Mora­li­sche Reha­bi­li­ta­ti­on wegen Kreis­ver­wei­sung

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat einem ehe­ma­li­gen Guts­be­sit­zers einen Anspruch auf eine mora­li­sche Reha­bi­li­ta­ti­on zuge­spro­chen, der im Zusam­men­hang mit der sog. demo­kra­ti­schen Boden­re­form der DDR mit sei­ner Fami­lie depor­tiert wer­den soll­te.

Mora­li­sche Reha­bi­li­ta­ti­on wegen Kreis­ver­wei­sung

Der 1959 ver­stor­be­ne Vater der Klä­ge­rin bewirt­schaf­te­te gro­ße Rit­ter­gü­ter im Kreis Baut­zen. Er wur­de 1945 im Zuge der land­wirt­schaft­li­chen Boden­re­form der DDR ent­eig­net und soll­te mit sei­ner Fami­lie nach Rügen abtrans­por­tiert wer­den. Dem Voll­zug die­ser Anord­nung konn­te er sich durch Flucht in den Wes­ten ent­zie­hen. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Dres­den hat­te den beklag­ten Frei­staat Sach­sen ver­pflich­tet, den Vater der Klä­ge­rin wegen der Kreis­ver­wei­sung nach § 1a des Ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Reha­bi­li­tie­rungs­ge­set­zes mora­lisch zu reha­bi­li­tie­ren 1.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat auf die Revi­si­on des Frei­staats Sach­sen nun das Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts Dres­den bestä­tigt und die Revi­si­on des beklag­ten Lan­des zurück­ge­wie­sen. Zur Begrün­dung hat es im Wesent­li­chen aus­ge­führt, dass in einer auf Depor­ta­ti­on gerich­te­ten Kreis­ver­wei­sung eine schwe­re Her­ab­wür­di­gung des ent­eig­ne­ten Grund­be­sit­zers im per­sön­li­chen Lebens­be­reich lie­ge. Das gel­te auch dann, wenn sich der Betrof­fe­ne der Depor­ta­ti­on durch Flucht habe ent­zie­hen kön­nen. Bereits die Anord­nung einer sol­chen Maß­nah­me stel­le schwe­res Ver­fol­gungs­un­recht dar, weil der Betrof­fe­ne aus der ört­li­chen Gemein­schaft aus­ge­grenzt wor­den sei und sei­ner Hei­mat habe beraubt wer­den sol­len. Die­se Wir­kun­gen sei­en ein­ge­tre­ten. Dass die noch ein­schnei­den­de­ren Fol­gen der Depor­ta­ti­on wegen der Flucht aus­ge­blie­ben sei­en, ände­re dar­an nichts.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 10. Dezem­ber 2009 – 3 C 25.08

  1. VG Dres­den – 12 K 2135/​05[]