Schul­be­such in Bel­gi­en

Zwar ist nach dem nord­rhein-west­fä­li­schen Schul­ge­setz die Schul­pflicht durch den Besuch einer deut­schen Schu­le zu erfül­len, aber es ist ein Aus­nah­me­fall anzu­neh­men, wenn der Schü­ler eine Schu­le im grenz­na­hen Gebiet der Deutsch­spra­chi­gen Gemein­schaft Bel­gi­ens besucht, in der Deutsch Unter­richts­spra­che ist.

Schul­be­such in Bel­gi­en

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Aachen in dem hier vor­lie­gen­den Fall zwei­er Schwes­tern das Land Nord­rhein-West­fa­len dazu ver­pflich­tet, Aus­nah­me­ge­neh­mi­gun­gen zu ertei­len, damit die Mäd­chen in Eupen/​Bel­gi­en die Schu­le besu­chen dür­fen.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Aachen aus­ge­führt, dass die älte­re Schü­le­rin mit dem Schul­jahr 2013/​2014 das fünf­te und damit vor­letz­te Jahr der sechs­jäh­ri­gen Sekun­dar­schu­le in Bel­gi­en besu­che und über­dies nach dem Ende des Schul­jah­res nicht mehr schul­pflich­tig sei. Für sie und ihre jün­ge­re Schwes­ter sei ein Aus­nah­me­fall aber auch anzu­neh­men, weil sie Schu­len im grenz­na­hen Gebiet der Deutsch­spra­chi­gen Gemein­schaft Bel­gi­ens besu­chen, in der Deutsch Unter­richts­spra­che sei.

Von Bedeu­tung sei auch die „Gemein­sa­me Erklä­rung zur gegen­sei­ti­gen Aner­ken­nung von schu­li­schen Bil­dungs­ab­schlüs­sen und Berech­ti­gun­gen zwi­schen der Deutsch­spra­chi­gen Gemein­schaft Bel­gi­ens und dem Land Nord­rhein-West­fa­len vom 1. Dezem­ber 2009“. Dar­in wer­de das außer­or­dent­li­che Inter­es­se bei­der Sei­ten betont, in einem zusam­men­wach­sen­den Euro­pa die Mobi­li­tät von Schü­lern und deren Fami­li­en durch eine Ver­ein­fa­chung der Aner­ken­nung schu­li­scher Bil­dungs­ab­schlüs­se und eine Erleich­te­rung des Wech­sels zwi­schen den unter­schied­li­chen Schul­sys­te­men zu för­dern. Schließ­lich ent­spre­che das Abschluss­zeug­nis der Ober­stu­fe des Sekun­dar­un­ter­richts in der Deutsch­spra­chi­gen Gemein­schaft dem deut­schen Abitur.

Ver­wal­tungs­ge­richt Aachen, Urteil vom 4. April 2014 – 9 K 2036/​13