Die unter­blie­be­ne Anhö­rungs­rü­ge

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de ist unzu­läs­sig, wenn der Beschwer­de­füh­rer den Rechts­weg nicht erschöpft hat (§ 90 Abs. 2 BVerfGG). Der Beschwer­de­füh­rer hat den Rechts­weg nicht erschöpft, wenn er es ver­säumt hat, vor Erhe­bung der Ver­fas­sungs­be­schwer­de Anhö­rungs­rü­ge gemäß § 152a VwGO zu erhe­ben.

Die unter­blie­be­ne Anhö­rungs­rü­ge

Im hier ent­schie­de­nen Fall hat­te der Beschwer­de­füh­rer die vom Ver­wal­tungs­ge­richts­hof getrof­fe­ne Nicht­zu­las­sungs­ent­schei­dung als gegen Art. 103 Abs. 1 GG ver­sto­ßen­de Über­ra­schungs­ent­schei­dung gerügt. Er habe nicht damit rech­nen müs­sen, dass der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof trotz der im Beru­fungs­zu­las­sungs­ver­fah­ren neu hin­zu­ge­tre­te­nen Umstän­de die Beru­fung nicht zulas­sen wer­de. Die­ses Vor­brin­gen im Wege der Anhö­rungs­rü­ge zu ver­fol­gen, war nicht von vor­ne her­ein aus­sichts­los. Dem­entspre­chend hät­te er die­sen Rechts­be­helf ergrei­fen müs­sen 1.

Das Unter­las­sen der Anhö­rungs­rü­ge hat zur Fol­ge, dass die Ver­fas­sungs­be­schwer­de ins­ge­samt unzu­läs­sig ist, da sich die behaup­te­te Gehörs­ver­let­zung auf den gesam­ten Streit­ge­gen­stand des fach­ge­richt­li­chen Ver­fah­rens erstreckt 2.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 8. Mai 2019 – 2 BvR 657/​19

  1. vgl. BVerfGK 7, 115, 116[]
  2. vgl. BVerfG, Beschluss vom 13.09.2007 – 2 BvR 304/​05 6; Beschluss vom 25.04.2005 – 1 BvR 644/​05 10[]