Die Abwahl einer Uni(vize)präsidentin

Aus den Vor­ga­ben, die das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt aus dem Grund­recht der Wis­sen­schafts­frei­heit (Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG) für die Legi­ti­ma­ti­on der Lei­tungs­or­ga­ne von Hoch­schu­len ent­wi­ckelt hat, ergibt sich, dass die Abbe­ru­fung ein­zel­ner Mit­glie­der des Prä­si­di­ums einer nie­der­säch­si­schen Hoch­schu­le dem aus­schlag­ge­ben­den Ein­fluss des Senats als dem mehr­heit­lich mit Hoch­schul­leh­rern besetz­ten Hoch­schul­gre­mi­um unter­lie­gen muss. Dies schließt sowohl eine Aus­le­gung der §§ 48, 40 NHG dahin­ge­hend aus, dass dem Fach­mi­nis­te­ri­um eine Befug­nis inne­wohnt, über die Ent­las­sung von Prä­si­di­ums­mit­glie­dern nach Maß­ga­be eige­ner Per­so­nal­po­li­tik zu ent­schei­den, noch lässt sich der Bestim­mung des § 40 NHG ein Veto­recht des mehr­heit­lich extern besetz­ten Hoch­schul­rats gegen­über einer posi­ti­ven Abwahl­ent­schei­dung des Senats einer Hoch­schu­le ent­neh­men.

Die Abwahl einer Uni(vize)präsidentin

Rechts­grund­la­ge der Ent­las­sungs­ver­fü­gung ist in Nie­der­sach­sen § 48 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit § 40 NHG in der bis zum 17.12 2013 gel­ten­den Fas­sung vom 26.02.2007 1. Nach § 48 Abs. 1 NHG ernennt und bestellt sowie ent­lässt das Fach­mi­nis­te­ri­um die Mit­glie­der des Prä­si­di­ums. Gemäß § 40 Satz 1 NHG kann der Senat mit einer Mehr­heit von drei Vier­teln sei­ner Mit­glie­der ein­zel­ne Mit­glie­der des Prä­si­di­ums abwäh­len und damit deren Ent­las­sung vor­schla­gen; der Vor­schlag bedarf der Bestä­ti­gung des Hoch­schul­rats (§ 40 Satz 2 NHG).

Der Auf­fas­sung, §§ 48 Abs. 1, 40 NHG ver­stie­ßen gegen das rechts­staat­li­che Gebot der Bestimmt­heit einer Norm, weil in ihnen nicht gere­gelt sei, ob und unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen das für die Ent­las­sung zustän­di­ge Fach­mi­nis­te­ri­um dem Ent­las­sungs­vor­schlag zustim­men müs­se bzw. ob dem Fach­mi­nis­te­ri­um inso­weit ein Letzt­ent­schei­dungs­recht zukom­me, ver­mag das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt unter Berück­sich­ti­gung der im Ver­fah­ren des vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes gebo­te­nen sum­ma­ri­schen Prü­fung der Sach- und Rechts­la­ge nicht zu fol­gen. Das aus Art.20 Abs. 3 GG fol­gen­de Bestimmt­heits­ge­bot ver­langt vom Norm­ge­ber, die Rechts­vor­schrif­ten so genau zu fas­sen, wie dies nach der Eigen­art der zu ord­nen­den Lebens­sach­ver­hal­te mit Rück­sicht auf den Norm­zweck mög­lich ist 2. Dabei nimmt die Not­wen­dig­keit der Aus­le­gung einer gesetz­li­chen Begriffs­be­stim­mung der Norm noch nicht die Bestimmt­heit 3. Es genügt, wenn die Betrof­fe­nen die Rechts­la­ge erken­nen und ihr Ver­hal­ten dar­auf aus­rich­ten kön­nen 4. Die­sen Anfor­de­run­gen dürf­ten §§ 48 Abs. 1, 40 NHG gerecht wer­den. Dass ihnen kei­ne Befug­nis des zustän­di­gen Minis­te­ri­ums inne­woh­nen kann, über die Ent­las­sung von Mit­glie­dern des Prä­si­di­ums einer Hoch­schu­le nach Maß­stä­ben einer eige­nen Per­so­nal­po­li­tik zu ent­schei­den, ergibt sich – wie die Vor­in­stanz eben­falls zutref­fend her­aus­ge­stellt hat – aus den Vor­ga­ben, die das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt aus dem Grund­recht des Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG für die Legi­ti­ma­ti­on der Lei­tungs­or­ga­ne von Hoch­schu­len ent­wi­ckelt hat.

Das Grund­recht des Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG, das Wis­sen­schaft, For­schung und Leh­re für frei erklärt, ent­hält neben einem indi­vi­du­el­len Frei­heits­recht eine objek­ti­ve, das Ver­hält­nis von Wis­sen­schaft, For­schung und Leh­re zum Staat regeln­de, wert­ent­schei­den­de Grund­satz­norm 5. Der Staat muss danach für funk­ti­ons­fä­hi­ge Insti­tu­tio­nen eines frei­en uni­ver­si­tä­ren Wis­sen­schafts­be­triebs sor­gen und durch geeig­ne­te orga­ni­sa­to­ri­sche Maß­nah­men sicher­stel­len, dass das indi­vi­du­el­le Grund­recht der frei­en wis­sen­schaft­li­chen Betä­ti­gung so weit unan­ge­tas­tet bleibt, wie das unter Berück­sich­ti­gung der ande­ren legi­ti­men Auf­ga­ben der Wis­sen­schafts­ein­rich­tun­gen und der Grund­rech­te der ver­schie­de­nen Betei­lig­ten mög­lich ist 6.

Wis­sen­schaft ist ein grund­sätz­lich von Fremd­be­stim­mung frei­er Bereich auto­no­mer Ver­ant­wor­tung. Dem Frei­heits­recht des Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG liegt auch der Gedan­ke zugrun­de, dass eine von gesell­schaft­li­chen Nütz­lich­keits- und poli­ti­schen Zweck­mä­ßig­keits­vor­stel­lun­gen freie Wis­sen­schaft Staat und Gesell­schaft im Ergeb­nis am bes­ten dient 7. Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG ver­pflich­tet daher den Staat zu Schutz und För­de­rung wis­sen­schaft­li­cher Betä­ti­gung und garan­tiert den in der Wis­sen­schaft Täti­gen zugleich Teil­ha­be an öffent­li­chen Res­sour­cen und der Orga­ni­sa­ti­on des Wis­sen­schafts­be­triebs in Gestalt der Mit­wir­kung in den Beschluss­or­ga­nen der Hoch­schu­le 8. Die­se Mit­wir­kung an der öffent­li­chen Wis­sen­schafts­ver­wal­tung ist kein Selbst­zweck, son­dern dient dem Schutz vor wis­sen­schafts­i­nad­äqua­ten Ent­schei­dun­gen und ist folg­lich nur im dafür erfor­der­li­chen Umfang grund­recht­lich garan­tiert 9.

Der Gesetz­ge­ber ver­fügt im Hin­blick auf die Orga­ni­sa­ti­on des Wis­sen­schafts­be­triebs grund­sätz­lich über einen wei­ten Gestal­tungs­spiel­raum 10. Die Siche­rung der Wis­sen­schafts­frei­heit durch orga­ni­sa­to­ri­sche Rege­lun­gen ver­langt aber, dass die Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­ler durch ihre Ver­tre­tung in Hoch­schul­or­ga­nen Gefähr­dun­gen der Wis­sen­schafts­frei­heit abweh­ren und ihre fach­li­che Kom­pe­tenz zur Ver­wirk­li­chung der Wis­sen­schafts­frei­heit in die Orga­ni­sa­ti­on ein­brin­gen kön­nen. Der Gesetz­ge­ber muss für die Orga­ni­sa­ti­on der Wis­sen­schafts­frei­heit ein Gesamt­ge­fü­ge schaf­fen, in dem Ent­schei­dungs­be­fug­nis­se und Mit­wir­kungs­rech­te, Ein­fluss­nah­me, Infor­ma­ti­on und Kon­trol­le so beschaf­fen sind, dass Gefah­ren für die Frei­heit von Leh­re und For­schung ver­mie­den wer­den 11. Orga­ni­sa­ti­ons­nor­men sind daher dann mit Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG unver­ein­bar, wenn durch sie ein Gesamt­ge­fü­ge geschaf­fen wird, das die freie wis­sen­schaft­li­che Betä­ti­gung und Auf­ga­ben­er­fül­lung struk­tu­rell gefähr­det 12.

Wenn Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG das Prin­zip der Frei­heit der Wis­sen­schaft auf­stellt, so weist er damit inner­halb der an einer Hoch­schu­le betrie­be­nen Wis­sen­schaft den Hoch­schul­leh­rern, denen die Pfle­ge von For­schung und Leh­re vor­nehm­lich anver­traut ist, eine her­aus­ge­ho­be­ne Stel­lung zu. Die Hoch­schul­leh­rer prä­gen auf­grund ihrer Vor­bil­dung sowie ihrer meist lang­jäh­ri­gen Tätig­keit und Erfah­rung in For­schung und Leh­re in ers­ter Linie die Hoch­schu­le als wis­sen­schaft­li­che Ein­rich­tung. Sie tra­gen kraft ihres Amtes und Auf­trags erhöh­te Ver­ant­wor­tung für die Funk­ti­ons­fä­hig­keit und den wis­sen­schaft­li­chen Rang der Uni­ver­si­tät. Infol­ge ihrer regel­mä­ßi­gen län­ge­ren Zuge­hö­rig­keit zur Hoch­schu­le wer­den sie zudem durch lang­fris­tig wir­ken­de Ent­schei­dun­gen der Hoch­schul­or­ga­ne stär­ker betrof­fen als die Grup­pen der wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­ter und der Stu­den­ten. Die­ser beson­de­ren Stel­lung der Hoch­schul­leh­rer muss der Staat Rech­nung tra­gen, wenn er im Rah­men sei­ner Gestal­tungs­frei­heit die Orga­ni­sa­ti­on der Wis­sen­schafts­ver­wal­tung unter Berück­sich­ti­gung der ver­schie­den­ar­ti­gen Inter­es­sen und Funk­tio­nen der ein­zel­nen Grup­pen von Hoch­schul­mit­glie­dern gestal­tet. Dies for­dert auch der all­ge­mei­ne Gleich­heits­satz, der es ver­bie­tet, Grup­pen, die sich nach der Art des zu regeln­den Lebens­ver­hält­nis­ses in unter­schied­li­cher Lage befin­den, ohne zurei­chen­den Grund gleich zu behan­deln. Der Gesetz­ge­ber muss daher gera­de bei der Grup­pe der Hoch­schul­leh­rer dar­auf ach­ten, dass sie unter Berück­sich­ti­gung der Auf­ga­ben und Zwe­cke der Hoch­schu­le so frei wie mög­lich ihre wis­sen­schaft­li­chen Auf­ga­ben erfül­len kön­nen 13.

Dem­entspre­chend liegt eine struk­tu­rel­le Gefähr­dung der Wis­sen­schafts­frei­heit dann vor, wenn dem Lei­tungs­or­gan einer Hoch­schu­le sub­stan­ti­el­le per­so­nel­le und sach­li­che Ent­schei­dungs­be­fug­nis­se im wis­sen­schafts­re­le­van­ten Bereich zuge­wie­sen wer­den, dem mit Hoch­schul­leh­rern besetz­ten Gre­mi­um im Ver­hält­nis hier­zu jedoch kaum Kom­pe­ten­zen und auch kei­ne maß­geb­li­chen Mit­wir­kungs- und Kon­troll­rech­te ver­blei­ben 14. Der Gesetz­ge­ber ist zwar nicht gehin­dert, dem Lei­tungs­or­gan umfang­rei­che Kom­pe­ten­zen auch in Berei­chen mit Wis­sen­schafts­be­zug ein­zu­räu­men. Je stär­ker jedoch der Gesetz­ge­ber das Lei­tungs­or­gan mit Kom­pe­ten­zen aus­stat­tet, des­to stär­ker muss er im Gegen­zug die direk­ten und indi­rek­ten Mit­wir­kungs, Ein­fluss, Infor­ma­ti­ons- und Kon­troll­rech­te der Kol­le­gi­al­or­ga­ne aus­ge­stal­ten, damit Gefah­ren für die Frei­heit von Leh­re und For­schung ver­mie­den wer­den 15. Zen­tra­les und effek­ti­ves Ein­fluss- und Kon­troll­in­stru­ment der wis­sen­schaft­lich Täti­gen auf die Orga­ni­sa­ti­on der Hoch­schu­le ist das Recht zur Bestel­lung und auch zur Abbe­ru­fung von Lei­tungs­per­so­nen 16. Je höher Aus­maß und Gewicht der den Lei­tungs­per­so­nen zuste­hen­den Befug­nis­se sind, des­to eher muss die Mög­lich­keit gege­ben sein, sich selbst­be­stimmt von die­sen zu tren­nen 17. Je mehr, je grund­le­gen­der und je sub­stan­ti­el­ler wis­sen­schafts­re­le­van­te per­so­nel­le und sach­li­che Ent­schei­dungs­be­fug­nis­se dem kol­le­gia­len Selbst­ver­wal­tungs­or­gan ent­zo­gen und einem Lei­tungs­or­gan zuge­wie­sen wer­den, des­to stär­ker muss im Gegen­zug die Mit­wir­kung des Selbst­ver­wal­tungs­or­gans an der Bestel­lung und Abbe­ru­fung die­ses Lei­tungs­or­gans und an des­sen Ent­schei­dun­gen aus­ge­stal­tet sein 18.

Unter Berück­sich­ti­gung die­ser Grund­sät­ze wäre eine struk­tu­rel­le Gefähr­dung der Wis­sen­schafts­frei­heit mit über­wie­gen­der Wahr­schein­lich­keit gege­ben, wenn dem zustän­di­gen Fach­mi­nis­te­ri­um im Hin­blick auf die Ent­las­sung von Mit­glie­dern des Prä­si­di­ums der Bei­gela­de­nen eine Letzt­ent­schei­dungs­kom­pe­tenz bzw. eine eige­ne Ermes­sens­ent­schei­dung zukä­me.

Das Prä­si­di­um lei­tet die Hoch­schu­le in eige­ner Ver­ant­wor­tung (§ 37 Abs. 1 Satz 1 NHG). Es hat die Ent­wick­lung der Hoch­schu­le zu gestal­ten und dafür Sor­ge zu tra­gen, dass die Hoch­schu­le ihre Auf­ga­be erfüllt (§ 37 Abs. 1 Satz 2 NHG). Das Prä­si­di­um ist für alle Ange­le­gen­hei­ten zustän­dig, die nicht durch das Nie­der­säch­si­sche Hoch­schul­ge­setz einem ande­ren Organ zuge­wie­sen sind; es ent­schei­det ins­be­son­de­re etwa über den Abschluss einer Ziel­ver­ein­ba­rung, den Wirt­schafts­plan, die auf­ga­ben- und lei-stungs­ori­en­tier­te Mit­tel­be­mes­sung in der Hoch­schu­le, die Errich­tung, Ände­rung und Auf­he­bung von Fakul­tä­ten und ande­ren Orga­ni­sa­ti­ons­ein­hei­ten, die Ein­füh­rung, wesent­li­che Ände­rung und Schlie­ßung von Stu­di­en­gän­gen sowie die Geneh­mi­gung von Prü­fungs­ord­nun­gen (§ 37 Abs. 1 Satz 3 NHG); außer­dem ent­schei­det das Prä­si­di­um abschlie­ßend über Beru­fungs­vor­schlä­ge (§ 26 Abs. 2 Satz 5 NHG) und hat die Wahl der Deka­ne zu bestä­ti­gen (§ 43 Abs. 4 Satz 2 NHG). Die­se Ent­schei­dun­gen stel­len grund­le­gen­de wis­sen­schafts­re­le­van­te Ent­schei­dun­gen dar. Im Hin­blick auf den Abschluss der Ziel­ver­ein­ba­rung, der Einrichtung/​Änderung/​Abschaffung von Fakul­tä­ten und Stu­di­en­gän­gen, der Ent­schei­dung über Beru­fungs­vor­schlä­ge und die Wahl der Deka­ne liegt die Wis­sen­schafts­re­le­vanz auf der Hand 19; haus­halts­be­zo­ge­ne Ent­schei­dun­gen sind eben­falls wis­sen­schafts­re­le­vant, weil das Grund­recht auf Wis­sen­schafts­frei­heit leer lie­fe, wenn nicht auch die Res­sour­cen zur Ver­fü­gung stün­den, wel­che Vor­aus­set­zung für die tat­säch­li­che Inan­spruch­nah­me die­ser Frei­heit sind 20. Ins­ge­samt ist fest­zu­hal­ten, dass ins­be­son­de­re durch § 37 NHG als Teil der grund­le­gen­den Reform des Nie­der­säch­si­schen Hoch­schul­ge­set­zes infol­ge des Geset­zes zur Hoch­schul­re­form in Nie­der­sach­sen vom 24.06.2002 21 die Befug­nis­se des Prä­si­di­ums der Hoch­schu­le erheb­lich aus­ge­wei­tet wor­den sind 22, und zwar zu Las­ten des Senats 23 als dem Organ, in dem die Grup­pe der Hoch­schul­leh­rer die Stim­men­mehr­heit hat (vgl. § 16 Abs. 3 Satz 1 NHG, § 7 der Grund­ord­nung – Grun­dO – der Bei­gela­de­nen). Daher ist es nach den o. g. Grund­sät­zen des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zur "Kom­pen­sa­ti­on" die­ses Umstands unab­ding­bar, dass die Beset­zung und die Abbe­ru­fung von Prä­si­di­ums­mit­glie­dern dem aus­schlag­ge­ben­den Ein­fluss des Senats unter­liegt 24. Dies schließt sowohl eine Letzt­ent­schei­dungs­kom­pe­tenz bzw. eige­ne Ermes­sens­ent­schei­dung des Fach­mi­nis­te­ri­ums 25 als auch ein Veto­recht des – mehr­heit­lich extern besetz­ten (§ 52 Abs. 2 Satz 1 NHG) – Hoch­schul­rats von Ver­fas­sungs wegen aus 26.

Soweit dem ent­ge­gen gehal­ten wird, die­se Erwä­gun­gen sei­en jeden­falls für das Funk­ti­ons­amt der haupt­be­ruf­li­chen Vizepräsidentin/​des haupt­be­ruf­li­chen Vize­prä­si­den­ten nicht maß­geb­lich, weil die­ses Amt, zumin­dest in dem von der Antrag­stel­le­rin wahr­ge­nom­me­nen Zuschnitt, vor­nehm­lich Auf­ga­ben der Per­so­nal- und Finanz­ver­wal­tung beinhal­tet habe, wie sie nach der zuvor gel­ten­den Rechts­la­ge der Kanzlerin/​dem Kanz­ler über­tra­gen gewe­sen sei­en, ist die­ser Argu­men­ta­ti­on aller Vor­aus­sicht nach nicht zu fol­gen. Denn sie nimmt nicht hin­rei­chend in den Blick, dass die Antrag­stel­le­rin als haupt­be­ruf­li­che Vize­prä­si­den­tin voll­be­rech­tig­tes Mit­glied des Lei­tungs­or­gans Prä­si­di­um war und dem­entspre­chend an des­sen Ent­schei­dun­gen mit­ge­wirkt hat.

Dage­gen wird ein erschwer­tes Abwahlpro­ce­de­re des Prä­si­di­ums bzw. ein­zel­ner Mit­glie­der des Prä­si­di­ums durch ein Letzt­ent­schei­dungs­recht des Fach­mi­nis­te­ri­ums bzw. durch die Ein­räu­mung eines Veto­rechts des Hoch­schul­rats nach der­zei­ti­ger Sicht auch nicht durch Art. 33 Abs. 5 GG gefor­dert. Dem Wahl­be­am­ten muss zwar ein durch Art. 33 Abs. 5 GG garan­tier­tes Min­dest­maß an Unab­hän­gig­keit sei­ner Amts­füh­rung ver­blei­ben 27. Die­ses wird jedoch zum einen dadurch sicher­ge­stellt, dass zur Abwahl gemäß § 40 Satz 1 NHG eine Drei-Vier­tel-Mehr­heit erfor­der­lich ist, was die Prä­si­di­ums­mit­glie­der dage­gen absi­chert, zum Spiel­ball schnell­le­bi­ger wech­seln­der Mehr­hei­ten des Senats zu wer­den 28, und zum ande­ren durch den Umstand, dass die Prä­si­di­ums­mit­glie­der, die in einem Beam­ten­ver­hält­nis auf Zeit gestan­den haben, nach ihrer Abwahl im Grund­satz beam­ten­recht­li­che Ver­sor­gung erhal­ten (§ 39 Abs. 1 Satz 1, § 38 Abs. 4 Satz 1 NHG; vgl. BVerfG, Beschluss vom 17.10.1957, a. a. O., Rn. 48, 51; BVerwG, Urteil vom 15.03.1989, a. a. O., Rn. 17; Battis/​Kersten, a. a. O, 976f.).

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 2. Sep­tem­ber 2014 – 5 ME 104/​14

  1. Nds. GVBl. S. 69[]
  2. BVerfG, Beschluss vom 18.05.2004 – 2 BvR 2374/​99 124; Beschluss vom 01.10.2004 – 1 BvR 173/​04 13; BVerwG, Urteil vom 09.04.2014 – BVerwG 8 C 50.12 35[]
  3. BVerfG, Beschluss vom 18.05.1988 – 2 BvR 579/​84 27; BVerwG, Urteil vom 16.06.1994 – BVerwG 4 C 2.94 8; Urteil vom 09.04.2014, a. a. O., Rn. 35[]
  4. BVerfG, Beschluss vom 18.05.1988, a. a. O., Rn. 27; BVerwG, Urteil vom 16.06.1994, a. a. O., Rn. 8; Urteil vom 09.04.2014, a. a. O., Rn. 35[]
  5. BVerfG, Urteil vom 29.05.1973 – 1 BvR 424/​71 u. a. 91ff.; Beschluss vom 26.10.2004 – 1 BvR 911/​00 u. a. 134; Beschluss vom 20.07.2010 – 1 BvR 748/​06 88; Beschluss vom 24.06.2014 – 1 BvR 3217/​07 55[]
  6. BVerfG, Urteil vom 29.05.1973, a. a. O., Rn. 97; Beschluss vom 26.10.2004, a. a. O., Rn. 134; Beschluss vom 20.07.2010, a. a. O., Rn. 88; Beschluss vom 24.06.2014, a. a. O., Rn. 55[]
  7. BVerfG, Beschluss vom 20.07.2010, a. a. O., Rn. 90; Beschluss vom 26.10.2004, a. a. O., Rn. 136[]
  8. BVerfG, Urteil vom 29.05.1973, a. a. O., Rn. 97, 127; Beschluss vom 20.07.2010, a. a. O., Rn. 90; Beschluss vom 24.06.2014, a. a. O., Rn. 56[]
  9. BVerfG, Beschluss vom 26.10.2004, a. a. O., Rn. 137; Beschluss vom 20.07.2010, a. a. O., Rn. 91; Beschluss vom 24.06.2014, a. a. O., Rn. 56[]
  10. BVerfG, Urteil vom 29.05.1973, a. a. O., Rn. 99ff.; Beschluss vom 26.10.2004, a. a. O., Rn. 140; Beschluss vom 20.07.2010, a. a. O., Rn. 93; Beschluss vom 24.06.2014, a. a. O., Rn. 57; vgl. auch BVerwG, Urteil vom 26.11.2009 – BVerwG 2 C 15.08 41[]
  11. BVerfG, Beschluss vom 20.07.2010, a. a. O., Rn. 92ff.; Beschluss vom 24.06.2014, a. a. O., Rn. 57[]
  12. BVerfG, Beschluss vom 26.10.2004, a. a. O., Rn. 139; Beschluss vom 20.07.2010, a. a. O., Rn. 92; Beschluss vom 20.06.2014, a. a. O., Rn. 57; so auch BVerwG, Urteil vom 26.11.2009, a. a. O., Rn. 51[]
  13. BVerfG, Urteil vom 29.05.1973, a. a. O., Rn. 124 – 126[]
  14. BVerfG, Beschluss vom 20.07.2010, a. a. O., Rn. 95[]
  15. vgl. BVerfG, Beschluss vom 20.07.2010, a. a. O., Rn. 95[]
  16. BVerfG, Beschluss vom 24.06.2014, a. a. O., Rn. 60; vgl. auch Beschluss vom 20.07.2010, a. a. O., Rn. 122ff.[]
  17. BVerfG, Beschluss vom 24.06.2014, a. a. O., Rn. 60; vgl. auch Beschluss vom 20.07.2010, a. a. O., Rn. 130[]
  18. BVerfG, Beschluss vom 24.06.2014, a. a. O., Rn. 60[]
  19. vgl. zur Ziel­ver­ein­ba­rung auch BVerfG, Beschluss vom 24.06.2014, a. a. O., Rn. 68[]
  20. BVerfG, Beschluss vom 24.06.2014, a. a. O., Rn. 58[]
  21. Nds. GBVl. S. 286[]
  22. BVerwG, Urteil vom 26.11.2009, a. a. O., Rn. 56; Ipsen, Die neue nie­der­säch­si­sche Hoch­schul­ver­fas­sung, Nds. VBl.2002, 257[]
  23. BVerwG, Urteil vom 26.11.2009, a. a. O., Rn. 56; Ipsen, a. a. O., 257, 259[]
  24. so zur Beset­zung des Prä­si­di­ums BVerwG, Urteil vom 26.11.2009, a. a. O., Rn. 56[]
  25. vgl. BVerfG, Beschluss vom 24.06.2014, a. a. O., Rn. 83; vgl. auch BVerwG, Urteil vom 26.11.2009, a. a. O., Rn. 56[]
  26. vgl. BVerfG, Beschluss vom 24.06.2014, a. a. O., Rn. 83[]
  27. vgl. BVerfG, Beschluss vom 17.10.1957 – 1 BvL 1/​57 51; BVerwG, Urteil vom 15.03.1989 – BVerwG 7 C 7.88 16; vgl. auch Battis/​Kersten, Die Abwahl des Hoch­schul­prä­si­den­ten, DÖV 1999, 973, 976, zur Novel­lie­rung des Bran­den­bur­gi­schen Hoch­schul­ge­set­zes[]
  28. vgl. BVerfG, Beschluss vom 17.10.1957, a. a. O., Rn. 50; BVerwG, Urteil vom 15.03.1989, a. a. O., Rn. 18; Battis/​Kersten, a. a. O., 976[]