Die Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft als Gebüh­ren­schuld­ner

Wird in einem Bescheid eine Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft als Gebüh­ren­pflich­ti­ge bestimmt, ist in der Regel davon aus­zu­ge­hen, dass die Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft als sol­che und nicht ihre ein­zel­nen Mit­glie­der als Schuld­ner der Gebühr in Anspruch genom­men wer­den.

Die Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft als Gebüh­ren­schuld­ner

Gemäß § 12 Abs. 1 NAb­fG i.V.m. § 5 Abs. 6 NKAG ist Gebüh­ren­pflich­ti­ger, wer die mit der öffent­li­chen Ein­rich­tung gebo­te­ne Leis­tung in Anspruch nimmt. Die Sat­zung kann bei – wie hier – Gebüh­ren für grund­stücks­be­zo­ge­ne Ein­rich­tun­gen auch die Eigen­tü­mer oder sonst ding­lich Nut­zungs­be­rech­tig­ten von Grund­stü­cken zu Gebüh­ren­pflich­ti­gen bestim­men. In Fäl­len der vor­lie­gen­den Art kann die Kom­mu­ne mit­hin nach Ermes­sen ent­schei­den, ob sie den Grund­stücks­ei­gen­tü­mer oder ggf. einen obli­ga­to­risch oder auch einen ding­lich Nut­zungs­be­rech­tig­ten zum Gebüh­ren­schuld­ner erklärt 1. Sie kann dabei auch die Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft als Gebüh­ren­schuld­ner bestim­men. Denn die sat­zungs­recht­li­chen Rege­lungs­mög­lich­kei­ten einer Kom­mu­ne zur Gebüh­ren­schuld­ner­schaft knüp­fen bei Per­so­nen­mehr­hei­ten an die vor­ge­fun­de­nen Struk­tu­ren des Zivil­rechts an und in die­sem ist die Teil­rechts­fä­hig­keit der Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft mitt­ler­wei­le gesetz­lich gere­gelt 2.

Im vor­lie­gen­den Fall hat die Kom­mu­ne hat von ihrem Ermes­sen Gebrauch gemacht und jeweils in § 7 Abs. 1 Satz 1 ihrer Abfall­ge­büh­ren­sat­zun­gen für das Jahr 2007 und 2008 gere­gelt, dass der Grund­stücks­ei­gen­tü­mer und die ihm nach § 3 Abs. 1 der Abfall­ent­sor­gungs­sat­zung Gleich­ge­stell­ten gebüh­ren­pflich­tig sind. Nach Satz 3 der letzt­ge­nann­ten Vor­schrift ste­hen den Grund­stücks­ei­gen­tü­mern u.a. Erb­bau­be­rech­tig­te, Woh­nungs­ei­gen­tü­mer und Nieß­brau­cher gleich. §§ 7 Abs. 3 Satz 1 der Abfall­ge­büh­ren­sat­zun­gen für das Jahr 2007 und 2008 regeln ergän­zend, dass meh­re­re Gebüh­ren­pflich­ti­ge des­sel­ben Grund­stücks (Woh­nungs­ei­gen­tü­mer) als Gesamt­schuld­ner gebüh­ren­pflich­tig sind. Auf der Grund­la­ge ihrer Abfall­ge­büh­ren­sat­zun­gen für das Jahr 2007 und 2008 kann die Antrags­geg­ne­rin mit­hin in recht­mä­ßi­ger Wei­se nur die Woh­nungs­ei­gen­tü­mer selbst 3, nicht aber – wie hier – die Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft in Anspruch neh­men.

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 1. Juli 2010 – 9 ME 15/​10

  1. dazu im Ein­zel­nen Lich­ten­feld in Drie­haus, Kom­mu­nal­ab­ga­ben­recht, Kom­men­tar, Stand: März 2010, § 6 Rdn. 718[]
  2. vgl. zu alle­dem BGH, Urteil vom 18.06.2009 – VII ZR 196/​08, NJW 2009, 2521; VGH BW, Urteil vom 26.09.2008 – 2 S 1500/​06, NJW 2009, 1017; Urteil vom 04.10.2005 – 2 S 995/​05; BayVGH, Beschluss vom 26.07.2006 – 4 ZB 05.2253; OVG LSA, Beschluss vom 05.03.2009 – 4 M 448/​08[]
  3. vgl. zu einem sol­chen Fall bereits Nds. OVG, Beschlüs­se vom 19.04.2007 – 9 LA 246 und 247/​05[]