Bun­des­not­brem­se – und die Fra­ge der Mit­wir­kung der Städ­te und Kreise

Vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt blie­ben Eil­an­trä­ge ohne Erfolg, die dar­auf abziel­ten, dass die Maß­nah­men der soge­nann­ten Bun­des­not­brem­se zur Bekämp­fung der Coro­na-Pan­de­mie erst dann gel­ten, wenn und soweit zuvor die nach Lan­des­recht zustän­di­ge Behör­de für den jewei­li­gen Land­kreis oder die kreis­freie Stadt unter Berück­sich­ti­gung der ört­li­chen Gege­ben­hei­ten ihre Ver­hält­nis­mä­ßig­keit fest­ge­stellt und ihre Gel­tung durch All­ge­mein­ver­fü­gung ange­ord­net hat. Außer­dem soll­te die Bun­des­re­gie­rung ver­pflich­tet wer­den, kurz­fris­tig einen Plan zur Erhö­hung der Zahl der ver­füg­ba­ren Inten­siv­bet­ten und des dafür benö­tig­ten Pfle­ge­per­so­nals vorzulegen.

Bun­des­not­brem­se – und die Fra­ge der Mit­wir­kung der Städ­te und Kreise

Nach § 32 Abs. 1 BVerfGG kann das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt im Streit­fall einen Zustand durch einst­wei­li­ge Anord­nung vor­läu­fig regeln, wenn dies zur Abwehr schwe­rer Nach­tei­le, zur Ver­hin­de­rung dro­hen­der Gewalt oder aus einem ande­ren wich­ti­gen Grund zum gemei­nen Wohl drin­gend gebo­ten ist. Wegen der meist weit­tra­gen­den Fol­gen, die eine einst­wei­li­ge Anord­nung in einem ver­fas­sungs­recht­li­chen Ver­fah­ren aus­löst, gilt für die Beur­tei­lung der Vor­aus­set­zun­gen des § 32 Abs. 1 BVerfGG ein stren­ger Maß­stab, der sich noch erhöht, wenn – wie hier – der Voll­zug eines Geset­zes aus­ge­setzt wer­den soll1

Gemes­sen an die­sen stren­gen Vor­aus­set­zun­gen haben die Eil­an­trä­ge kei­nen Erfolg. Weder die Eil­be­dürf­tig­keit noch die in die­sem Ver­fah­ren erfor­der­li­chen kon­kre­ten Nach­tei­le sind dar­ge­legt. Auf eine – ohne­hin dem Haupt­sa­che­ver­fah­ren vor­be­hal­te­ne – ver­fas­sungs­recht­li­che Beur­tei­lung von § 28b IfSG und eine Fol­gen­ab­wä­gung kommt es daher nicht an. 

Tat­säch­lich belas­ten die Maß­nah­men des Infek­ti­ons­schut­zes die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger. Doch sind hier die nach § 32 Abs. 1 BVerfGG stren­gen Dar­le­gungs­an­for­de­run­gen hin­sicht­lich der dro­hen­den Nach­tei­le2 nicht erfüllt. Dazu müss­ten die Beschwer­de­füh­ren­den indi­vi­dua­li­siert und kon­kret dar­le­gen, was dar­aus folgt, wenn die bean­trag­ten Eil­ent­schei­dun­gen nicht getrof­fen wer­den3. Nicht aus­rei­chend ist es, wenn wie hier beschrie­ben wird, war­um orts­nä­he­re Ent­schei­dun­gen für sinn­vol­ler gehal­ten wer­den, dass pri­va­te Unter­neh­mun­gen beschwer­li­cher aus­fal­len als ohne die Maß­nah­men zum Schutz vor Anste­ckung in einer Pan­de­mie, oder dass ein Hob­by in einer Zeit hoher Anste­ckungs­ge­fahr nicht wie zuvor aus­ge­übt wer­den kann. Ersicht­lich müs­sen die­se Ein­schrän­kun­gen der per­sön­li­chen Frei­heit als Ein­grif­fe in Grund­rech­te gerecht­fer­tigt sein. Damit ist aber nicht dar­ge­legt, dass das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ohne die ver­tief­te Prü­fung in einem Haupt­sa­che­ver­fah­ren ein Gesetz außer Kraft set­zen müsste.

Hin­sicht­lich des Eil­an­trags zur Erhö­hung der Inten­siv­ka­pa­zi­tä­ten ist in kei­ner Wei­se dar­ge­legt, wor­auf sich ein sol­cher Antrag ver­fas­sungs­recht­lich über­haupt stüt­zen wür­de. Die Beschwer­de­füh­ren­den gehen auch selbst davon aus, dass es der­zeit objek­tiv kei­ner sol­chen Maß­nah­me bedarf.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 31. Mai 2021 – 1 BvR 794/​21

  1. vgl. BVerfGE 140, 99 <106 f. Rn. 12> BVerfG, Beschluss vom 05.05.2021 – 1 BvR 781/​21 u.a., Rn.20; Beschluss vom 20.05.2021 – 1 BvR 968/​21 u.a., Rn. 7 f.; Beschluss vom 20.05.2021 – 1 BvQ 64/​21, Rn. 6[]
  2. vgl. BVerfG, Beschluss vom 22.12.2020 – 1 BvR 2756/​20 u.a., Rn. 4 ff.; Beschlüs­se vom 29.12.2020 – 1 BvQ 152/​20 u.a., Rn. 13 ff. und – 1 BvQ 165/​20 u.a., Rn. 21 f.[]
  3. dazu BVerfG, Beschluss vom 05.08.2015 – 2 BvR 2190/​14, Rn. 27; Beschluss vom 28.10.2020 – 1 BvR 972/​20, Rn. 12[]

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