Der Schau­kas­ten einer Par­tei am Stra­ßen­rand – und die Gebüh­ren

Schau­käs­ten auf öffent­li­chem Stra­ßen­land stel­len auch eine Son­der­nut­zung dar, wenn sie einer poli­ti­schen Par­tei zur Wer­bung die­nen.

Der Schau­kas­ten einer Par­tei am Stra­ßen­rand – und die Gebüh­ren

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge eines Kreis­ver­ban­des einer poli­ti­schen Par­tei abge­wie­sen. Im Gebiet des Kreis­ver­ban­des befin­den sich an 27 Stand­or­ten seit meh­re­ren Jahr­zehn­ten Schau­käs­ten im öffent­li­chen Stra­ßen­land. Dabei han­delt es sich um Metall­käs­ten mit einer Front­schei­be aus Glas, die mit zwei Stand­bei­nen fest mit dem Boden ver­bun­den sind. Die Schau­käs­ten wer­den ganz­jäh­rig für Infor­ma­tio­nen der Par­tei genutzt.

Das Bezirks­amt Rei­ni­cken­dorf von Ber­lin for­der­te mit Gebüh­ren­be­scheid vom 4. Janu­ar 2017 von der Klä­ge­rin für die Auf­stel­lung Son­der­nut­zungs­ge­büh­ren in Höhe von 4.988,16 € für den Zeit­raum von einem Jahr, weil es sich hier­bei um eine Son­der­nut­zung han­de­le und – anders als bis­her gehand­habt – hier­für nach gel­ten­der Rechts­la­ge Gebüh­ren erho­ben wer­den müss­ten. Damit war der Kreis­ver­band nicht ein­ver­stan­den und hat nach erfolg­lo­sem Wider­spruch Kla­ge erho­ben. Nach Ansicht des Kreis­ver­ban­des sei eine Son­der­nut­zung poli­ti­scher Par­tei­en nach der Son­der­nut­zungs­ge­büh­ren­ver­ord­nung gebüh­ren­frei; im Übri­gen müs­se nach dem Ber­li­ner Stra­ßen­ge­setz (Berl­StrG) bei der Gebüh­ren­be­mes­sung der wirt­schaft­li­che Vor­teil der Son­der­nut­zung berück­sich­tigt wer­den, wor­an es hier feh­le. 

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin deut­lich erklärt, dass Schau­käs­ten auf öffent­li­chem Stra­ßen­land auch dann eine Son­der­nut­zung dar­stell­ten, wenn die­se von einer poli­ti­schen Par­tei zur Wer­bung genutzt wür­den. Ein fest instal­lier­ter Schau­kas­ten ste­he auch nicht einem blo­ßen (mobi­len) Infor­ma­ti­ons­stand gleich. Außer­dem sei­en nach dem Berl­StrG Wer­be­an­la­gen auf der Stra­ße nur in unmit­tel­ba­rem Zusam­men­hang mit Wah­len gebüh­ren­frei. Dau­er­haf­te Wer­be­an­la­gen wie die in Rede ste­hen­den Schau­käs­ten stün­den dem nicht gleich. Weder sei die Gebühr zu ermä­ßi­gen oder gar zu erlas­sen.

Dar­über hin­aus lie­ge die Son­der­nut­zung trotz der hohen Bedeu­tung der Mit­wir­kung von Par­tei­en an der poli­ti­schen Wil­lens­bil­dung des Vol­kes nicht im beson­de­ren öffent­li­chen Inter­es­se. Die Gebüh­ren­er­he­bung stel­le auch kei­ne Här­te für die Par­tei dar, und schließ­lich sei die­ses Ver­ständ­nis mit dem Par­tei­en­pri­vi­leg des Art. 21 des Grund­ge­set­zes ver­ein­bar.

Wei­ter­hin sei das Recht des Beklag­ten, Gebüh­ren zu erhe­ben, auch nicht dadurch ver­wirkt, dass er jeden­falls auf­grund der bereits im Jahr 2006 in Kraft getre­te­nen Son­der­nut­zungs­ge­büh­ren­ver­ord­nung berech­tigt und auch ver­pflich­tet gewe­sen sei, Gebüh­ren zu erhe­ben, hier­von aber kei­nen Gebrauch gemacht habe.

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Urteil vom 24. August 2020 – VG 1 K 11/​18