Eigen­tü­mer­da­ten aus dem Lie­gen­schafts­ka­tas­ter

Eigen­tü­mer­da­ten aus dem Lie­gen­schafts­ka­tas­ter dür­fen nach einem Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin nur her­aus­ge­ge­ben wer­den, wenn der Anfra­gen­de ein berech­tig­tes Inter­es­se nach­ge­wie­sen hat und die Ver­hält­nis­mä­ßig­keit gewahrt ist.

Eigen­tü­mer­da­ten aus dem Lie­gen­schafts­ka­tas­ter

Anfang 2013 bean­trag­te eine Grund­stücks­ge­sell­schaft beim Bezirks­amt Lich­ten­berg von Ber­lin die Über­mitt­lung von Eigen­tü­mer­an­ga­ben aus dem Lie­gen­schafts­ka­tas­ter für ins­ge­samt 3.800 Anschrif­ten in die­sem Bezirk; dar­un­ter waren auch die Grund­stü­cke des Klä­gers. Zur Begrün­dung erklär­te die Grund­stücks­ge­sell­schaft, sie sei von einer nicht näher bezeich­ne­ten Schwei­zer Stif­tung mit dem Erwerb von Mehr­fa­mi­li­en­häu­sern beauf­tragt wor­den. Die Behör­de über­mit­tel­te dar­auf­hin Eigen­tü­mer­an­ga­ben (Namen, Geburts­na­men, Geburts­da­ten und Anschrif­ten der Grund­stücks­ei­gen­tü­mer) von mehr als 2.600 Anschrif­ten ein­schließ­lich der Grund­stü­cke des Klä­gers. Der Klä­ger wand­te hier­ge­gen ein, die Behör­de dür­fe die Daten von vorn­her­ein nur bei bestehen­der Ver­kaufs­ab­sicht des Eigen­tü­mers wei­ter­ge­ben. Zudem kön­ne ein berech­tig­tes Inter­es­se mit der blo­ßen Behaup­tung eines angeb­li­chen Kauf­in­ter­es­ses nicht belegt wer­den.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin stell­te die Rechts­wid­rig­keit der Über­mitt­lung der Eigen­tü­mer­an­ga­ben des Klä­gers fest. Der hier­in zu sehen­de Ein­griff in das Grund­recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung des Klä­gers sei nicht gerecht­fer­tigt gewe­sen, weil die umfas­sen­de Aus­kunfts­er­tei­lung unver­hält­nis­mä­ßig gewe­sen sei.

Zwar kön­ne die Abfra­ge von Eigen­tü­mer­da­ten zum Zwe­cke des Anbah­nens von Ver­kaufs­ge­sprä­chen grund­sätz­lich ein berech­tig­tes Inter­es­se im Sin­ne des Ber­li­ner Ver­mes­sungs­ge­set­zes begrün­den. Dies las­se sich aber nur für Aus­künf­te beja­hen, die für die Umset­zung des Erwerbs­in­ter­es­ses unbe­dingt erfor­der­lich sei­en.

Das sei aber hin­sicht­lich der Über­mitt­lung der Eigen­tü­mer­da­ten für mehr als 2600 Anschrif­ten nicht erfor­der­lich gewe­sen, weil das Kauf­in­ter­es­se nur bezüg­lich weni­ger Grund­stü­cke bestan­den habe.

Fer­ner sei­en nicht alle Daten (etwa das Geburts­da­tum) für die Bekun­dung eines Kauf­in­ter­es­ses erfor­der­lich gewe­sen. Schließ­lich hät­te der Kauf­in­ter­es­sent schon bei der Abfra­ge nament­lich bekannt sein müs­sen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Urteil vom 26. Febru­ar 2015 – VG 13 K 186.2013