Lan­des­för­de­rung für jüdi­sche Gemein­den in Rhein­land-Pfalz

Jüdi­sche Gemein­den in Rhein­land-Pfalz, die nicht Mit­glied des Lan­des­ver­ban­des sind, kön­nen nach dem bis Juni 2012 gel­ten­den Staats­ver­trag nur dann geför­dert wer­den, wenn fol­gen­de Vorraus­set­zun­gen erfüllt sind: Zum Einen haben ihre Auf­ga­ben sowie die Aus­übung ihrer Tätig­keit den jüdi­schen Reli­gi­ons­ge­set­zen zu ent­spre­chen und zum Ande­ren müs­sen sie eine Aner­ken­nung als Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts bean­spru­chen kön­nen.

Lan­des­för­de­rung für jüdi­sche Gemein­den in Rhein­land-Pfalz

So hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz in dem hier vor­lie­gen­den Fall dem Ver­ein "Jüdi­sche Gemein­de Spey­er" einen Anspruch auf Betei­li­gung an den Lan­des­leis­tun­gen für jüdi­sche Gemein­den ver­neint. Die "Jüdi­sche Gemein­de Spey­er" wur­de 1996 gegrün­det und 1997 in das Ver­eins­re­gis­ter ein­ge­tra­gen. Der Ver­ein ist nicht Mit­glied des bei­gela­de­nen Lan­des­ver­ban­des der Jüdi­schen Gemein­den von Rhein­land-Pfalz, lehnt eine Ein­glie­de­rung in die Jüdi­sche Kul­tus­ge­mein­de Rhein­pfalz ab und gehört nicht dem Zen­tral­rat der Juden in Deutsch­land an. Der bei­gela­de­ne Lan­des­ver­band ist ein Zusam­men­schluss der Jüdi­schen Gemein­den von Rhein­land-Pfalz. Er umfasst die jüdi­schen Kul­tus­ge­mein­den Rhein­pfalz, Mainz, Koblenz, Bad Kreuz­nach und Trier und ist Mit­glied im Zen­tral­rat der Juden in Deutsch­land. Zwi­schen dem Lan­des­ver­band und dem beklag­ten Land Rhein­land-Pfalz bestand bis Juni 2012 ein Staats­ver­trag, wonach die jüdi­schen Gemein­den mit 500.000,- DM, ab 2006 mit 275.700,- Euro jähr­lich bezu­schusst wur­den. Nach der Rege­lung des Ver­tra­ges erfolg­te die Zah­lung aus­schließ­lich an den Lan­des­ver­band, der die Zuschüs­se sei­ner­seits nach einem von ihm selbst fest­ge­leg­ten Schlüs­sel an die Gemein­den ver­teil­te. Anträ­ge des Ver­eins "Jüdi­sche Gemein­de Spey­er" auf Betei­li­gung an die­sen Zuschüs­sen lehn­te der Lan­des­ver­band ab.

In der Fol­ge­zeit mach­te der Ver­ein Zah­lungs­an­sprü­che unmit­tel­bar gegen­über dem Land gel­tend. Ein ent­spre­chen­der Eil­an­trag auf vor­läu­fi­ge monat­li­che Zah­lun­gen blieb erfolg­los. Dar­auf­hin erhob er Kla­ge mit dem Ziel, ihn an den Lan­des­leis­tun­gen für jüdi­sche Gemein­den zu betei­li­gen und ihm für die Jah­re 2000 bis 2010 rund 450.000,00 Euro zu zah­len.

Nach Inkraft­tre­ten des neu­en Staats­ver­tra­ges zwi­schen dem Lan­des­ver­band der Jüdi­schen Gemein­den von Rhein­land-Pfalz und dem Land im Juni 2012 begehr­te er mit einer wei­te­ren Kla­ge, das Land zu ver­pflich­ten, mit ihm einen ver­gleich­ba­ren Ver­trag abzu­schlie­ßen. Das Ver­wal­tungs­ge­richt wies bei­de Kla­gen ab. Vor dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat der Ver­ein sein Ziel wei­ter ver­folgt.

In sei­ner Ent­schei­dung hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz aus­ge­führt, dass die staat­li­che För­de­rung von jüdi­schen Gemein­den, die nicht Mit­glied des Lan­des­ver­ban­des der Jüdi­schen Gemein­den von Rhein­land-Pfalz sei­en, für den Zeit­raum von 2000 bis 2010 nach dem bis Juni 2012 gel­ten­den Ver­trag zwi­schen dem beklag­ten Land und dem bei­gela­de­nen Lan­des­ver­band erfol­ge. Der Klä­ger erfül­le die För­der­vor­aus­set­zun­gen des Ver­tra­ges nicht, wonach jüdi­sche Gemein­den, die nicht Mit­glied des Lan­des­ver­ban­des sind, nur dann geför­dert wer­den kön­nen, wenn – ers­tens – ihre Auf­ga­ben sowie die Aus­übung ihrer Tätig­keit den jüdi­schen Reli­gi­ons­ge­set­zen ent­spre­chen und sie – zwei­tens – eine Aner­ken­nung als Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts bean­spru­chen kön­nen. Dabei kön­ne die – vom Ver­wal­tungs­ge­richt ver­nein­te – Fra­ge offen blei­ben, ob der Klä­ger eine "jüdi­sche Gemein­de" im Sin­ne die­ser Rege­lung sei und sei­ne Auf­ga­ben sowie die Aus­übung sei­ner Tätig­keit den jüdi­schen Reli­gi­ons­ge­set­zen ent­sprä­chen. Denn jeden­falls erfül­le er die zwei­te För­der­vor­aus­set­zung der Kör­per­schafts­fä­hig­keit nicht.

Die­se För­der­vor­aus­set­zung sei ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den. Die durch den öffent­lich-recht­li­chen Kör­per­schafts­sta­tus begrün­de­ten Unter­schie­de zu den pri­vat­recht­lich orga­ni­sier­ten Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten sei­en vor dem Hin­ter­grund der im Kör­per­schafts­sta­tus zum Aus­druck kom­men­den beson­de­ren Bedeu­tung die­ser Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten für das öffent­li­che Leben sach­lich begrün­det und ver­stie­ßen nicht gegen den Gleich­heits­satz.

Der Klä­ger besit­ze nicht bereits den Sta­tus als Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts, weil er sich nach sei­ner Sat­zung als Nach­fol­ger der frü­he­ren Israe­li­ti­schen Kul­tus­ge­mein­de Spey­er ver­ste­he, die schon in der Wei­ma­rer Repu­blik als Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts aner­kannt gewe­sen sei. Der Klä­ger kön­ne nicht der Nach­fol­ger die­ser alt­kor­po­rier­ten Gemein­de sein. Im Zeit­punkt der Grün­dung des Klä­gers im Jahr 1996 sei bereits die Jüdi­sche Kul­tus­ge­mein­de Rhein­pfalz kraft eines Lan­des­ge­set­zes aus dem Jahr 1950 – und auch auf­grund geleb­ter Glau­bens­pra­xis – seit fast einem hal­ben Jahr­hun­dert als Nach­fol­ge­rin der Israe­li­ti­schen Kul­tus­ge­mein­de Spey­er vor­han­den gewe­sen und die­se in jener auf­ge­gan­gen.

Der Klä­ger habe auch kei­nen Anspruch auf Ver­lei­hung des Kör­per­schafts­sta­tus. Eine Neu­er­tei­lung des Kör­per­schafts­sta­tus schei­te­re bereits dar­an, dass der Antrag des Klä­gers auf Aner­ken­nung als Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts im Sep­tem­ber 2010 bestands­kräf­tig abge­lehnt wor­den sei und kei­ne wesent­li­che Ver­än­de­rung der Tat­sa­chen­grund­la­ge dar­ge­tan oder ersicht­lich sei. Des Wei­te­ren ste­he der Aner­ken­nung als Kör­per­schaft ent­ge­gen, dass der Klä­ger als Ver­ein, nach­dem im Früh­jahr 2014 sei­ne Zah­lungs­un­fä­hig­keit und Über­schul­dung fest­ge­stellt sowie die Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens man­gels Mas­se abge­lehnt wor­den sei, zivil­recht­lich auf­ge­löst und sei­ne recht­li­che Exis­tenz auf sei­ne Abwick­lung und Liqui­da­ti­on beschränkt sei. Über­dies lägen auch die sach­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für eine Aner­ken­nung als Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts nicht vor. Hier­zu müss­ten Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten die Gewähr der Dau­er bie­ten. Im Rah­men der gebo­te­nen Gesamt­wür­di­gung sei die hin­rei­chen­de Finanz­aus­stat­tung der Gemein­schaft ein gewich­ti­ges Kri­te­ri­um. Denn nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts sei­en Kir­chen und ihre Orga­ni­sa­tio­nen, soweit sie als Kör­per­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts aner­kannt sei­en, nicht insol­venz- bzw. kon­kurs­fä­hig; bei jeder Ent­schei­dung über die Aner­ken­nung einer Reli­gi­ons­ge­mein­schaft als Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts sei daher beson­ders sorg­fäl­tig zu prü­fen, ob die betref­fen­de Gemein­schaft in der Lage sei, ihren finan­zi­el­len Ver­pflich­tun­gen auf Dau­er nach­zu­kom­men. Nach­dem der Antrag auf Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens man­gels einer die Kos­ten des Ver­fah­rens decken­den Insol­venz­mas­se rechts­kräf­tig abge­lehnt und fest­ge­stellt wor­den sei, dass der Klä­ger zah­lungs­un­fä­hig und über­schul­det sei, ste­he fest, dass der Klä­ger bereits auf­grund der nicht vor­han­de­nen Finanz­aus­stat­tung nicht die not­wen­di­ge Gewähr der Dau­er bie­te. Die mit dem vor­lie­gen­den Ver­fah­ren begehr­ten öffent­li­chen För­der­mit­tel könn­ten bei der Betrach­tung der finan­zi­el­len Grund­la­gen des Klä­gers nicht mit ein­be­zo­gen wer­den. Denn die För­de­rung die­ne nicht dem Zweck, die Bil­dung einer Jüdi­schen Gemein­de durch staat­li­che Zuwen­dun­gen erst zu ermög­li­chen, da dies dem Gebot der staat­li­chen Neu­tra­li­tät zuwi­der lie­fe.

Da der Klä­ger aus den genann­ten Grün­den weder den Sta­tus als Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts besit­ze noch einen Anspruch auf des­sen Ver­lei­hung habe, erfül­le er auch nicht die Vor­aus­set­zun­gen für den von ihm begehr­ten Abschluss eines Staats­ver­tra­ges mit dem Land Rhein­land-Pfalz zur staat­li­chen För­de­rung einer jüdi­schen Gemein­de.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Urtei­le vom 18. Juli 2014 – 6 A 10976/​13.OVG, 6 A 11082/​13.OVG