Künst­li­che Ein­lei­tung von Was­ser in ein Bach­bett ohne Quel­len

Bei künst­lich ein­ge­lei­te­tem Was­ser in ein natür­li­ches Gewäs­ser­bett, das kein natür­li­ches Was­ser mehr führt, han­delt es sich nicht um ein natür­li­ches Was­ser­vor­kom­men. Daher zäh­len Ersatz­ein­lei­tun­gen nicht zum Was­ser­haus­halt. Eine all­ge­mei­ne Pflicht zum Aus­gleich von Ein­grif­fen in den Was­ser­haus­halt, die – wie die Zer­stö­rung der Quel­len – vor dem Inkraft­tre­ten des Was­ser­haus­halts­ge­set­zes statt­ge­fun­den haben, besteht nicht.

Künst­li­che Ein­lei­tung von Was­ser in ein Bach­bett ohne Quel­len

So hat das Säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Berg­bau­un­ter­neh­mens ent­schie­den, der mit einer was­ser­recht­li­chen Anord­nung zur künst­li­chen Ein­lei­tung von Was­ser in ein nicht mehr durch Quel­len gespeis­tes natür­li­ches Bach­bett ver­pflich­tet wer­den soll­te. Nach­dem die Quel­le eines Baches berg­bau­be­dingt ver­siegt war, speis­te das Berg­bau­un­ter­neh­men ersatz­wei­se Was­ser in das natür­li­che Bach­bett ein, um den Was­ser­fluss auf­recht zu erhal­ten. Da die­se Ersatz­was­ser­ein­lei­tung ein­ge­stellt wur­de, erließ das Land­rats­amt Säch­si­sche Schweiz-Osterz­ge­bir­ge eine was­ser­recht­li­che Anord­nung, mit der das Berg­bau­un­ter­neh­men mit sofor­ti­ger Wir­kung ver­pflich­tet wur­de, die­se künst­li­che Ein­lei­tung von Was­ser fort­zu­set­zen, um die Leis­tungs­fä­hig­keit des Was­ser­haus­halts zu gewähr­leis­ten und ein natür­li­ches Gewäs­ser zu erhal­ten. Nach­dem das Ver­wal­tungs­ge­richt Dres­den1 dem Antrag des Berg­bau­un­ter­neh­mens auf Gewäh­rung vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes statt­ge­ge­ben hat­te, ist gegen die­sen Beschluss vom Land­kreis Säch­si­sche Schweiz-Osterz­ge­bir­ge Beschwer­de ein­ge­legt wor­den.

Nach Auf­fas­sung des Säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richts sind die Vor­aus­set­zun­gen der vom Land­rats­amt Säch­si­sche Schweiz-Osterz­ge­bir­ge her­an­ge­zo­ge­nen Rechts­grund­la­gen für die was­ser­recht­li­che Anord­nung nicht gege­ben. Bei künst­lich ein­ge­lei­te­tem Was­ser in ein natür­li­ches Gewäs­ser­bett, das kein natür­li­ches Was­ser mehr füh­re, han­de­le es sich nicht um ein natür­li­ches Was­ser­vor­kom­men. Die Ersatz­ein­lei­tun­gen zähl­ten daher nicht zum Was­ser­haus­halt. Soweit der Bach in gerin­gem Umfang natür­li­ches Was­ser füh­re wie Was­ser aus Schnee­schmel­ze und Regen­was­ser, wer­de die Ent­ste­hung die­ses natür­li­chen Was­ser­vor­kom­mens durch die Ein­stel­lung der Ersatz­was­ser­ein­lei­tung nicht beein­träch­tigt. Der durch die künst­li­che Ein­lei­tung von Was­ser gespeis­te Bach sei nicht voll­stän­dig in den natür­li­chen Was­ser­kreis­lauf ein­ge­bun­den, weil die Quel­len zer­stört sei­en. Es han­de­le sich daher um kein „natür­li­ches” Gewäs­ser.

Eine all­ge­mei­ne Pflicht zum Aus­gleich von Ein­grif­fen in den Was­ser­haus­halt, die – wie vor­lie­gend die Zer­stö­rung der Quel­len – vor dem Inkraft­tre­ten des Was­ser­haus­halts­ge­set­zes im Bei­tritts­ge­biet statt­ge­fun­den hät­ten, bestehe nicht.

Ob es zuläs­sig sei, das Berg­bau­un­ter­neh­men auf der Grund­la­ge ande­rer Vor­schrif­ten in Anspruch zu neh­men, kön­ne offen blei­ben, da die streit­ge­gen­ständ­li­che Anord­nung nur auf Was­ser­recht gestützt wor­den sei.

Das Säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat die Beschwer­de des Land­krei­ses
Säch­si­sche Schweiz-Osterz­ge­bir­ge gegen den Beschluss des Ver­wal­tungs­ge­richts
Dres­den zurück­ge­wie­sen.

Säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 27. Juni 2014 – 4 B 502/​13

  1. VG Dres­den, Beschluss vom 15.11.2013 – 2 L 1067/​13