch­holz 250 § 44 BPers­VG Nr. 25 S. 47 ff.; vom 09.03.1992 – 6 P 11.90, BVerw­GE 90, 76, 84 f. = Buch­holz 250 § 44 BPers­VG Nr. 26 S. 59 f.; vom 19.12.1996 – 6 P 10.94, Buch­holz 250 § 44 BPers­VG Nr. 30 S. 8; vom 26.02.2003 – 6 P 09.02, BVerw­GE 118, 1, 2 f., 6 = Buch­holz 250 § 44 BPers­VG Nr. 31 S. 2 und 4 f.; vom 14.06.2006 – 6 P 13.05, BVerw­GE 126, 122 = Buch­holz 250 § 44 BPers­VG Nr. 35 Rn. 11 f.; vom 09.07.2007 – 6 P 09.06, Buch­holz 250 § 46 BPers­VG Nr. 30 Rn. 21; vom 15.04.2008 – 6 PB 03.08, Buch­holz 250 § 44 BPers­VG Nr. 36 Rn. 8 f.; und vom 11.10.2010 – 6 P 16.09 – Rn. 14[]
  2. vgl. BayVGH, Beschlüs­se vom 13.07.1994 – 18 P 94.1807, PersV 1997, 229; und vom 23.07.2003 – 17 P 03.18; OVG NRW, Beschluss vom 25.03.1999 – 1 A 1973/97.PVL; OVG Ham­burg, Beschlüs­se vom 11.06.2001 – 8 Bf 370/​00.PVL; vom 26.11.2001 – 8 Bf 372/​00.PVL; und vom 25.02.2002 – 8 Bf 378/​00; Kröll, in: Altvater/​Baden/​Kröll/​Lemcke/​Peiseler, Bun­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­setz, 7. Aufl. 2011, § 44 Rn. 34; Fischer/​Goeres/​Gronimus, in: GKÖD Bd. V, K § 44 Rn. 11d; Loren­zen, in: Lorenzen/​Etzel/​Gerhold/​Schlatmann/​Rehak/​Faber, Bun­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­setz, § 44 Rn. 18e[]
  3. vgl. BAG, Beschluss vom 20.10.1999 – 7 ABR 25/​98 – AP Nr. 67 zu § 40 BetrVG 1972[]
  4. vgl. BVerwG, Beschluss vom 11.10.2010, a.a.O., m.w.N.[]
  5. vgl. § 11 Abs. 4, § 89 Abs. 1, § 94 Abs. 1 ArbGG[]
  6. vgl. BVerwG, Beschluss vom 09.03.1992, a.a.O. S. 80 f. bzw. S. 56 f.[]
  7. vgl. BVerwG, Beschluss vom 09.03.1992, a.a.O. S. 83 bzw. S. 58[]
  8. vgl. BVrwG, Beschlüs­se vom 09.03.1992, a.a.O. S. 83 bzw. S. 58; und vom 19.12. 1996 a.a.O. S. 9[]
  9. vgl. Beschluss vom 09.03.1992 a.a.O. S. 88 bzw. S. 62[]