Die Kon­trol­le und Bewer­tung von Lebens­mit­tel­be­trie­ben im Inter­net

Wenn über­haupt das Ver­brau­cher­infor­ma­ti­ons­ge­setz im Lebens­mit­tel­be­reich nicht nur War­nun­gen vor kon­kre­ten Erzeug­nis­sen erlaubt, dann dür­fen jeden­falls nur Infor­ma­tio­nen über fest­ge­stell­te Ver­stö­ße im Inter­net ver­öf­fent­licht wer­den, nicht hin­ge­gen blo­ße Bewer­tun­gen.

Die Kon­trol­le und Bewer­tung von Lebens­mit­tel­be­trie­ben im Inter­net

So die Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin in den hier vor­lie­gen­den Eil­ver­fah­ren, mit denen sich zwei bewer­te­te Betrie­be gegen die Ver­öf­fent­li­chung gewehrt haben. Die Bezir­ke Lich­ten­berg und Pan­kow ver­öf­fent­li­chen in den von ihnen im Inter­net betrie­be­nen soge­nann­ten Smi­ley-Lis­ten regel­mä­ßig die Anzahl der Minus­punk­te, die sie bei Kon­trol­len von Lebens­mit­tel­be­trie­ben in bestimm­ten Rubri­ken des Hygie­ne-Kon­troll­sys­tems ver­ge­ben haben. Den kon­kre­ten Anlass der Minus­punkt­ver­ga­be kann der Ver­brau­cher aus der Inter­net-Ver­laut­ba­rung nicht erse­hen. Der Men­ge der Minus­punk­te sind zugleich "Zen­su­ren" zuge­ord­net. Zwei mit 11 bzw. 19 Minus­punk­ten (das ent­spricht jeweils der Note "Gut") bewer­te­te Betrie­be wand­ten sich im Eil­ver­fah­ren gegen die Ver­öf­fent­li­chung.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin spre­che bereits viel dafür, dass das Ver­brau­cher­infor­ma­ti­ons­ge­setz im Lebens­mit­tel­be­reich nur War­nun­gen vor kon­kre­ten Erzeug­nis­sen erlau­be. Jeden­falls dürf­ten aber nur Infor­ma­tio­nen über fest­ge­stell­te Ver­stö­ße ver­öf­fent­licht wer­den, nicht hin­ge­gen blo­ße Bewer­tun­gen. Die prak­ti­zier­te Mit­tei­lung von Minus­punk­ten und Noten sei nicht aus­sa­ge­kräf­tig und die­ne daher nicht der Infor­ma­ti­on des Ver­brau­chers. Für den Betrach­ter der Inter­net­lis­te blei­be im Unkla­ren, wel­che Tat­sa­chen hin­ter der Bewer­tung steck­ten und ob es um pro­dukt­be­zo­ge­ne Hygie­ne­män­gel gehe oder um im Vor­feld lie­gen­de Fra­gen der Betriebs­or­ga­ni­sa­ti­on.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt unter­sag­te in bei­den Fäl­len vor­erst die beab­sich­tig­te Ver­öf­fent­li­chung, weil es an einer hier­für erfor­der­li­chen Rechts­grund­la­ge feh­le.

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Beschlüs­se vom 17. und 19. März 2014 – VG 14 L 410.13 und VG 14 L 35.14