Erlaub­nis­ver­fah­ren für pri­va­te Sport­wet­ten­an­bie­ter

Das Erlaub­nis­ver­fah­ren für pri­va­te Sport­wet­ten­an­bie­ter muss trans­pa­rent sein.

Erlaub­nis­ver­fah­ren für pri­va­te Sport­wet­ten­an­bie­ter

Die Unter­sa­gung der Ver­mitt­lung von Sport­wet­ten kann nicht auf das Feh­len einer Erlaub­nis gestützt wer­den, wenn ein euro­pa­rechts­wid­ri­ges staat­li­ches Sport­wet­ten­mo­no­pol fak­tisch fort­be­steht, weil das für pri­va­te Wett­an­bie­ter eröff­ne­te Erlaub­nis­ver­fah­ren nicht dem euro­pa­recht­li­chen Gebot der Trans­pa­renz ent­spricht.

In dem hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig ent­schie­de­nen Fall unter­sag­te das beklag­te Land Rhein­land-Pfalz einer Unter­neh­me­rin im April 2010, pri­va­te Sport­wet­ten aller Anbie­ter, die nicht über eine Erlaub­nis des Lan­des Rhein­land-Pfalz ver­fü­gen, in ihren Geschäfts­räu­men sowie lan­des­weit zu ver­mit­teln. Die Unter­sa­gung wur­de auf das Sport­wet­ten­mo­no­pol gestützt, das eine pri­va­te Sport­wet­ten­ver­mitt­lung aus­schlie­ße. Den Wider­spruch der Unter­neh­me­rin gegen die Unter­sa­gungs­ver­fü­gung wies der Beklag­te mit der Begrün­dung zurück, es feh­le an der für die Ver­mitt­lung von Sport­wet­ten not­wen­di­gen Erlaub­nis. Der Erlaub­nis­vor­be­halt stel­le unab­hän­gig von einem staat­li­chen Glücks­spiel­mo­no­pol sicher, dass das Ange­bot an Sport­wet­ten und deren Ver­trieb begrenzt wer­de. Mitt­ler­wei­le sei das Erlaub­nis­ver­fah­ren auch für die Ver­mitt­lung pri­va­ter Sport­wet­ten eröff­net wor­den; eine Erlaub­nis lie­ge hier aber nicht vor.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Ver­wal­tungs­ge­richt Trier hat der Kla­ge teil­wei­se statt­ge­ge­ben [1]. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz in Koblenz hat der Beru­fung der Unter­neh­me­rin bezüg­lich des Unter­sa­gungs­zeit­raums von der Eröff­nung des Erlaub­nis­ver­fah­rens bis zur Wider­spruchs­ent­schei­dung statt­ge­ge­ben. Die im Wider­spruchs­be­scheid nach­ge­scho­be­ne Ermes­sens­er­wä­gung sei nicht Gegen­stand der gericht­li­chen Prü­fung, weil dadurch der ursprüng­li­che Bescheid in sei­nem Wesen ver­än­dert wor­den sei. Die somit allein auf das staat­li­che Sport­wet­ten­mo­no­pol gestütz­te Unter­sa­gung sei rechts­wid­rig. Die­ses Mono­pol kön­ne in Rhein­land-Pfalz wegen einer den Zie­len der Sucht­be­kämp­fung und des Spie­ler­schut­zes wider­spre­chen­den Wer­be­pra­xis nicht ange­wen­det wer­den [2].

Auf die Revi­si­on des beklag­ten Lan­des Rhein­land-Pfalz hat nun das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt das Urteil des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Koblenz auf­ge­ho­ben und die Sache zurück­ver­wie­sen. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hät­te die neue Begrün­dung der Unter­sa­gungs­ver­fü­gung berück­sich­ti­gen müs­sen. Gegen­stand der gericht­li­chen Prü­fung ist der Ver­wal­tungs­akt in der Gestalt, die ihm der Wider­spruchs­be­scheid gege­ben hat (§ 79 Abs. 1 Nr. 1 VwGO).

Ob die Unter­sa­gung auch bei Berück­sich­ti­gung ihrer neu­en Begrün­dung rechts­wid­rig war, ließ sich auf Grund­la­ge der Fest­stel­lun­gen des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts nicht abschlie­ßend ent­schei­den. Wie der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on mit Urteil vom 04.02.2016 [3] ent­schie­den hat, kön­nen pri­va­te Wett­an­bie­ter nicht wegen Ver­sto­ßes gegen den Erlaub­nis­vor­be­halt straf­recht­lich sank­tio­niert wer­den, wenn das für Pri­va­te bis zur Anwen­dung einer glücks­spiel­recht­li­chen Neu­re­ge­lung ein­ge­führ­te Erlaub­nis­ver­fah­ren nicht trans­pa­rent und dis­kri­mi­nie­rungs­frei aus­ge­stal­tet wor­den ist und des­halb fak­tisch wei­ter­hin ein staat­li­ches Sport­wet­ten­mo­no­pol besteht. In einem sol­chen Fall kann das Feh­len einer Erlaub­nis auch kei­ne Unter­sa­gung der Wett­ver­mitt­lung begrün­den.

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt wird nun im zurück­ver­wie­se­nen Ver­fah­ren zu klä­ren haben, ob in Rhein­land-Pfalz ein fak­ti­sches Mono­pol fort­be­stand, was ins­be­son­de­re zuträ­fe, wenn die Eröff­nung des Erlaub­nis­ver­fah­rens und die Erlaub­nis­vor­aus­set­zun­gen nicht öffent­lich bekannt gemacht wor­den wären.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 15. Juni 2016 – 8 C 52015 -

  1. VG Trier, Urteil vom 20.06.2013 – 1 K 438/​12.TR[]
  2. OVG Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 01.07.2014 – 6 A 11312/​13[]
  3. EuGH, Urteil vom 04.02.2016 – C‑336/​14 – Sebat Ince[]