Der Sala­fist in der Bun­des­wehr

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len hat ein Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts Aachen bestä­tigt, wonach die vor­zei­ti­ge Ent­las­sung eines ehe­ma­li­gen Zeit­sol­da­ten aus der Bun­des­wehr recht­mä­ßig ist, weil er der sala­fis­ti­schen Sze­ne zuzu­rech­nen sei.

Der Sala­fist in der Bun­des­wehr

In der Vor­in­stanz hat­te das Ver­wal­tungs­ge­richt Aachen die Ent­schei­dung der Bun­des­wehr, den Sol­da­ten wegen man­geln­der Eig­nung zu ent­las­sen, nicht bean­stan­det: die Bun­des­wehr habe die Ent­las­sung ver­tret­bar dar­auf gestützt, es bestün­den Zwei­fel dar­an, dass er als Sol­dat jeder­zeit für die frei­heit­li­che demo­kra­ti­sche Grund­ord­nung ein­tre­ten wür­de, weil er sich dem Sala­fis­mus zuge­wandt habe und für ihn reli­giö­se Gebo­te über der frei­heit­li­chen demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung stün­den. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Müns­ter Ober­ver­wal­tungs­ge­richts hat nun den Antrag des Sol­da­ten auf Zulas­sung der Beru­fung abge­lehnt. Das Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts ist damit rechts­kräf­tig.

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt bestä­tig­te den recht­li­chen Ansatz des Ver­wal­tungs­ge­richts, die wer­ten­de Ent­schei­dung des Dienst­herrn über das Vor­lie­gen eines Eig­nungs­man­gels kön­ne im ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren nur ein­ge­schränkt über­prüft wer­den, weil nur die mili­tä­ri­schen Vor­ge­setz­ten sach­ver­stän­dig und zuver­läs­sig beur­tei­len könn­ten, ob der Sol­dat künf­tig den Anfor­de­run­gen ent­spre­chen wer­de. Der Sol­dat habe nicht auf­ge­zeigt, dass sich die Ent­las­sung nicht im Rah­men des dem Dienst­herrn eröff­ne­ten Beur­tei­lungs­spiel­raums hal­te.

Der ehe­ma­li­ge Zeit­sol­dat hat­te unter ande­rem gel­tend gemacht, es kön­ne kein Grund für die Ent­las­sung eines deut­schen Sol­da­ten sein, wenn er die Gesell­schafts­ord­nung Sau­di-Ara­bi­ens angeb­lich als vor­bild­lich dar­stel­le und die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land zur Auf­recht­erhal­tung die­ser Gesell­schafts­ord­nung schwe­re Waf­fen lie­fe­re. Die Annah­me, dass er der sala­fis­ti­schen Sze­ne zuzu­rech­nen oder über­haupt Sala­fist sei, sei eben­so unsub­stan­ti­iert wie die gene­rel­le Annah­me, ein Sala­fist kön­ne grund­sätz­lich nicht auf dem Boden der frei­heit­lich demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung ste­hen.

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Müns­ter folg­te die­ser Auf­fas­sung nicht: Der Sol­dat habe ins­be­son­de­re die Fak­ten, die nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts die Annah­me recht­fer­tig­ten, er habe sich zuneh­mend radi­ka­li­siert und müs­se mitt­ler­wei­le als gefes­tig­ter Sala­fist ein­ge­ord­net wer­den, nicht durch­grei­fend in Fra­ge gestellt.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein ‑West­fa­len, Beschluss vom 15. Mai 2015 – 1 A 807/​15