Nach­träg­li­che wohn­sitz­be­schrän­ken­de Auf­la­gen zu einer Auf­ent­halts­er­laub­nis

Rechts­grund­la­ge für der Auf­ent­halts­er­laub­nis nach­träg­lich bei­gefüg­te – selb­stän­dig anfecht­ba­re [1] und vom Bestand des zugrun­de lie­gen­den Auf­ent­halts­ti­tels unab­hän­gi­ge (vgl. § 51 Abs. 6 Auf­en­thG) – Wohn­sitz­auf­la­ge ist § 12 Abs. 2 Satz 2 Auf­en­thG. Danach steht es im Ermes­sen der Aus­län­der­be­hör­de, die Auf­ent­halts­er­laub­nis auch nach­träg­lich mit einer Auf­la­ge zu ver­bin­den. Dies kann auch eine wohn­sitz­be­schrän­ken­de Auf­la­ge sein, weil die­se gegen­über der in der Vor­schrift aus­drück­lich genann­ten räum­li­chen Beschrän­kung der Auf­ent­halts­er­laub­nis einen gerin­ge­ren Ein­griff dar­stellt. Sie ord­net zwar eine Resi­denz­pflicht an, schränkt die Frei­zü­gig­keit im Bun­des­ge­biet im Übri­gen aber nicht ein [1]. Teil­wei­se erho­be­ne Beden­ken, die Rege­lung in § 12 Abs. 2 Satz 2 Auf­en­thG gestat­te kei­ne län­der­über­schrei­ten­de Wohn­sitz­auf­la­ge, weil sie die­se nicht aus­drück­lich zulas­se [2], teilt das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt nicht. § 12 Abs. 2 Auf­en­thG beschränkt die Befug­nis der Aus­län­der­be­hör­de schon sei­nem Wort­laut nach nicht auf Auf­la­gen, deren Rechts­wir­kun­gen sich auf den Zustän­dig­keits­be­reich der Aus­län­der­be­hör­de beschrän­ken. Nichts ande­res ergibt sich aus dem Ver­gleich mit ande­ren auf­ent­halts­recht­li­chen Rege­lun­gen, die eine aus­drück­li­che Ermäch­ti­gung für die Aus­län­der­be­hör­de beinhal­ten, einem Aus­län­der auf­zu­er­le­gen, auch außer­halb ihres Bezirks zu woh­nen (vgl. §§ 15a Abs. 5 Satz 1, 54a Abs. 3 Auf­en­thG). Denn die­se Rege­lun­gen betref­fen mit § 12 Abs. 2 Auf­en­thG nicht ver­gleich­ba­re Sach­ver­hal­te, in denen die Wohn­sitz­be­schrän­kung nicht als Neben­be­stim­mung zu einem im Übri­gen begüns­ti­gen­den Ver­wal­tungs­akt, der Ertei­lung eines Auf­ent­halts­ti­tels, ange­ord­net wird, son­dern als eigen­stän­di­ger Ver­wal­tungs­akt ergeht, für des­sen Erlass der Gesetz­ge­ber eine aus­drück­li­che gesetz­li­che Ermäch­ti­gung geschaf­fen hat. Dass der Gesetz­ge­ber hier­mit ent­ge­gen dem Wort­laut der Rege­lung zugleich zum Aus­druck brin­gen woll­te, § 12 Abs. 2 Auf­en­thG gestat­te nur sol­che Neben­be­stim­mun­gen, deren Rechts­wir­kun­gen sich auf den Zustän­dig­keits­be­reich der Aus­län­der­be­hör­de beschrän­ken, ist für den Senat nicht erkenn­bar.

Nach­träg­li­che wohn­sitz­be­schrän­ken­de Auf­la­gen zu einer Auf­ent­halts­er­laub­nis

Das danach von § 12 Abs. 2 Satz 2 Auf­en­thG eröff­ne­te Ermes­sen der Aus­län­der­be­hör­de ist durch die Rege­lun­gen in Nr. 12 der von der Bun­des­re­gie­rung mit Zustim­mung des Bun­des­ra­tes erlas­se­nen All­ge­mei­nen Ver­wal­tungs­vor­schrift zum Auf­ent­halts­ge­setz [3] wei­ter gebun­den.

Nach Nr. 12.2.5.2.5 AVwV Auf­en­thG kann nach einem Wohn­sitz­wech­sel die Wohn­sitz­nah­me erneut durch Auf­la­ge auf das Land des vor­he­ri­gen Wohn­orts beschränkt wer­den, wenn eine zuvor aus den unter Nr. 12.2.5.2.2 AVwV Auf­en­thG genann­ten Grün­den ver­füg­te Auf­la­ge ohne die Zustim­mung der Aus­län­der­be­hör­de des Zuzugs­orts gestri­chen oder geän­dert wor­den ist, inner­halb von sechs Mona­ten am Zuzugs­ort Bedürf­tig­keit nach Leis­tun­gen nach dem SGB II oder XII oder dem Asyl­bLG ein­ge­tre­ten ist und die in Nr. 12.2.5.2.4.2 AVwV Auf­en­thG genann­ten Grün­de nicht vor­lie­gen. Das Vor­lie­gen die­ser tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen der ermes­sens­len­ken­den Ver­wal­tungs­vor­schrift hat die Antrags­geg­ne­rin zu Recht bejaht.

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 13. April 2010 – 8 ME 5/​10

  1. vgl. BVerwG, Urteil vom 15.01.2008 – 1 C 17.07, BVerw­GE 130, 148, 150[][]
  2. vgl. VG Ham­burg, Urteil vom 22.08.2006 – 10 K 2384/​06.; Hofmann/​Hoffmann, Aus­län­der­recht, Auf­en­thG, § 12 Rn. 10[]
  3. All­ge­mei­nen Ver­wal­tungs­vor­schrift zum Auf­ent­halts­ge­setz – AVwV Auf­en­thG – vom 26.10.2009, GMBl. S. 877[]