Die Rück­ga­be von mexi­ka­ni­schen Kul­tur­gü­tern

Das Kul­tur­gü­ter­rück­ga­be­ge­setz als auch das UNESCO-Kul­tur­gu­t­über­ein­kom­men sind nicht mit Rück­wir­kung in Kraft gesetzt wor­den und das Ver­trags­ge­setz in Deutsch­land hat erst am 26. April 2007 Gel­tung erlangt. Daher besteht ein Rück­ga­be­an­spruch von Kul­tur­gü­tern nach der gel­ten­den Rechts­la­ge nur dann, wenn das betref­fen­de Kul­tur­gut auch nach dem 26. April 2007 unrecht­mä­ßig aus dem Her­kunfts­staat aus­ge­führt wor­den ist.

Die Rück­ga­be von mexi­ka­ni­schen Kul­tur­gü­tern

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Anhal­tung mexi­ka­ni­scher Kul­tur­gü­ter gegen­über einem Köl­ner Auk­ti­ons­haus für rechts­wid­rig erklärt und damit die Ent­schei­dung der Vor­in­stanz bestä­tigt. Kon­kret betrof­fen waren prä­ko­lum­bi­sche Arte­fak­te, die über­wie­gend bereits seit vie­len Jah­ren Bestand­teil außerme­xi­ka­ni­scher pri­va­ter Kunst­samm­lun­gen gewe­sen sind.

Vor­aus­set­zung für ein der­ar­ti­ges Ver­bot, Kul­tur­gut an Drit­te wei­ter­zu­ge­ben, ist der drin­gen­de Ver­dacht, dass Kul­tur­gut unrecht­mä­ßig aus einem ande­ren Ver­trags­staat des UNESCO-Kul­tur­gu­t­über­ein­kom­mens in das Bun­des­ge­biet ver­bracht wor­den und an die­sen Staat zurück­zu­ge­ben ist. Ein Rück­ga­be­an­spruch setzt nach dem Kul­tur­gü­ter­rück­ga­be­ge­setz vor­aus, dass das betref­fen­de Kul­tur­gut nach dem 26. April 2007 aus dem Hoheits­ge­biet eines Ver­trags­staats in das Bun­des­ge­biet ver­bracht wor­den ist. Zwi­schen den Betei­lig­ten war im Wesent­li­chen umstrit­ten, ob hier­für genügt, dass ille­gal aus einem Ver­trags­staat aus­ge­führ­te Kul­tur­gü­ter nach dem 26. April 2007 ins Bun­des­ge­biet ein­ge­führt wor­den sind.

Nach Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts für das Land Nord­rhein-West­fa­len besteht ein Rück­ga­be­an­spruch nach der gel­ten­den Rechts­la­ge und in Ein­klang mit Völ­ker­ver­trags­recht nur dann, wenn das betref­fen­de Kul­tur­gut auch nach dem 26. April 2007 unrecht­mä­ßig aus dem Her­kunfts­staat aus­ge­führt wor­den ist. Dies erge­be sich bereits aus dem kla­ren Geset­zes­wort­laut. Hin­ter­grund die­ser Rege­lung sei, dass sowohl das Kul­tur­gü­ter­rück­ga­be­ge­setz als auch das UNESCO-Kul­tur­gu­t­über­ein­kom­men nicht mit Rück­wir­kung in Kraft gesetzt wor­den sei­en und das Ver­trags­ge­setz in Deutsch­land erst am 26. April 2007 Gel­tung erlangt habe. Durch die feh­len­de Rück­wir­kung habe ein Aus­gleich zwi­schen dem Kul­tur­gü­ter­schutz einer­seits und den Belan­gen des Kunst­han­dels ande­rer­seits geschaf­fen sowie ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken Rech­nung getra­gen wer­den sol­len. Hier­durch wer­de die völ­ker­recht­lich gebo­te­ne Gegen­sei­tig­keit gewähr­leis­tet.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len, Urteil vom 8. Juli 2013 – 5 A 1370/​12