Kom­mu­nal­wah­len und das d`Hondtsche Höchst­zahl­ver­fah­ren

Die Sitz­ver­tei­lung bei baden-würt­tem­ber­gi­schen Kom­mu­nal­wah­len kann wei­ter­hin nach dem d`Hondtschen Höchst­zahl­ver­fah­ren vor­ge­nom­men wer­den, auch wenn für Bun­des­tags- und Land­tags­wah­len inzwi­schen ein ande­res, klei­ne­re Par­tei­en bes­ser berück­sich­ti­gen­de Sitz­ver­tei­lungs­ver­fah­ren ange­wen­det wird.

Kom­mu­nal­wah­len und das d`Hondtsche Höchst­zahl­ver­fah­ren

Mit die­ser Begrün­dugn wies das Ver­wal­tungs­ge­richt Karls­ru­he jetzt eine Kla­ge gegen die Gül­tig­keit der Gemein­de­rats­wahl der Stadt Mann­heim vom 07. Juni 2009 zurück, in dem sich die Klä­ger gegen die Fest­stel­lung des Gesamt­ergeb­nis­ses der Wahl und die Sitz­ver­tei­lung gewandt hat­ten. Die Klä­ger hat­ten gel­tend gemacht, dass das hier­bei ange­wen­de­te soge­nann­te d`Hondtsche Höchst­zahl­ver­fah­ren rechts­wid­rig sei, weil die­ses klei­ne­re Par­tei­en und Grup­pie­run­gen benach­tei­li­ge.

Dem ist das Ver­wal­tungs­ge­richt Karls­ru­he nicht gefolgt: Die Aus­wir­kun­gen des im Kom­mu­nal­wahl­ge­setz in Bezug genom­me­nen d`Hondtsche Höchst­zahl­ver­fah­rens bei der Stim­men­aus­zäh­lung der Wahl des Gemein­de­rats sei mit den Vor­schrif­ten des Grund­ge­set­zes und der Lan­des­ver­fas­sung von Baden-Würt­tem­berg ver­ein­bar. Das Ver­fah­ren sei grund­sätz­lich ein geeig­ne­tes und bun­des­recht­lich unbe­denk­li­ches Ver­fah­ren zur Sitz­ver­tei­lung ent­spre­chend einem vor­ge­ge­be­nen Stim­men- oder Stär­ke­ver­hält­nis. Soweit es bei sei­ner Anwen­dung zu Abwei­chun­gen vom mathe­ma­tisch genau­en Pro­porz kom­me, sei dies durch die Not­wen­dig­keit bedingt, zu ver­ge­ben­de gan­ze Sit­ze Zah­len­bruch­tei­len zuzu­ord­nen. Da die­se Not­wen­dig­keit eben­so bei der Anwen­dung ande­rer Ver­fah­ren der Ver­hält­nis­rech­nung bestehe, lie­fe­re das Ver­fas­sungs­recht kei­ne Anhalts­punk­te dafür, wel­ches der ver­schie­de­nen Ver­fah­ren den Vor­zug ver­die­ne. Es sei ver­fas­sungs­recht­lich unbe­denk­lich, dass sich ande­re Bun­des­län­der für Land­tags- oder Gemein­de­rats­wah­len und der Bun­des­ge­setz­ge­ber für die Bun­des­tags­wahl für ande­re rech­ne­ri­sche Ver­fah­ren ent­schie­den hät­ten, wel­che sich für klei­ne­re Par­tei­en güns­ti­ger aus­wir­ken. Auch der Umstand, dass die Lan­des­ver­fas­sung von Baden-Würt­tem­berg für die Land­tags­wah­len vom d’Hondtschen Ver­fah­ren abge­rückt sei, füh­re nicht dazu, die­ses Sys­tem als ver­fas­sungs­wid­rig zu qua­li­fi­zie­ren.

Ver­wal­tungs­ge­richt Karls­ru­he, Urteil vom 23. März 2010 – 11 K 1851/​09