„Legal facts“ und die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de

Sind Tat­sa­chen, die vor­lie­gen müss­ten, damit die mit der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de auf­ge­wor­fe­ne Fra­ge sich in einem Revi­si­ons­ver­fah­ren stel­len könn­te, von der Vor­in­stanz nicht fest­ge­stellt wor­den, so kann die Revi­si­on im Hin­blick auf die­se Fra­ge nicht wegen grund­sätz­li­cher Bedeu­tung zuge­las­sen wer­den; dies gilt auch für sog. „legal facts“.

„Legal facts“ und die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de

Grund­sätz­li­che Bedeu­tung kommt einer Rechts­sa­che zu, wenn für die ange­foch­te­ne Ent­schei­dung der Vor­in­stanz eine kon­kre­te, fall­über­grei­fen­de und bis­lang höchst­rich­ter­lich unge­klär­te Rechts­fra­ge des revi­si­blen Rechts von Bedeu­tung war, deren Klä­rung im Revi­si­ons­ver­fah­ren zu erwar­ten und zur Erhal­tung der Ein­heit­lich­keit der Recht­spre­chung oder zur Wei­ter­ent­wick­lung des Rechts gebo­ten ist.

Die Rüge der Nicht­be­ach­tung von Bun­des­recht bei der Anwen­dung irre­vi­si­blen Lan­des­rechts ver­mag eine Beschwer­de gegen die Nicht­zu­las­sung der Revi­si­on nur dann zu begrün­den, wenn die Aus­le­gung der – als kor­ri­gie­ren­der Maß­stab ange­führ­ten – bun­des­recht­li­chen Norm ihrer­seits unge­klär­te Fra­gen von grund­sätz­li­cher Bedeu­tung auf­wirft. Dem hier­an aus­zu­rich­ten­den Dar­le­gungs­er­for­der­nis wird nicht schon dadurch genügt, dass die maß­geb­li­chen Vor­schrif­ten des irre­vi­si­blen Lan­des­rechts als ver­fas­sungs­recht­lich bedenk­lich ange­se­hen wer­den. Viel­mehr ist im Ein­zel­nen dar­zu­le­gen, gegen wel­che Ver­fas­sungs­nor­men ver­sto­ßen wird und inwie­fern sich bei deren Aus­le­gung Fra­gen grund­sätz­li­cher Bedeu­tung stel­len, die sich noch nicht auf der Grund­la­ge bis­he­ri­ger höchst­rich­ter­li­cher Recht­spre­chung beant­wor­ten las­sen [1].

Zum ande­ren hat eine Rechts­sa­che nur dann grund­sätz­li­che Bedeu­tung, wenn sie klä­rungs­be­dürf­tig in dem Sin­ne ist, dass der in dem Rechts­streit auf­ge­tre­te­ne recht­li­che Pro­blem­ge­halt aus Grün­den der Ein­heit des Rechts und der Rechts­fort­bil­dung eine Klä­rung gera­de durch eine höchst­rich­ter­li­che Ent­schei­dung ver­langt [2]. Das ist nicht der Fall, wenn Tat­sa­chen, die vor­lie­gen müss­ten, damit die mit der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de auf­ge­wor­fe­ne Fra­ge sich in einem Revi­si­ons­ver­fah­ren stel­len könn­te, von der Vor­in­stanz nicht fest­ge­stellt wor­den sind [3]. Auch soweit das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt die betref­fen­den Umstän­de im Fal­le der Zulas­sung der Revi­si­on als sog. „legal facts“ selbst auf­klä­ren dürf­te [4], ändert das nichts dar­an, dass einer Rechts­fra­ge die grund­sätz­li­che Bedeu­tung fehlt, wenn sie sich in dem ange­streb­ten Revi­si­ons­ver­fah­ren allen­falls nach Maß­ga­be wei­te­rer Sach­auf­klä­rung stel­len wür­de. Denn damit blie­be im Ver­fah­ren der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de offen, ob die als grund­sätz­lich bedeut­sam bezeich­ne­te Fra­ge in dem ange­streb­ten Revi­si­ons­ver­fah­ren über­haupt beant­wor­tet wer­den kann. Die Klä­rungs­fä­hig­keit die­ser Fra­ge muss für die Zulas­sung der Revi­si­on aber fest­ste­hen, denn die Revi­si­on kann deren Sinn und Zweck nicht dazu zuge­las­sen wer­den, im Revi­si­ons­ver­fah­ren erst die Grund­la­ge zu erar­bei­ten, auf der sich eine grund­sätz­lich bedeut­sa­me und klä­rungs­be­dürf­ti­ge Fra­ge viel­leicht stel­len könn­te.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 2. Febru­ar 2011 – 6 B 37.10

  1. vgl. aus der Recht­spre­chung des BVerwG zum Hoch­schul­recht etwa: BVerwG, Beschlüs­se vom 17.08.2009 – 6 B 9.09, Buch­holz 421.2 Hoch­schul­recht Nr. 166 Rn. 4; und vom 21.12.2009 – 6 B 34.09[]
  2. Pietzner/​Buchheister, in: Scho­ch­/­Schmidt-Aßman­n/­Pietz­ner, VwGO, Band II, Stand: Mai 2010, § 132 Rn. 35, 52[]
  3. stän­di­ge Recht­spre­chung, sie­he nur BVerwG, Beschluss vom 17.03.2000 – 8 B 287.99, BVerw­GE 111, 61, 62 = Buch­holz 428 § 30a VermG Nr. 14 m.w.N.[]
  4. vgl. BVerwG, Urteil vom 06.11.2002 – 6 C 8.02, Buch­holz 402.5 WaffG Nr. 89 S. 24[]