Der Mobil­funk­mast außer­halb der Stadt

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat heu­te die Vor­aus­set­zun­gen kon­kre­ti­siert, unter denen
Wann ist ein Funk­mast für Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­ein­rich­tun­gen (Mobil­funk) nach § 35 Abs. 1 Nr. 3 Bau­GB pri­vi­le­giert im Außen­be­reich zuläs­sig? Und wel­che Anfor­de­run­gen sind an die Orts­ge­bun­den­heit einer Anla­ge der öffent­li­chen Ver­sor­gung mit Mobil­funk­diens­ten gemäß § 35 Abs. 1 Nr. 3 Bau­GB zu stel­len? Die Ober­ver­wal­tungs­ge­rich­te haben die­se Fra­ge bis­her unein­heit­lich beant­wor­tet. Nun lag die Fra­ge dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt vor:

Der Mobil­funk­mast außer­halb der Stadt

Die Klä­ge­rin beab­sich­tigt die Errich­tung eines Funk­mas­tes im Gebiet der bei­gela­de­nen Gemein­de. Die hier­für bean­trag­te Bau­ge­neh­mi­gung wur­de abge­lehnt, weil die Gemein­de das inso­weit erfor­der­li­che Ein­ver­neh­men ver­wei­gert hat­te.

Die Kla­ge hat­te erst­in­stanz­lich vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart Erfolg 1. Auf die Beru­fung der bei­gela­de­nen Gemein­de hat dage­gen der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg in Mann­heim die Kla­ge abge­wie­sen 2. Nach Auf­fas­sung der Mann­hei­mer Rich­ter ist das Vor­ha­ben der Klä­ge­rin nicht nach § 35 Abs. 1 Nr. 3 Bau­GB pri­vi­le­giert zuläs­sig, denn es kön­ne eben­so gut im Innen­be­reich ver­wirk­licht wer­den, was sich aus der von der Klä­ge­rin vor­ge­leg­ten Stand­ort­ana­ly­se erge­be. Dass die im Innen­be­reich in Fra­ge kom­men­den Stand­or­te zivil­recht­lich nicht ver­füg­bar sei­en, weil sich die Eigen­tü­mer wei­ger­ten, die­se der Klä­ge­rin zur Ver­fü­gung zu stel­len, sei unbe­acht­lich. Damit feh­le es an der von § 35 Abs. 1 Nr. 3 Bau­GB vor­aus­ge­setz­ten Orts­ge­bun­den­heit.

Die­ser Argu­men­ta­ti­on folg­te das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt nicht, es hob das Beru­fungs­ur­teil auf und wies die Beru­fung der bei­gela­de­nen Gemein­de zurück:

§ 35 Abs. 1 Nr. 3 Bau­GB setzt zwar die Orts­ge­bun­den­heit des Vor­ha­bens als unge­schrie­be­nes Tat­be­stands­merk­mal vor­aus. Auf­grund der tech­ni­schen Beson­der­hei­ten des Mobil­funks ist es aller­dings nicht erfor­der­lich, dass das Vor­ha­ben auf einen ein­zi­gen Stand­ort ange­wie­sen ist. Es kön­nen viel­mehr auch meh­re­re Stand­or­te inner­halb eines bestimm­ten Rau­mes in Betracht kom­men, von denen aus der Funk­mast sei­ne netz­be­zo­ge­ne Ver­sor­gungs­funk­ti­on erfül­len kann. Schließt ein sol­cher Raum­be­zug auch Stand­or­te im Innen­be­reich der Gemein­de ein, ist die Außen­be­reich­s­pri­vi­le­gie­rung des Vor­ha­bens nur dann zu beja­hen, wenn dem Funk­mast­be­trei­ber ein Aus­wei­chen auf einen sol­chen Stand­ort – etwa weil die­ser zivil­recht­lich nicht ver­füg­bar ist – nicht zuge­mu­tet wer­den kann. Davon war im vor­lie­gen­den Fall aus­zu­ge­hen, so dass das Vor­ha­ben nach § 35 Abs. 1 Nr. 3 Bau­GB pri­vi­le­giert zuläs­sig ist.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 20. Juni 2013 – 4 C 2.12

  1. VG Stutt­gart, Urteil vom 30.06.2009 – 6 K 1177/​09[]
  2. VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 17.02.2012 – 8 S 1796/​10[]