Der Kampf um Drittsen­de­zei­ten bei Sat. 1

Der Bescheid der Lan­des­zen­tra­le für Medi­en und Kom­mu­ni­ka­ti­on Rhein­land-Pfalz über Drittsen­de­zei­ten ist rechts­wid­rig, weil Vor­schrif­ten über das Ver­fah­ren bei der Ver­ga­be von Drittsen­de­zei­ten ver­letzt wor­den sind, die ins­be­son­de­re in § 31 des maß­geb­li­chen Rund­funk­staats­ver­trag aus­drück­lich gere­gelt sind .

Der Kampf um Drittsen­de­zei­ten bei Sat. 1

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Neu­stadt an der Wein­stra­ße in dem hier vor­lie­gen­den Fall um die Ver­ga­be der Sen­de­zei­ten für unab­hän­gi­ge Drit­te im Haupt­pro­gramm von Sat.1 (sog. Drittsen­de­zei­ten) den Kla­gen von Sat.1 als Haupt­pro­gramm­ver­an­stal­ter und zwei­er nicht zum Zuge gekom­me­ner Bewer­ber um Drittsen­de­zei­ten statt­ge­ge­ben. Gegen­stand der Anfech­tungs­kla­gen war der Bescheid der Lan­des­zen­tra­le für Medi­en und Kom­mu­ni­ka­ti­on Rhein­land-Pfalz vom 17. April 2012. In die­sem Bescheid erteil­te die Lan­des­zen­tra­le für Medi­en und Kom­mu­ni­ka­ti­on Rhein­land-Pfalz für eine ers­te, bereits in der Aus­schrei­bung mit­ein­an­der gekop­pel­te Grup­pe von Sen­de­zei­ten – ers­te und zwei­te Sen­de­zeit­schie­ne – die Zulas­sung der in Mainz ansäs­si­gen Fir­ma News and Pic­tures Fern­se­hen GmbH & Co. KG. Die­se war bereits bis­her die Ver­an­stal­te­rin der Drittsen­de­zei­ten bei Sat.1. Die aktu­el­le Lizenz endet am 31. Mai 2013. Das Glei­che gilt für die DCTP Ent­wick­lungs­ge­sell­schaft für TV-Pro­gramm mbH, die eben­falls mit Bescheid vom 17. April 2012 erneut zuge­las­sen wur­de, und zwar für die drit­te und vier­te Sen­de­zeit­schie­ne.

Gleich­zei­tig wur­den meh­re­re ande­re Bewer­ber abge­lehnt, dar­un­ter die Klä­ge­rin­nen N 24 Media GmbH und META pro­duc­tions Gesell­schaft für Film- und Fern­seh­pro­duk­ti­on mbH. Ziel ihrer Kon­kur­ren­ten­kla­gen war die Auf­he­bung der ihnen gegen­über aus­ge­spro­che­nen Ableh­nun­gen sowie der an die aus­ge­wähl­ten Mit­be­wer­ber erteil­ten Zulas­sun­gen und die Ver­pflich­tung der Lan­des­zen­tra­le für Medi­en und Kom­mu­ni­ka­ti­on Rhein­land-Pfalz zu einer neu­en Ent­schei­dung.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Neu­stadt an der Wein­stra­ße ist im Ergeb­nis der kom­bi­nier­ten Zulas­sungs- und Ableh­nungs­be­scheid der Lan­des­zen­tra­le für Medi­en und Kom­mu­ni­ka­ti­on Rhein­land-Pfalz vom 17. April 2012 für rechts­wid­rig, und zwar schon wegen der Ver­let­zung ver­schie­de­ner Vor­schrif­ten über das Ver­fah­ren bei der Ver­ga­be von Drittsen­de­zei­ten, die in dem hier maß­geb­li­chen Rund­funk­staats­ver­trag, ins­be­son­de­re in des­sen § 31, aus­drück­lich gere­gelt sind. Danach ist ein Ver­fah­ren in meh­re­ren Schrit­ten vor­ge­se­hen, die grund­sätz­lich dar­auf gerich­tet sind, dass die Ver­an­stal­ter der Drittsen­de­zei­ten von Lan­des­zen­tra­le für Medi­en und Kom­mu­ni­ka­ti­on Rhein­land-Pfalz und Haupt­pro­gramm­ver­an­stal­ter ein­ver­nehm­lich aus­ge­wählt wer­den. Für den Fall, dass dies
– wie im vor­lie­gen­den Fall – nicht gelingt, stellt der Rund­funk­staats­ver­trag wei­te­re zwin­gen­de Ver­fah­rens­an­for­de­run­gen auf, die nach Auf­fas­sung des Gerichts zu Las­ten der Klä­ge­rin­nen nicht ein­ge­hal­ten wor­den sind. Auch in mate­ri­ell-recht­li­cher Hin­sicht hat das Ver­wal­tungs­ge­richt in ver­schie­de­nen Punk­ten Beden­ken gegen die Ent­schei­dung der Lan­des­zen­tra­le für Medi­en und Kom­mu­ni­ka­ti­on Rhein­land-Pfalz.

Ver­wal­tungs­ge­richt Neu­stadt, Urtei­le vom 23. August 2012 – 5 K 404/​12.NW, 5 K 417/​12.NW und 5 K 452/​12.NW