Kei­ne Waf­fen­be­sitz­kar­te für "Reichs­bür­ger"

Auf­grund der Zuord­nung zur sog. Reichs­bür­ger­be­we­gung – d.h. bei Ableh­nung der Bun­des­re­pu­blik und ihrer Rechts­ord­nung – kann es bei einer Per­son an der erfor­der­li­chen waf­fen­recht­li­chen Zuver­läs­sig­keit feh­len.

Kei­ne Waf­fen­be­sitz­kar­te für "Reichs­bür­ger"

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Darm­stadt in dem hier vor­lie­gen­den Eil­ver­fah­ren den Ent­zug der Waf­fen­be­sitz­kar­ten als recht­mä­ßig ange­se­hen. Als Sport­schüt­ze ist der Antrag­stel­ler Inha­ber zwei­er in den Jah­ren 1996 und 1997 aus­ge­stell­ter Waf­fen­be­sitz­kar­ten und besitzt sechs Schuss­waf­fen. Im Jahr 2015 bean­trag­te er einen Staats­an­ge­hö­rig­keits­aus­weis und gab bei der Antrag­stel­lung als Geburts­staat „König­reich Preu­ßen (Deutsch­land als Gan­zes) und als Wohn­sitz­staat „Groß­her­zog­tum Hes­sen (Deutsch­land als Gan­zes)“ an. Dar­über hin­aus gab er an, die Staats­an­ge­hö­rig­keit des König­reichs Sach­sen zu besit­zen.

Der Land­kreis Offen­bach wider­rief mit Bescheid vom 03.12.2019 nach ent­spre­chen­der Anhö­rung die dem Antrags­stel­ler erteil­ten Waf­fen­be­sitz­kar­ten und unter­sag­te ihm dar­über hin­aus all­ge­mein den Besitz von Waf­fen und Muni­ti­on. Zur Begrün­dung wur­de aus­ge­führt, die im Rah­men der Bean­tra­gung des Staats­an­ge­hö­rig­keits­aus­wei­ses gemach­ten Anga­ben des Antrag­stel­lers lie­ßen erken­nen, dass die­ser der sog. Reichs­bür­ger­be­we­gung zuzu­ord­nen sei, er damit die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land nicht aner­ken­ne und deren Rechts­ord­nung und Orga­ne ableh­ne. Auf­grund die­ser Zuord­nung besit­ze er nicht mehr die erfor­der­li­che waf­fen­recht­li­che Zuver­läs­sig­keit. Denn es müs­se davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass der Antrag­stel­ler damit auch das Waf­fen­recht als für sich nicht ver­bind­lich anse­he und dem­zu­fol­ge nicht vor­sich­tig und sach­ge­mäß mit den Waf­fen umge­he bezie­hungs­wei­se die­se ver­wah­re.

Hier­ge­gen hat der Antrag­stel­ler Wider­spruch erho­ben und bei Gericht um vor­läu­fi­gen Rechts­schutz nach­ge­sucht. Er trägt vor, er erhe­be kei­ner­lei Sym­pa­thie­be­kun­dun­gen in Bezug auf die Reichs­bür­ger­be­we­gung und stel­le dar­über hin­aus auch weder aus­drück­lich noch kon­klu­dent sei­ne Bin­dung an in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land gel­ten­de Rechts­vor­schrif­ten in Abre­de.

In sei­ner Ent­schei­dungs­be­grün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Darm­stadt aus­ge­führt, dass der Antrag­stel­ler nicht über die erfor­der­li­che waf­fen­recht­li­che Zuver­läs­sig­keit nach § 5 Waf­fen­ge­setz ver­fü­ge. Maß­geb­lich für die Beur­tei­lung, ob die erfor­der­li­che waf­fen­recht­li­che Zuver­läs­sig­keit gege­ben sei, sei eine auf Tat­sa­chen gestütz­te Pro­gno­se eines waf­fen­recht­lich bedenk­li­chen Ver­hal­tens, aus dem mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit der Ein­tritt von Schä­den für hohe Rechts­gü­ter resul­tie­re. Die Risi­ken, die mit jedem Waf­fen­be­sitz ver­bun­den sei­en, sei­en nur bei sol­chen Per­so­nen hin­zu­neh­men, die nach ihrem Ver­hal­ten das Ver­trau­en ver­dien­ten, mit Waf­fen und Muni­ti­on jeder­zeit und in jeder Hin­sicht ord­nungs­ge­mäß umzu­ge­hen. Nach Akten­la­ge sei vor­lie­gend davon aus­zu­ge­hen, dass der Antrag­stel­ler der soge­nann­ten „Reichs­bür­ger­be­we­gung“ zuge­hö­rig sei bzw. sich deren Ideo­lo­gie zu eigen gemacht habe. Ver­bin­den­des Ele­ment die­ser Reichs­bür­ger­be­we­gung sei die fun­da­men­ta­le Ableh­nung der Legi­ti­mi­tät und Sou­ve­rä­ni­tät der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land sowie deren bestehen­der Rechts­ord­nung. Nach einem ent­spre­chen­den Ver­fas­sungs­schutz­be­richt sei die Reichs­bür­ge­r­ideo­lo­gie geeig­net, Per­so­nen in ein geschlos­se­nes, ver­schwö­rungs­theo­re­ti­sches Welt­bild zu ver­stri­cken, in dem aus Staats­ver­dros­sen­heit Staats­hass wer­den kön­ne. Dies kön­ne wie­der­um Grund­la­ge für eine Radi­ka­li­sie­rung sein bis hin zur Gewalt­an­wen­dung. Da die Mit­glie­der die­ser Bewe­gung waf­fen­recht­li­che Nor­men nicht als für sie ver­bind­lich ansä­hen, müs­se ihnen die nach § 5 WaffG erfor­der­li­che Zuver­läs­sig­keit abge­spro­chen wer­den. Auf­grund der Akten­la­ge sei im sum­ma­ri­schen vor­läu­fi­gen Recht­schutz­ver­fah­ren davon aus­zu­ge­hen, dass der Antrag­stel­ler Mit­glied die­ser Bewe­gung sei bzw. sich nicht glaub­haft davon distan­ziert habe. Aus Grün­den der Gefah­ren­ab­wehr und der Gefahr für über­ra­gen­de Rechts­gü­ter über­wie­ge daher das öffent­li­che Inter­es­se an der sofor­ti­gen Voll­zie­hung der Wider­rufs­ent­schei­dung gegen­über dem pri­va­ten Inter­es­se des Antrag­stel­lers. Aus die­sen Grün­den ist der Antrag abge­lehnt wor­den, soweit sich die­ser auf den Ent­zug der Waf­fen­be­sitz­kar­ten bezieht.

In Bezug auf das von der Behör­de dar­über hin­aus aus­ge­spro­che­ne all­ge­mei­nes Besitz­ver­bot bzgl. erlaub­nis­frei­er Waf­fen, habe hin­ge­gen der Antrag nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Darm­stadt Erfolg. Im Hin­blick auf das erheb­lich redu­zier­te Gefähr­dungs­po­ten­zi­al sol­cher Waf­fen könn­ten die vor­ge­nann­ten Grund­sät­ze hier­auf nicht ange­wandt wer­den. Damit über­wie­ge inso­weit das Inter­es­se des Antrag­stel­lers, wei­ter­hin im Besitz die­ser Waf­fen blei­ben zu kön­nen, gegen­über dem öffent­li­chen Inter­es­se an deren Ent­zug.

Ver­wal­tungs­ge­richt Darm­stadt, Beschluss vom 4. März 2020 – 5 L 10/​20.DA