Prä­k­lu­si­on im Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren und die Stel­lung­nah­me im Vor­ver­fah­ren

Der Hin­weis eines Ein­wen­ders auf Stel­lung­nah­men, die in einem ande­ren Ver­fah­ren oder in einem Vor­sta­di­um des eigent­li­chen Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­rens abge­ge­ben wor­den sind, reicht grund­sätz­lich nicht aus, um eine prä­k­lu­si­ons­hin­dern­de Ein­wen­dung zu erhe­ben [1]. Dies gilt für plan­be­trof­fe­ne Pri­vat­per­so­nen eben­so wie für plan­be­trof­fe­ne Gemein­den. Ob eine Aus­nah­me für den Fall anzu­neh­men ist, dass die in Bezug genom­me­ne Ein­ga­be sich bereits bei den Akten befin­det, die der Anhö­rungs­be­hör­de vor­lie­gen, hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt aus­drück­lich offen gelas­sen.

Prä­k­lu­si­on im Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren und die Stel­lung­nah­me im Vor­ver­fah­ren

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat bereits [2] ent­schie­den, dass durch den Hin­weis in einem Ein­wen­dungs­schrei­ben auf Stel­lung­nah­men in einem ande­ren Ver­fah­ren oder in einem Vor­sta­di­um des eigent­li­chen Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­rens das dar­in ent­hal­te­ne Vor­brin­gen noch nicht Inhalt des Ein­wen­dungs­schrei­bens wird, solan­ge die­se Stel­lung­nah­men nicht mit dem Ein­wen­dungs­schrei­ben ein­ge­reicht oder inner­halb der Ein­wen­dungs­frist nach­ge­reicht wer­den: Nur durch die­se For­men­stren­ge kann ver­mie­den wer­den, dass ent­ge­gen der gesetz­ge­be­ri­schen Beschleu­ni­gungs­ab­sicht für die Fest­stel­lung des Inhalts der Ein­wen­dun­gen zunächst ande­re Akten – mög­li­cher­wei­se von ande­ren Behör­den – bei­gezo­gen wer­den müs­sen. Der Beschwer­de sind kei­ne Gesichts­punk­te zu ent­neh­men, die Anlass geben, die­se Rechts­auf­fas­sung in Fra­ge zu stel­len. Die Ein­wen­dungs­last des Betrof­fe­nen und die an sie anknüp­fen­de Ein­wen­dungs­prä­k­lu­si­on die­nen zum einen dem öffent­li­chen Inter­es­se an einer Kon­zen­tra­ti­on und Beschleu­ni­gung des Ver­fah­rens, zum ande­ren dem Inter­es­se der All­ge­mein­heit und des Vor­ha­ben­trä­gers an der Bestän­dig­keit der ein­mal getrof­fe­nen Zulas­sungs­ent­schei­dung [3]. Lie­gen die in Bezug genom­me­nen Stel­lung­nah­men der Ein­wen­dung nicht bei, so ist damit für die Anhö­rungs­be­hör­de und die Plan­fest­stel­lungs­be­hör­de typi­scher­wei­se ein zusätz­li­cher Auf­wand ver­bun­den, sich Kennt­nis von deren Inhalt zu ver­schaf­fen. Die­ser Mehr­auf­wand kann schwan­ken, je nach dem wie prä­zi­se die betref­fen­de Stel­lung­nah­me bezeich­net ist und ob sie sich in Akten befin­det, die der mit der Durch­füh­rung des Anhö­rungs­ver­fah­rens befass­ten Orga­ni­sa­ti­ons­ein­heit vor­lie­gen oder erst behör­den­in­tern oder gar von ande­ren Behör­den beschafft wer­den müs­sen. Das ändert aber nichts dar­an, dass er in einem Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren, in dem regel­mä­ßig eine Viel­zahl von Ein­wen­dun­gen gesich­tet und aus­ge­wer­tet wer­den muss, typi­scher­wei­se eine nicht zu ver­nach­läs­si­gen­de, dem Rege­lungs­zweck zuwi­der­lau­fen­de Arbeits­er­schwer­nis dar­stellt. Bezug­nah­men auf nicht bei­gefüg­te Stel­lung­nah­men ber­gen zudem die Gefahr, dass Unsi­cher­heit und nach­träg­li­cher Streit über den genau­en Ein­wen­dungs­in­halt ent­ste­hen, wodurch das Inter­es­se der All­ge­mein­heit und des Vor­ha­ben­trä­gers an der Bestän­dig­keit der ein­mal getrof­fe­nen Zulas­sungs­ent­schei­dung berührt wer­den kann.

Der im Urteil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vom 27. August 1997 [4] auf­ge­stell­te Rechts­satz kommt auch für Ein­wen­dun­gen Pri­va­ter zum Tra­gen. Das genann­te Urteil ist zwar auf die Kla­ge einer Gemein­de ergan­gen. Die Begrün­dung der Ent­schei­dung stellt aber nicht auf Beson­der­hei­ten ab, die den Urhe­ber der Ein­wen­dung betref­fen, son­dern lei­tet den erwähn­ten Rechts­satz aus Sinn und Zweck der Ein­wen­dungs­prä­k­lu­si­on ab, der für Ein­wen­dun­gen Pri­va­ter in glei­cher Wei­se wie für gemeind­li­che Ein­wen­dun­gen Beach­tung ver­langt. Pri­va­te wer­den durch das Erfor­der­nis, in Bezug genom­me­ne Stel­lung­nah­men ihrem Ein­wen­dungs­schrei­ben bei­zu­fü­gen, auch nicht über­for­dert. Ein­wen­dun­gen sind nach § 73 Abs. 4 Satz 1 VwVfG inner­halb der gesetz­lich bestimm­ten Frist an die in die­ser Vor­schrift genann­ten Stel­len zu rich­ten. Dar­aus ergibt sich für jeden Ein­wen­dungs­be­rech­tig­ten mit hin­rei­chen­der Klar­heit, dass sei­ne Ein­wen­dungs­last die Oblie­gen­heit umfasst, der Behör­de frist­ge­recht sei­ne Ein­wän­de gegen den Plan umfas­send zu über­mit­teln; er hat inso­weit also erkenn­bar eine Bring­schuld. Dem wer­den Bezug­nah­men auf Schrift­stü­cke, die die Anhö­rungs­be­hör­de ihrer­seits erst auf­su­chen muss, zumin­dest im Regel­fall nicht gerecht. Das liegt für einen Pri­va­ten nicht weni­ger als für eine Gemein­de auf der Hand, so dass ein schutz­wür­di­ges Ver­trau­en, Bezug­nah­men auf nicht bei­gefüg­te Schrift­stü­cke reich­ten aus, zu ver­nei­nen ist.

Der wei­te­ren Fra­ge, ob Bezug­nah­men auf Stel­lung­nah­men, die dem Ein­wen­dungs­schrei­ben nicht bei­gefügt sind, den Ein­tritt der Prä­k­lu­si­on auch dann nicht hin­dern, wenn die­se Stel­lung­nah­men akten­kun­dig sind und nicht erst von ande­ren Behör­den bei­gezo­gen wer­den müs­sen, geht das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt jedoch nicht wei­ter nach, da es inso­weit schon an der Klä­rungs­fä­hig­keit fehlt: Dem ange­grif­fe­nen Urteil ist näm­lich nicht die Fest­stel­lung zu ent­neh­men, dass die im Ein­wen­dungs­schrei­ben des Klä­gers in Bezug genom­me­ne Stel­lung­nah­me ein in die­sem Sin­ne für die Anhö­rungs­be­hör­de prä­sen­tes Schrift­stück war.

Ob im Fal­le einer als nicht aus­rei­chend unter­stell­ten Bezug­nah­me im Ein­wen­dungs­schrei­ben auf vor­her­ge­hen­de Stel­lung­nah­men inner­halb der Ein­wen­dungs­frist eine Hin­weis­pflicht der Behör­de auf die­sen Man­gel bestehe, ist für das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt jeden­falls unter den hier vor­lie­gen­den Umstän­den ohne Wei­te­res zu ver­nei­nen. Der­ar­ti­ge Hin­weis­pflich­ten wür­den für die Anhö­rungs­be­hör­de wie­der­um einen zusätz­li­chen Arbeits­auf­wand ver­ur­sa­chen, der der mit der Prä­k­lu­si­ons­re­ge­lung ver­folg­ten Beschleu­ni­gungs­ab­sicht zuwi­der­lie­fe. Im Übri­gen ist die Anhö­rungs­be­hör­de nicht gehal­ten, die (oft in gro­ßer Anzahl ein­ge­hen­den) Ein­wen­dun­gen bereits vor Frist­ab­lauf zu sich­ten; gehen die­se bei der Gemein­de ein und wer­den sie – wie üblich – nach Frist­ab­lauf gesam­melt wei­ter­ge­lei­tet, ist die Anhö­rungs­be­hör­de dazu nicht ein­mal in der Lage. Auch das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat bis­her [4] eine Hin­weis­pflicht nur für den Fall erwo­gen, dass der Wort­laut des Ein­wen­dungs­schrei­bens der Anhö­rungs­be­hör­de den Ein­druck ver­mit­tel­te, der Ein­wen­dungs­füh­rer habe die Bei­fü­gung der in Bezug genom­me­nen Stel­lung­nah­men nur ver­se­hent­lich unter­las­sen. Dass im hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall ein sol­cher Ein­druck auf­grund des Ein­wen­dungs­schrei­bens des Klä­gers trotz der dar­in gewähl­ten For­mu­lie­rung, er erhal­te „alle Ein­wen­dun­gen gegen die Umwelt­ver­träg­lich­keits­un­ter­su­chung auf­recht“, hät­te ent­ste­hen kön­nen, ist weder dar­ge­legt noch sonst ersicht­lich.

Die in der Recht­spre­chung gestell­ten Anfor­de­run­gen an die Sub­stan­ti­ie­rung von Ein­wen­dun­gen sind auch mit dem Rechts­staats­prin­zip in Form des Ver­trau­ens­schutz­grund­sat­zes. Wie das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt mit Urteil vom 14. Juli 2011 [5] ent­schie­den hat, stellt die Erstre­ckung der Ein­wen­dungs­last des ent­eig­nend Betrof­fe­nen auf die Gel­tend­ma­chung der Beein­träch­ti­gung öffent­li­cher Belan­ge kei­ne unan­ge­mes­se­ne Belas­tung dar. Die Betei­li­gung von Betrof­fe­nen am Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren soll die Infor­ma­ti­ons­ba­sis der Plan­fest­stel­lungs­be­hör­de ver­brei­tern und zugleich den Betrof­fe­nen die Mög­lich­keit zur früh­zei­ti­gen Ein­fluss­nah­me auf den Inhalt der Pla­nungs­ent­schei­dung ver­schaf­fen, um ihnen so einen vor­ge­la­ger­ten Rechts­schutz zu gewäh­ren. Die­ser Ziel­set­zung ent­spre­chend müs­sen das Ein­wen­dungs­recht einer­seits sowie die Ein­wen­dungs­last und die an sie anknüp­fen­de Prä­k­lu­si­on ande­rer­seits hin­sicht­lich ihrer Reich­wei­te mit­ein­an­der kor­re­spon­die­ren. Dem Ein­wen­der wird damit nichts abver­langt, was er nicht leis­ten könn­te. An die Sub­stan­ti­ie­rungs­last pri­va­ter Ein­wen­der sind näm­lich nur gerin­ge Anfor­de­run­gen zu stel­len. Um ihnen zu genü­gen, muss eine Ein­wen­dung erken­nen las­sen, in wel­cher Hin­sicht nach Mei­nung des Ein­wen­ders Beden­ken gegen die in Aus­sicht genom­me­ne Plan­fest­stel­lung bestehen kön­nen. Hier­zu reicht es aus, wenn die Ein­wen­dung in gro­ben Zügen auf­zeigt, wel­che Schutz­gü­ter als gefähr­det ange­se­hen und wel­che Beein­träch­ti­gun­gen befürch­tet wer­den. Die Dar­le­gungs­an­for­de­run­gen ori­en­tie­ren sich an den Mög­lich­kei­ten betrof­fe­ner Lai­en; Aus­füh­run­gen, die fach­wis­sen­schaft­li­chen Sach­ver­stand vor­aus­set­zen, kön­nen regel­mä­ßig nicht erwar­tet wer­den. Die­sen Anfor­de­run­gen ver­mag der Ein­wen­der auch gerecht zu wer­den, soweit ihm Dar­le­gun­gen zur Beein­träch­ti­gung öffent­li­cher Belan­ge abver­langt wer­den.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 28. Dezem­ber 2011 – 9 B 59.11

  1. im Anschluss an BVerwG, Urteil vom 27.08.1997 – 11 A 18.96, Buch­holz 316 § 73 VwVfG Nr. 24 S. 28[]
  2. BVerwG, Urteil vom 27.08.1997 – 11 A 18.96, Buch­holz 316 § 73 VwVfG Nr. 24 S. 28[]
  3. BVerwG, Urtei­le vom 17.07.1980 – 7 C 101.78, BVerw­GE 60, 297, 311; und vom 14.07.2011 – 9 A 14.10[]
  4. BVerwG, Urteil vom 27.08.1997, a.a.O.[][]
  5. BVerwG, Urteil vom 14.07.2011 – 9 A 14.10, m.w.N.[]