Pro­gres­si­ve Kreis­um­la­gen

Die vom Eifel­kreis Bit­burg-Prüm für das Jahr 2009 erho­be­ne Kreis­um­la­ge ist nach einem Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts Trier auch inso­weit recht­mä­ßig. wie sie eine pro­gres­si­ve Fest­set­zung anhand der Steu­er­kraft­mess­zahl vor­sieht.

Pro­gres­si­ve Kreis­um­la­gen

Der Ent­schei­dung lag die Kla­ge der Orts­ge­mein­de Mal­berg­weich zugrun­de, die vom beklag­ten Eifel­kreis zu einer Kreis­um­la­ge in Höhe von 305.000,00 € her­an­ge­zo­gen wor­den ist. Der Berech­nung der Kreis­um­la­ge lag neben einer ein­heit­li­chen (linea­ren) Umla­ge auf der Basis eines Ein­gangs­um­la­ge­sat­zes von 37,1 % eine pro­gres­si­ve Fest­set­zung für Gemein­den, die eine über dem Lan­des­durch­schnitt der kreis­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den lie­gen­de Steu­er­kraft­mess­zahl auf­wie­sen, zugrun­de. Durch den Pro­gres­si­ons­an­teil und die sich damit für sie erge­ben­de Höhe der Kreis­um­la­ge sah die Klä­ge­rin ihren finan­zi­el­len Hand­lungs­spiel­raum bedroht. Fer­ner rüg­te sie einen Ver­stoß gegen das Gebot inter­kom­mu­na­ler Gleich­be­hand­lung. Durch die pro­gres­si­ve Fest­set­zung fal­le sie in ihrer Finanz­kraft weit hin­ter den Durch­schnitt der übri­gen Gemein­den zurück. Zudem wand­te sie gegen die Recht­mä­ßig­keit der Kreis­um­la­ge ein, dass der Beklag­te über die Kreis­um­la­ge zum Teil Ange­le­gen­hei­ten finan­zie­re, die ihrer Natur nach in den Auf­ga­ben­be­reich der Gemein­den fie­len, wie bspw. die „Wirt­schafts­för­de­rung Flug­platz Bit­burg” und die „Tou­ris­mus­för­de­rung”, wie Lehr­park Teu­fels­schlucht, Schul­den­dienst­hil­fe Gay­tal-Park und Umla­gen an Zweck­ver­bän­de.

Die­ser Auf­fas­sung schloss sich das Ver­wal­tungs­ge­richt Trier jedoch nicht an, sie sahen die Aus­ge­stal­tung des Kreis­um­la­ge­sys­tems ein­schließ­lich des Pro­gres­si­ons­an­teils als recht­lich unbe­denk­lich an. Der Kreis dür­fe jähr­lich eine Kreis­um­la­ge erhe­ben, soweit die ansons­ten von ihm zu erhe­ben­den Ent­gel­te und Steu­ern nicht aus­reich­ten, den Finanz­be­darf der ihm oblie­gen­den Ange­le­gen­hei­ten zu decken. Zu die­sen Ange­le­gen­hei­ten zähl­ten alle die­je­ni­gen öffent­li­chen Auf­ga­ben, die auf das Kreis­ge­biet bezo­gen und „über­ört­lich” sei­en. Hier­ge­gen habe der Land­kreis nicht ver­sto­ßen. Auch bei den von der Klä­ge­rin als kreis­frem­de Ange­le­gen­hei­ten monier­ten Auf­ga­ben „Wirt­schafts­för­de­rung Flug­platz Bit­burg” und „Tou­ris­mus­för­de­rung” han­de­le es sich ein­deu­tig um sol­che mit über­ört­li­chem Bezug. Eine Aus­höh­lung der Finanz­kraft der Klä­ge­rin sei eben­falls nicht fest­stell­bar, da die­ser nach Abzug aller Umla­gen noch Erträ­ge ver­blie­ben und sie es zudem bis­her unter­las­sen habe, ihre Ein­nah­me­mög­lich­kei­ten durch Anhe­bung der Hebe­sät­ze auf das recht­lich Erlaub­te, aus­zu­schöp­fen. Schließ­lich sei auch das Gebot der inter­kom­mu­na­len Gleich­be­hand­lung aus­rei­chend beach­tet. Die pro­gres­si­ve Fest­le­gung füh­re nicht zu einem Rang­platz­tausch der Gemein­den son­dern sei für sich genom­men rech­ne­risch ver­tei­lungs­neu­tral.

Ver­wal­tungs­ge­richt Trier, Urteil vom 16. Novem­ber 2010 – 1 K 100/​10.TR