Demo mit Moham­med-Kari­ka­tu­ren

Beim Zei­gen von Moham­med-Kari­ka­tu­ren fehlt es an der für ein poli­zei­li­ches Ein­schrei­ten erfor­der­li­chen Gefähr­dung der öffent­li­chen Sicher­heit. Die Kari­ka­tu­ren fal­len unter die Kunst­frei­heit gemäß Art.5 Abs. 3 GG und fal­len nicht unter den Straf­tat­be­stand des § 166 StGB, da kei­ne „Beschimp­fung“ im Sin­ne des Ver­ächt­lich­ma­chens des reli­giö­sen Bekennt­nis­ses erkenn­bar ist.

Demo mit Moham­med-Kari­ka­tu­ren

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin in dem hier vor­lie­gen­den Fall den Eil­an­trag zurück­ge­wie­sen, mit dem das Zei­gen von soge­nann­ten „Moham­med-Kari­ka­tu­ren” unter­sagt wer­den soll­te. Antrag­stel­ler sind drei isla­mi­sche Moschee-Ver­ei­ne, die der „Bür­ger­be­we­gung Pro Deutsch­land” ver­bie­ten las­sen woll­ten, wäh­rend der am kom­men­den Sams­tag statt­fin­den­den Demons­tra­tio­nen vor deren Ein­rich­tun­gen soge­nann­te „Moham­med-Kari­ka­tu­ren” zu zei­gen. Die „Bür­ger­be­we­gung Pro Deutsch­land” hat für den 18. August 2012 Ver­samm­lun­gen vor den reli­giö­sen Ein­rich­tun­gen der Antrag­stel­ler mit dem Ver­samm­lungs­the­ma „Der Islam gehört nicht zu Deutsch­land – Isla­mi­sie­rung stop­pen” ange­mel­det. Die Ver­samm­lungs­be­hör­de hat der Anmel­de­rin jeweils Ver­samm­lungs­or­te im Abstand ca. 50 m vor den Ein­rich­tun­gen der Antrag­stel­ler zuge­wie­sen. Die Anmel­de­rin hat ange­kün­digt, im Kon­text der Ver­samm­lun­gen die sog. „Moham­med-Kari­ka­tu­ren” zei­gen zu wol­len. Hier­ge­gen wen­den sich die Antrag­stel­ler mit ihrem Antrag.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin feh­le es an der für ein poli­zei­li­ches Ein­schrei­ten erfor­der­li­chen Gefähr­dung der öffent­li­chen Sicher­heit. Es ste­he näm­lich nicht fest, dass das Zei­gen von „Moham­med-Kari­ka­tu­ren” straf­recht­lich rele­vant sei. Für die Erfül­lung des Straf­tat­be­stan­des des § 166 StGB feh­le es erkenn­bar an einer „Beschimp­fung” im Sin­ne des Ver­ächt­lich­ma­chens des reli­giö­sen Bekennt­nis­ses. Zudem fie­len die Kari­ka­tu­ren unter die Kunst­frei­heit des Art. 5 Abs. 3 GG. Durch das Zei­gen der Moham­med-Kari­ka­tu­ren allein wer­de auch nicht zum Hass oder zu Gewalt­maß­nah­men gegen ein­zel­ne Bevöl­ke­rungs­grup­pen auf­ge­for­dert, so dass auch der Tat­be­stand der Volks­ver­het­zung (§ 130 StGB) nicht erfüllt sei.

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Beschluss vom 16. August 2012 – VG 1 L 217.12