Bun­des­recht – und die Ver­fas­sungs­be­schwer­de zum Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt

Gegen­über der Anwen­dung von Bun­des­recht, das, wie hier die im Aus­gangs­ver­fah­ren ange­wen­de­ten Bestim­mun­gen des Jus­tiz­ver­gü­tungs- und ‑ent­schä­di­gungs­ge­set­zes, wegen sei­nes höhe­ren Rangs nicht am Maß­stab der Baye­ri­schen Ver­fas­sung über­prüft wer­den kann, beschränkt sich die Prü­fung in mate­ri­el­ler Hin­sicht dar­auf, ob das Gericht gegen das Will­kür­ver­bot (Art. 118 Abs. 1 BV) ver­sto­ßen hat.

Bun­des­recht – und die Ver­fas­sungs­be­schwer­de zum Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt

Ohne erfolg­rei­che Will­kür­rü­ge kann die ange­grif­fe­ne Ent­schei­dung daher nicht an ande­ren mate­ri­el­len Grund­rech­ten der Baye­ri­schen Ver­fas­sung – etwa dem Grund­recht auf Eigen­tum – gemes­sen wer­den 1.

Eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de ist nach Art. 51 Abs. 1 Satz 1, Abs. 2 Satz 2 VfGHG nur zuläs­sig, wenn das ver­fas­sungs­mä­ßi­ge Recht, des­sen Ver­let­zung der Beschwer­de­füh­rer gel­tend macht, inner­halb der Ver­fas­sungs­be­schwer­de­frist von zwei Mona­ten bezeich­net wird. Dazu muss erkenn­bar sein, inwie­fern durch eine Maß­nah­me oder Ent­schei­dung ein sol­ches Recht ver­letzt ist. In die­ser Hin­sicht ist die Dar­stel­lung des wesent­li­chen zugrun­de lie­gen­den Sach­ver­halts, die genaue Bezeich­nung der bean­stan­de­ten Hand­lung und des durch die Hand­lung ver­letz­ten ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Rechts erfor­der­lich. Die blo­ße Behaup­tung, eine gericht­li­che oder behörd­li­che Ent­schei­dung sei unrich­tig oder feh­ler­haft, genügt den Anfor­de­run­gen an die Begrün­dung einer Ver­fas­sungs­be­schwer­de nicht 2. Auf der Grund­la­ge des Vor­trags in der Ver­fas­sungs­be­schwer­de muss die behaup­te­te Grund­rechts­ver­let­zung viel­mehr zumin­dest mög­lich erschei­nen 3.

Selbst wenn man zuguns­ten des Beschwer­de­füh­rers davon aus­gin­ge, sein Vor­trag in der Ver­fas­sungs­be­schwer­de­schrift ent­hal­te zumin­dest sinn­ge­mäß auch die Rüge einer Ver­let­zung des Art. 118 Abs. 1 BV, wür­de die­se den Sub­stan­zi­ie­rungs­an­for­de­run­gen des Art. 51 Abs. 1 Satz 1 VfGHG nicht gerecht wer­den. Den Aus­füh­run­gen des Beschwer­de­füh­rers ist nicht zu ent­neh­men, wor­in eine Ver­let­zung des Will­kür­ver­bots (Art. 118 Abs. 1 BV) lie­gen soll.

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs könn­te bei einer gericht­li­chen Ent­schei­dung ein Ver­stoß gegen das Will­kür­ver­bot nur dann fest­ge­stellt wer­den, wenn die Ent­schei­dung bei Wür­di­gung der die Ver­fas­sung beherr­schen­den Grund­sät­ze nicht mehr ver­ständ­lich wäre und sich der Schluss auf­dräng­te, sie beru­he auf sach­frem­den Erwä­gun­gen. Die Ent­schei­dung dürf­te unter kei­nem Gesichts­punkt ver­tret­bar sein; sie müss­te schlecht­hin unhalt­bar, offen­sicht­lich sach­wid­rig, ein­deu­tig unan­ge­mes­sen sein. Selbst eine feh­ler­haf­te Anwen­dung ein­fa­chen Rechts begrün­det des­halb für sich allein noch kei­nen Ver­stoß gegen das Will­kür­ver­bot als Aus­prä­gung des all­ge­mei­nen Gleich­heits­sat­zes 4.

Baye­ri­scher Ver­fas­sungs­ge­richts­hof – Ent­chei­dung vom 8. März 2016 – – Vf 21 ‑VI/​15

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung; vgl. VerfGH vom 26.06.2013 VerfGHE 66, 94/​97 m. w. N.; vom 02.07.2014 Vf. 58-VI-13 67; vom 25.11.2014 BayVBl 2015, 321/​321 f.[]
  2. stän­di­ge Recht­spre­chung; vgl. VerfGH vom 31.08.2010 – Vf. 55-VI-09 44; vom 03.11.2010 BayVBl 2011, 575[]
  3. vgl. VerfGH vom 11.05.2004 VerfGHE 57, 39/​42 f.; vom 14.09.2009 BayVBl 2010, 250/​251; VerfGH vom 01.03.2012 – Vf. 33-VI-11 18; vom 03.05.2012 – Vf. 58-VI-11 48; vom 24.03.2014 – Vf. 87-VI-12 27[]
  4. stän­di­ge Recht­spre­chung; vgl. VerfGH vom 09.01.2015 – Vf. 1‑VI-14 18 m. w. N.[]