Kon­kur­rie­ren­de Gesetz­ge­bung – und die abwei­chen­den Rege­lun­gen der Län­der

Hat ein Land (hier: Rhein­land-Pfalz) von sei­ner Befug­nis; vom Bun­des­jagd­ge­setz gemäß Art. 72 Abs. 3 GG abzu­wei­chen, Gebrauch gemacht, ist kraft des Anwen­dungs­vor­rangs des spä­te­ren Lan­des­rechts für einen Rück­griff auf das kon­kur­rie­ren­de Bun­des­ge­setz nur noch in dem Umfang Raum, den das Lan­des­recht eröff­net.

Kon­kur­rie­ren­de Gesetz­ge­bung – und die abwei­chen­den Rege­lun­gen der Län­der

Das Jagd­we­sen gehört zur kon­kur­rie­ren­den Gesetz­ge­bung nach Art. 74 Abs. 1 Nr. 28 GG. Der Bund hat von sei­ner Gesetz­ge­bungs­zu­stän­dig­keit zwar mit dem Bun­des­jagd­ge­setz Gebrauch gemacht; die Län­der sind jedoch gemäß Art. 72 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 GG befugt, hier­von nach frei­em Ermes­sen abwei­chen­de Rege­lun­gen zu tref­fen, wobei im Ver­hält­nis von Bun­des- und Lan­des­recht das jeweils spä­te­re Gesetz vor­geht (Art. 72 Abs. 3 Satz 3 GG). Das Beru­fungs­ge­richt hat hier­zu aus­ge­führt, dass das Land Rhein­land-Pfalz hier­von Gebrauch gemacht habe und § 31 LJG RP der ent­spre­chen­den Rege­lung in § 21 BJagdG als das spä­te­re Gesetz vor­ge­he (Anwen­dungs­vor­rang) 1. Dabei legt das Beru­fungs­ge­richt offen­sicht­lich zugrun­de, dass die Vor­schrift die Abschuss­pla­nung abschlie­ßend regelt. Das stimmt damit über­ein, dass gemäß § 1 Satz 1 LJG für das Land Rhein­land-Pfalz eine eigen­stän­di­ge Voll­re­ge­lung besteht, wor­auf der Beklag­te zu Recht hin­weist. In die­ser Vor­schrift heißt es, das Jagd­we­sen (ohne das Recht der Jagd­schei­ne) bestim­me sich „abwei­chend vom Bun­des­jagd­ge­setz […] aus­schließ­lich nach die­sem Gesetz”. Damit beant­wor­tet sich das von der Beschwer­de als klä­rungs­be­dürf­tig ange­se­he­ne Ver­hält­nis des ein­schlä­gi­gen rhein­land-pfäl­zi­schen Lan­des­rechts zum Bun­des­recht. In Fäl­len der Abwei­chungs­ge­setz­ge­bung nach Art. 72 Abs. 3 GG greift spä­te­res Lan­des­recht in dem von ihm bestimm­ten Umfang. Ist, wie hier, eine Voll­re­ge­lung getrof­fen, ist für einen Rück­griff auf Bun­des­recht grund­sätz­lich kein Raum mehr. Das kann im Ein­zel­fall nur dann anders sein, wenn das Lan­des­recht den Rück­griff selbst eröff­net. Ob das der Fall ist, beant­wor­tet sich nach nicht revi­si­blem Lan­des­recht, des­sen Aus­le­gung dem Beru­fungs­ge­richt vor­be­hal­ten ist.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 11. April 2016 – 3 B 292015 -

  1. vgl. dazu Sann­wald, in: Schmidt-Blei­t­reu/K­lein, Grund­ge­setz, 13. Aufl.2014, Art. 72 Rn. 102 f.; Jarass/​Pieroth, Grund­ge­setz, Kom­men­tar, 13. Aufl.2014, Art. 72 Rn. 28 ff.