Die Wann­see-Flug­rou­te

Vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig blie­ben jetzt Kla­gen des Ver­eins Deut­sche Umwelt­hil­fe und der Gemein­de Blan­ken­fel­de-Mahlow gegen die "Wann­see-Flug­rou­ten" erfolg­los.

Die Wann­see-Flug­rou­te

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat zwei Urtei­le des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg 1 zu den sog. "Wann­see-Flug­rou­ten" bestä­tigt. Die Flug­rou­ten sind für Abflü­ge von der Nord­bahn des Flug­ha­fens Ber­lin Schö­ne­feld in Rich­tung Wes­ten vor­ge­se­hen. Sie füh­ren in Gera­de­aus­rich­tung zunächst über den Orts­kern der Gemein­de Blan­ken­fel­de-Mahlow und nach ihrer Ver­schwen­kung in Rich­tung Nord-Wes­ten bei Lud­wigs­fel­de öst­lich an dem Gelän­de des Helm­holtz-Zen­trums Ber­lin in Ber­lin-Wann­see vor­bei, auf dem sich der For­schungs­re­ak­tor BER II befin­det. Der ers­te Abschnitt war Gegen­stand der Kla­ge der Gemein­de Blan­ken­fel­de-Mahlow, der zwei­te Abschnitt Gegen­stand der Kla­ge des Ver­eins Deut­scher Umwelt­hil­fe mit Sitz in Ber­lin. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg hat auf die Kla­ge der Gemein­de Blan­ken­fel­de-Mahlow die Benut­zung der Flug­rou­ten zwi­schen 22.00 und 6.00 Uhr unter­sagt. Im Übri­gen hat es die Kla­ge abge­wie­sen. Die Kla­ge des Ver­eins Deut­scher Umwelt­hil­fe hat es in vol­lem Umfang abge­wie­sen.

Im Ver­fah­ren der Gemein­de Blan­ken­fel­de-Mahlow hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt die Ent­schei­dung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts gebil­ligt, dass das Gemein­de­ge­biet in der Zeit zwi­schen 6.00 Uhr und 22.00 Uhr über­flo­gen wer­den darf. Mit dem Über­flug ist eine Dop­pel­be­las­tung des Orts­kerns ver­bun­den. Die Abflug­rou­ten sind dort aus flug­tech­ni­schen Grün­den auch Anflug­rou­ten. Zwar kön­nen die Belas­tun­gen durch die jeweils gegen den Wind erfol­gen­den Starts und Lan­dun­gen nie zeit­gleich auf­tre­ten. Die Dop­pel­be­las­tung liegt aber dar­in, dass es kei­ne wind­rich­tungs­be­ding­ten Lärm­pau­sen gibt. Auf­grund der Dop­pel­be­las­tung ist der Lärm unzu­mut­bar, weil er über einem Dau­er­schall­pe­gel von 55 dB(A) liegt. Gleich­wohl ist die Fest­le­gung der Flug­rou­ten recht­mä­ßig, weil in Betracht kom­men­de Alter­na­tiv­rou­ten, die vor dem Orts­kern nach Nor­den abkni­cken, an ande­rer Stel­le in ande­ren Grö­ßen­ord­nun­gen zu unzu­mut­ba­ren Lärm­be­las­tun­gen für die dor­ti­ge Bevöl­ke­rung füh­ren. Die Ent­schei­dung, den Flug­lärm auf einen Kor­ri­dor zu kon­zen­trie­ren, hat zwar den Nach­teil der Dop­pel­be­las­tung, aber den Vor­teil, dass der Kreis der von unzu­mut­ba­rem Flug­lärm Betrof­fe­nen mög­lichst gering gehal­ten wird. Sie hält sich des­halb im Rah­men des Ent­schei­dungs­spiel­raums der Flug­si­cher­heits­be­hör­de. Die von der Gemein­de favo­ri­sier­te Süd­um­kur­vung ihres Gemein­de­ge­biets wenigs­tens zu ver­kehrs­ar­men Tages­zei­ten brauch­te die Behör­de nicht in den Blick zu neh­men.

Im Ver­fah­ren des Ver­eins Deut­sche Umwelt­hil­fe hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­den, dass sich ein Kla­ge­recht des Klä­gers nicht aus dem Umwelt­rechts­be­helfs­ge­setz ergibt. Kla­ge­ge­gen­stand nach die­sem Gesetz kann nur die Geneh­mi­gung eines Vor­ha­bens sein, für das vor sei­ner Zulas­sung eine Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fung durch­zu­füh­ren ist. Das ist bei der Fest­le­gung von Flug­rou­ten nicht der Fall. Der Klä­ger kann fer­ner nicht den Schutz von Gebie­ten ein­for­dern, die das Land Ber­lin und die Gemein­den Tel­tow und Klein-Mach­now in ihren Lärm­ak­ti­ons­plä­nen als ruhi­ge Gebie­te aus­ge­wie­sen haben. Auch inso­weit hat der Klä­ger kein Kla­ge­recht. Der Klä­ger durf­te allein gel­tend machen, dass die Flug­rou­ten unter Ver­stoß gegen natur­schutz­recht­li­che Vor­schrif­ten fest­ge­legt wor­den sind. In der Sache hat­te sei­ne Rüge aber kei­nen Erfolg, weil es nach den Fest­stel­lun­gen des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts aus­ge­schlos­sen wer­den kann, dass die vom Klä­ger in den Blick genom­me­nen Natu­ra 2000-Gebie­te Tel­tow­ka­nalaue, Pfau­en­in­sel, Gru­ne­wald und West­li­cher Düp­pe­ler Forst durch die Aus­wir­kun­gen des Abflug­ver­kehrs erheb­lich in Mit­lei­den­schaft gezo­gen wer­den.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 12. Novem­ber 2014 – 4 C 34.2013 – und 4 C 37.2013 -

  1. OVG Ber­lin-Bran­den­burg, Urtei­le vom 14.06.2013 – 11 A 20.13; und vom 19.09.2013 – 11 A 4.13[]