Kauf­haus-Öff­nung trotz Coro­na-Pan­de­mie?

Die bis zum 19. April 2020 befris­te­te Rege­lung der Schlie­ßung sämt­li­cher Ver­kaufs­stel­len des Ein­zel­han­dels unter gleich­zei­ti­ger Bestim­mung aus­drück­lich bezeich­ne­ter Aus­nah­me­fäl­le ist noch als ein ver­hält­nis­mä­ßi­ger, ins­be­son­de­re erfor­der­li­cher und ange­mes­se­ner Ein­griff in die Rech­te des Ein­zel­nen.

Kauf­haus-Öff­nung trotz Coro­na-Pan­de­mie?

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Meck­len­burg-Vor­pom­mern in dem hier vor­lie­gen­den Fall den Eil­an­trag auf Außer­voll­zug­set­zung von § 1 Abs. 1 der Ver­ord­nung der Lan­des­re­gie­rung über Maß­nah­men zur Bekämp­fung der Aus­brei­tung des neu­ar­ti­gen Coro­na­vi­rus SARS-CoV‑2 in Meck­len­burg-Vor­pom­mern (SARS-CoV‑2 Bekämp­fungs­ver­ord­nung) abge­lehnt.

Die Antrag­stel­le­rin betreibt bun­des­weit eine Viel­zahl von Waren­häu­sern, in Meck­len­burg-Vor­pom­mern u. a. gro­ße Ein­zel­han­dels­kauf­häu­ser in den Han­se­städ­ten Ros­tock und Wis­mar. Sämt­li­che Ver­kaufs­stel­len des Ein­zel­han­dels sind nach § 1 Abs. 1 der Ver­ord­nung geschlos­sen. Ein Ver­kauf mit­tels Lie­fer­diens­ten oder Abho­lung bleibt gestat­tet. Nicht betrof­fen von den Schlie­ßun­gen sind: Ein­zel­han­dels­be­trie­be für Lebens­mit­tel, Wochen­märk­te, Abhol- und Lie­fer­diens­te, Geträn­ke­märk­te, Apo­the­ken, Sani­täts­häu­ser, Dro­ge­rien, Tank­stel­len, Ban­ken und Spar­kas­sen, Post­stel­len, Zei­tungs­ver­kauf, Tabak- und Genuss­wa­ren, Tier­be­darfs­märk­te und Blu­men­lä­den. Gegen die­se Rege­lung hat sich die Antrag­stel­le­rin gewehrt.

In sei­ner Ent­schei­dung hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Meck­len­burg-Vor­pom­mern auf sei­nen Beschluss vom 8. April 2020 [1] ver­wie­sen, in dem er u. a. auch die Rege­lung in § 1 der Ver­ord­nung geprüft habe, und hat den Antrag abge­lehnt. Die – zunächst – bis zum 19. April 2020 befris­te­te Rege­lung der Schlie­ßung sämt­li­cher Ver­kaufs­stel­len des Ein­zel­han­dels unter gleich­zei­ti­ger Bestim­mung aus­drück­lich bezeich­ne­ter Aus­nah­me­fäl­le erwei­se sich auch im kon­kre­ten Ein­zel­fall der Antrag­stel­le­rin als noch ver­hält­nis­mä­ßi­ger, ins­be­son­de­re erfor­der­li­cher und ange­mes­se­ner Ein­griff in ihre Rech­te. Zwar müs­se die Antrag­stel­le­rin einen emp­find­li­chen Ein­griff in ihre Rech­te hin­neh­men, der zu mas­si­ven Ein­kom­mens­ein­bu­ßen füh­re, doch recht­fer­ti­ge der Gesund­heits­schutz, ins­be­son­de­re die Ver­lang­sa­mung der Aus­brei­tung der hoch infek­tiö­sen Coro­na­vi­rus-Erkran­kung in der der­zei­ti­gen Situa­ti­on der­art ein­schnei­den­de beschrän­ken­de Maß­nah­men. Für eine unter­schied­li­che Behand­lung ver­schie­de­ner Bran­chen und Waren­an­ge­bo­te lägen hin­rei­chen­de sach­li­che Grün­de vor, sodass auch ein Ver­stoß gegen Art. 3 Abs. 1 GG nicht hin­rei­chend wahr­schein­lich vor­lie­ge.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Beschluss vom 17. April 2020 – 2 KM 333/​20 OVG

  1. OVG Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Beschluss vom 0804.2020 – 2 KM 236/​20 OVG[]