Son­nen­kol­lek­to­ren auf denk­mal­ge­schütz­tem Fach­werk­haus

An einem denk­mal­ge­schütz­ten Fach­werk­haus in expo­nier­ter Lage stel­len Son­nen­kol­lek­to­ren eine Beein­träch­ti­gung des Denk­mals dar. Daher ver­stößt deren Anbrin­gung gegen das Denk­mal­schutz­ge­setz (§ 6 Abs. 2 NDschG).

Son­nen­kol­lek­to­ren auf denk­mal­ge­schütz­tem Fach­werk­haus

Der Klä­ger in dem hier vom Ver­wal­tungs­ge­richt Göt­tin­gen ent­schie­de­nen Fall ist Eigen­tü­mer eines Fach­werk­hau­ses. Bei dem Gebäu­de han­delt es sich um ein Denk­mal, das als sol­ches in dem Werk Denk­mal­to­po­gra­phie Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, Bau­denk­ma­le in Nie­der­sach­sen Band 5.3. auf­ge­nom­men ist. Der Klä­ger möch­te auf der nach Süden aus­ge­rich­te­ten Dach­flä­che des Hau­ses zwei Son­nen­kol­lek­to­ren mit einer Gesamt­flä­che von etwa 4,62 m² errich­ten.

Das Vor­ha­ben des Klä­gers bedarf gemäß § 10 Abs. 1 Nr. 1 Nds. Denk­mal­schutz­ge­setz ‑NDschG- vom 30. Mai 1978 1, in der Fas­sung des im Zeit­punkt der münd­li­chen Ver­hand­lung in Kraft befind­li­chen Geset­zes vom 26. Mai 2011 (Nds. GVBl S. 135)) der Geneh­mi­gung der Denk­mal­schutz­be­hör­de. Denn es ver­än­dert ein Kul­tur­denk­mal.

Kul­tur­denk­ma­le sind gemäß § 3 Abs. 1 NDschG u.a. Bau­denk­ma­le. Nach Abs. 2 der Vor­schrift sind Bau­denk­ma­le u.a. bau­li­che Anla­gen, an deren Erhal­tung wegen ihrer geschicht­li­chen künst­le­ri­schen, wis­sen­schaft­li­chen oder städ­te­bau­li­chen Bedeu­tung ein öffent­li­ches Inter­es­se besteht. Das Gebäu­de des Klä­gers ist in die­sem Sin­ne ein Denk­mal, weil ihm städ­te­bau­li­che Bedeu­tung zukommt. Alter, Erhal­tungs­zu­stand sowie kon­struk­ti­ves und gestal­te­ri­sches Fach­werk­ge­füg­te zeich­nen den dop­pel­ge­schos­si­gen, stock­werk­wei­se abge­zim­mer­ten Fach­werk­bau aus. Fas­sa­den­prä­gend ist der in Bal­ken­stär­ke aus­la­den­de Ober­stock mit sei­ner plas­tisch model­lier­ten Gebälk­zo­ne, gebil­det aus einem durch­lau­fen­den Zahn­schnitt­fries an der Unter­kan­te der Ober­stock­schwel­le, der gleich­sam die Hori­zon­ta­le des Bau­es unter­streicht. Auch der Ober­stock mit sei­nen quer­recht­ecki­gen, lagen­ern­den Gefa­chen und den weit aus­grei­fen­den, leicht gekrümm­ten Fuß­stre­ben an den Eck- und Bund­stän­dern trägt zur Wir­kung des Bau­es bei 2.

Die begehr­te Geneh­mi­gung kann gemäß § 10 Abs. 3 NDschG nicht erteilt wer­den, weil die Maß­nah­me gegen das Denk­mal­schutz­ge­setz ver­stößt. Gemäß § 6 Abs. 2 NDschG dür­fen Kul­tur­denk­ma­le nicht so ver­än­dert wer­den, dass ihr Denk­mal­wert beein­träch­tigt wird.

Die Fra­ge, wann von einer Beein­träch­ti­gung eines Bau­denk­mals aus­zu­ge­hen ist, beant­wor­tet sich nach dem Urteil eines Sach­ver­stän­di­gen auf dem Gebiet des Denk­mal­schut­zes, des­sen Sicht von einem brei­ten Kreis von Sach­ver­stän­di­gen getra­gen wird. Hin­ter­grund die­ses Maß­sta­bes ist dabei die Erwä­gung, dass eine sach­ge­mä­ße Ein­schät­zung ein Ver­traut­sein mit den his­to­ri­schen und bau­ge­schicht­li­chen Hin­ter­grün­den des zu schüt­zen­den Bau­denk­mals in sei­ner Epo­che vor­aus­setzt 3. Inso­weit wird das erfor­der­li­che Fach­wis­sen regel­mä­ßig von den Behör­den der Denk­mal­pfle­ge ver­mit­telt. In dem Werk Denk­mal­to­po­gra­phie Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, Bau­denk­ma­le Nie­der­sach­sen, Band 5.3. kommt zum Aus­druck, dass das Gebäu­de des Klä­gers einer­seits wegen der beson­de­ren Fach­werk­struk­tur, ande­rer­seits auch wegen sei­ner expo­nier­ten Lage ein Denk­mal dar­stellt. Gera­de die expo­nier­te Lage führt dazu, dass Son­nen­kol­lek­to­ren auf der süd­li­chen Dach­sei­te sofort ins Auge sprin­gen und den vom Gebäu­de ent­ste­hen­den Ein­druck prä­gen. Dies stellt eine Beein­träch­ti­gung des Denk­mals dar.

Die Vor­aus­set­zun­gen für die Geneh­mi­gung die­ses Ein­griffs nach § 7 Abs. 2 NDschG lie­gen nicht vor. Gemäß § 7 Abs. 2 Nr. 2 NDschG ist ein Ein­griff in ein Kul­tur­denk­mal zu geneh­mi­gen, soweit ein öffent­li­ches Inter­es­se ande­rer Art, zum Bei­spiel

  • die nach­hal­ti­ge ener­ge­ti­sche Ver­bes­se­rung des Kul­tur­denk­mals,
  • der Ein­satz erneu­er­ba­rer Ener­gi­en oder
  • die Berück­sich­ti­gung der Belan­ge von alten Men­schen und Men­schen mit Behin­de­run­gen das Inter­es­se an der unver­än­der­ten Erhal­tung des Kul­tur­denk­mals über­wiegt und den Ein­griff zwin­gend ver­langt.

Folg­lich hat eine Abwä­gung zwi­schen den Belan­gen des Denk­mal­schut­zes mit denen umwelt­scho­nen­der Ener­gie­er­zeu­gung statt­zu­fin­den. Einen gesetz­lich fest­ge­leg­ten Vor­rang ins­be­son­de­re des Kli­ma­schut­zes vor der Erhal­tung von Kul­tur­denk­ma­len besteht hier­nach nicht. Eine umfas­sen­de Güter­ab­wä­gung mit den Belan­gen des Denk­mal­schut­zes bleibt – wie auch schon nach altem Denk­mal­schutz­recht – zwin­gend erfor­der­lich. Nur so ist in jedem Ein­zel­fall eine sach­ge­rech­te und an den ört­li­chen Gege­ben­hei­ten ori­en­tier­te Lösung mög­lich 4.

Bei die­sem Abwä­gungs­vor­gang ist für den Beklag­ten zunächst der Erlass des Nds. MWK vom 11.06.2003 5 ent­schei­dungs­lei­tend. Dort wird in Über­ein­stim­mung mit der alten wie der neu­en Geset­zes­la­ge aus­ge­führt, dass es einen all­ge­mei­nen Vor­rang des Denk­mal­schut­zes gegen­über dem Umwelt­schutz nicht gibt, son­dern bei­de Aspek­te in Ver­ein­ba­rung mit­ein­an­der zu brin­gen sind. Wei­ter heißt es in Tz. 3 des Erlas­ses bei gering­fü­gi­gen Beein­träch­ti­gun­gen der denk­mal­ge­schütz­ten Anla­ge durch Son­nen­kol­lek­to­ren und Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen, die höchs­tens 10 % der denk­mal­ge­schütz­ten Dach­flä­che in Anspruch neh­men, dür­fe eine auf die Lebens­dau­er der Solar- oder Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge befris­te­te denk­mal­schutz­recht­li­che Geneh­mi­gung erteilt wer­den, wenn sie rever­si­bel mon­tiert wer­de und die Denk­mal­sub­stanz nicht zer­stö­re. Zwar wür­de der Klä­ger weni­ger als 10 % sei­ner süd­li­chen Dach­flä­che für die zur Geneh­mi­gung gestell­te Anla­ge in Anspruch neh­men, es han­delt sich indes nicht um eine bloß gering­fü­gi­ge Beein­träch­ti­gung der denk­mal­ge­schütz­ten Anla­ge. Viel­mehr wür­de die Anla­ge wegen der expo­nier­ten Lage des Gebäu­des jedem Betrach­ter sofort ins Auge sprin­gen. Das kann nicht mehr als gering­fü­gi­ge Beein­träch­ti­gung ange­se­hen wer­den. Inso­weit wird auf die Recht­spre­chung des Nds. Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Bezug genom­men, das in sei­nem Urteil vom 3. Mai 2006, a.a.O. aus­ge­führt hat:

  • Schon der Wort­laut bringt zum Aus­druck, dass eine denk­mal­schutz­recht­li­che Geneh­mi­gung nur in Betracht kommt, wenn die denk­mal­be­grün­den­den Merk­ma­le durch die Son­nen­kol­lek­to­ren und Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen nur gering­fü­gig beein­träch­tigt wer­den und, das muss hin­zu­kom­men, die­se Anla­gen höchs­tens 10 v.H. der Dach­flä­chen in Anspruch neh­men. Hier fehlt es an bei­dem. Wie oben dar­ge­legt stel­len die vom Klä­ger auf­ge­brach­ten PV-Plat­ten einen beson­ders augen­fäl­li­gen und gra­vie­ren­den Ein­griff in die denk­mal­be­grün­den­den Ele­men­te der Dach­land­schaft und damit nicht nur eine gering­fü­gi­ge Beein­träch­ti­gung dar.Aus der von ihm zitier­ten Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts Stutt­gart 6, wonach es aus denk­mal­schutz­recht­li­chen Grün­den nicht zu bean­stan­den sein kann, wenn Kol­lek­to­ren auf einem Kir­chen­dach instal­liert wer­den, kann der Klä­ger kei­ne ihm posi­ti­ven Rechts­fol­gen her­lei­ten. Die Grün­de der dazu ergan­ge­nen, das Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts Stutt­gart bestä­ti­gen­den Beru­fungs­ent­schei­dung des Baden-Würt­tem­ber­gi­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs vom 27. Juni 2005 7 stüt­zen den vom Klä­ger ein­ge­nom­me­nen Stand­punkt nicht. Denn es bestehen ganz erheb­li­che Unter­schie­de zur Rechts­la­ge in Baden-Würt­tem­berg sowie zu dem dort ent­schie­de­nen Sach­ver­halt. Der recht­li­che Unter­schied besteht dar­in, dass nach der Deu­tung, wel­che der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof dem dor­ti­gen Denk­mal­schutz­recht 8 gibt, Denk­ma­le im Land Baden-Würt­tem­berg einen Schutz genie­ßen, der danach dif­fe­riert, ob die­se in die Denk­mal­lis­te ein­ge­tra­gen sind oder nicht. Im letzt­ge­nann­ten Fall sind Denk­ma­le danach nur gegen erheb­li­che Ein­bu­ßen geschützt, die pri­vi­le­gier­ten gegen jed­we­den. In dem vom Klä­ger ange­zo­ge­nen Fall war eine Sach­la­ge gege­ben, in der die Kir­che nur einen ver­min­der­ten Denk­mal­schutz genoss. Es kam hin­zu, dass das in Rede ste­hen­de Kir­chen­ge­bäu­de nicht aus ästhe­ti­schen, künst­le­ri­schen oder – wie hier – städ­te­bau­li­chen, son­dern allein aus his­to­ri­schen Grün­den geschützt war. Der Baden-Würt­tem­ber­gi­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof 9 führt – nach­voll­zieh­bar und über­zeu­gend – aus, bei der Fra­ge der Beein­träch­ti­gung müs­se man danach unter­schei­den, aus wel­chem Grund das in Rede ste­hen­de Objekt Denk­mal­schutz genie­ße. Gebö­ten künst­le­ri­sche Grün­de im All­ge­mein­in­ter­es­se sei­nen Erhalt, wir­ke sich die Instal­la­ti­on von Pho­to­vol­ta­ik­plat­ten ten­den­zi­ell eher denk­mal­wid­rig aus, als wenn – wie dort – die Kir­che nur Zeug­nis für den Wie­der­auf­bau nach zwei­ma­li­ger Brand­ver­hee­rung und damit für ein hei­mat­ge­schicht­li­ches Gesche­hen ablege.Auf die­ser – bil­li­gens­wer­ten – Linie liegt es, wenn der­sel­be Baden-Würt­tem­ber­gi­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs in sei­ner Ent­schei­dung vom 10. Okto­ber 1988 10 kei­ne Beden­ken getra­gen hat­te, die Anbrin­gung einer nur 8 m² gro­ßen Kol­lek­to­ren­flä­che auf der süd­li­chen Dach­gau­be eines Wohn­hau­ses als denk­ma­lun­ver­träg­lich ein­zu­stu­fen, weil die­se Anla­ge in augen­fäl­li­gen Kon­trast zur umge­ben­den Dach­ge­stal­tung tre­te und sich unter ande­rem durch die Refle­xi­ons­wir­kun­gen außer­or­dent­lich stö­rend aus­wir­ke. Schon die 8 m² gro­ße Flä­che stuf­te es als groß­flä­chig und denk­ma­lun­ver­träg­lich ein. Das unter­stützt die vom Senat für die hie­si­ge Sach­la­ge getrof­fe­ne Wür­di­gung, wel­che sogar eine über 70 m² bede­cken­de PV-Anla­ge betrifft.

    Aus den vor­ste­hen­den Aus­füh­run­gen folgt zugleich, dass die ange­grif­fe­ne Ver­fü­gung nicht ermes­sens­wid­rig oder unver­hält­nis­mä­ßig ist. Das Über­maß­ver­bot ver­letzt sie aus den genann­ten Grün­den nicht; die die Dach­gau­be bede­cken­den Kol­lek­to­ren kön­nen voll­stän­dig ein­ge­se­hen wer­den und beein­träch­ti­gen ganz erheb­lich das Ensem­ble. Das Will­kür­ver­bot und den Gleich­heits­satz (Art. 3 Abs. 1 GG) ver­let­zen die ange­grif­fe­nen Beschei­de eben­falls nicht. Der Hin­weis des Klä­gers auf Anten­nen, wei­te­re Dach­gau­ben und Satel­li­ten­schüs­seln geht schon des­halb fehl, weil der hier in Rede ste­hen­de Ein­griff eine ganz ande­re Qua­li­tät erreicht. Anders als punk­tu­ell, wie dies bei Satel­li­ten­schüs­seln und Anten­nen geschieht, nimmt die Maß­nah­me, deren Rück­gän­gig­ma­chung die Beklag­te zu Recht ver­langt, die gesam­te Dach­flä­che in Anspruch. Die­se wird mit einer stark spie­geln­den, von der umge­ben­den Far­be und Funk­ti­on unmaß­stäb­lich abwei­chen­den Instal­la­ti­on in Anspruch genom­men. Dar­an rei­chen die Ein­bu­ßen, wel­che mit den vom Klä­ger bezeich­ne­ten Anla­gen ver­bun­den sind, nicht ein­mal annä­hernd her­an.

    Die mit die­ser Hand­ha­bung des Denk­mal­schutz­rechts ver­bun­de­ne Ein­schrän­kung der Nutz­bar­keit sei­nes Grund­stücks ver­stößt nicht gegen höher­ran­gi­ges Recht. Die Ver­bür­gun­gen aus Art. 14 Abs. 1 GG kann der Klä­ger nicht mit Erfolg ins Feld füh­ren. Durch die Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts 11 ist geklärt, dass das Eigen­tum an Denk­ma­len einer gestei­ger­ten Sozi­al­bin­dung unter­liegt. Wegen ihres sozia­len Bezugs und des hohen Rangs, der dem Denk­mal­schutz zukommt, muss der Eigen­tü­mer denk­mal­ge­schütz­ter Bau­lich­kei­ten hin­neh­men, dass ihm eine rentable(re) Nut­zung des Grund­stücks ver­wehrt wer­den kann, wenn die Belan­ge des Denk­mal­schut­zes im Ein­zel­fall stär­ker wie­gen als die finan­zi­el­len oder sons­ti­gen Inter­es­sen und Belan­ge, wel­che er in die Waag­scha­le zu wer­fen ver­mag. Zwar darf auch ange­sichts die­ses sozia­len Bezugs der Kern­be­reich der Eigen­tums­ga­ran­tie nicht aus­ge­höhlt wer­den. Zu die­sem gehört nicht nur, dass das Objekt dem Eigen­tü­mer zuge­rech­net wird, son­dern auch, dass es ihm noch als Grund­la­ge pri­va­ter Initia­ti­ve von Nut­zen sein, d.h. er mit des­sen Erträg­nis­sen sei­nen Lebens­un­ter­halt bestrei­ten zu hel­fen kann 12. Die­se Funk­ti­on kann das hier in Rede ste­hen­de Gebäu­de aber unver­än­dert erfül­len. Das zeigt schon der Umstand, dass die Eigen­tü­mer aller ande­ren im Kern­stadt­be­reich der Beklag­ten ste­hen­den Gebäu­de ihr Aus­kom­men fin­den, ohne die­se Mög­lich­keit der Ener­gie­ge­win­nung nut­zen zu müs­sen. Die Strom- und Gas­prei­se mögen gera­de in letz­ter Zeit deut­lich gestie­gen sein. Das ist indes nicht in einem Umfang gesche­hen, dass die Pri­vat­nüt­zig­keit der Grund­stücks­nut­zung in einer mit Art. 14 Abs. 1 GG nicht mehr zu ver­ein­ba­ren­den Wei­se lit­te, wenn dem Klä­ger die­se Mög­lich­keit ihrer Redu­zie­rung aus Grün­den des Denk­mal­schutz­rechts ver­schlos­sen blie­be. Es braucht daher nicht ins Ein­zel­ne gehend unter­sucht zu wer­den, ab wel­chem Zeit­raum sich die nicht uner­heb­li­chen Anschaf­fungs­kos­ten über­haupt zu rech­nen begin­nen. Der Klä­ger hat nicht ein­mal ansatz­wei­se dar­ge­tan, ohne die­se PV-Plat­ten „rech­ne sich das Gebäu­de nicht“ mehr.

    Der Klä­ger kann auch aus Art. 20 a GG kei­ne ihm güns­ti­gen Fol­gen her­lei­ten. Es mag sein, dass man durch die Nut­zung rege­ne­ra­ti­ver Ener­gi­en Res­sour­cen an hei­mi­scher Koh­le und sons­ti­gen fos­si­len Ener­gie­trä­gern scho­nen und so zum Erhalt der natür­li­chen Lebens­grund­la­gen bei­tra­gen kann. Es mag auch zutref­fen, dass es sich bei Art. 20 a GG nicht ledig­lich um einen Pro­gramm­satz, son­dern objek­tiv strik­tes Ver­fas­sungs­recht han­delt, wel­ches Behör­den bei ihrer Amts­wal­tung unab­hän­gig davon anzu­wen­den und zu beach­ten haben, dass ihm kein sub­jek­ti­ves Recht bestimm­ter Ein­zel­ner kor­re­spon­diert 13. Die­ses Staats­ziel muss sich aber an dem ande­ren Ziel mes­sen las­sen, im All­ge­mein­in­ter­es­se erhal­tens­wer­te Stadt­land­schaf­ten vor unan­ge­mes­se­nen Ein­grif­fen zu bewah­ren. Art. 20 a GG arti­ku­liert mit ande­ren Wor­ten nur ein bestimm­tes öffent­li­ches Inter­es­se, ohne dass damit ein ein­deu­ti­ger Vor­rang gegen­über ande­ren eben­falls im öffent­li­chen Inter­es­sen lie­gen­den Gesichts­punk­ten ver­bun­den wäre. Als ein sol­ches öffent­li­ches Inter­es­se ist das­je­ni­ge am Erhalt von Bau­wer­ken aus den in § 3 Abs. 2 NDSchG ange­ge­be­nen Grün­den anzu­se­hen. Art. 20 a GG kann daher nur dazu füh­ren, dass dem Gesichts­punkt der Ener­gie­ein­spa­rung bei der Abwä­gung kon­kur­rie­ren­der Inter­es­sen – sei es auf der Tat­be­stands­sei­te zur Bestim­mung des Gewichts, das dem pri­va­ten Inter­es­se an die­ser Art der Ener­gie­ge­win­nung zukommt, sei es auf der Ermes­sens­sei­te – eine etwas ver­stärk­te Durch­set­zungs­fä­hig­keit zukommt und daher je nach Lage des Ein­zel­falls Ein­schrän­kun­gen im Erschei­nungs­bild des Denk­mals eher hin­zu­neh­men sind, als dies ohne Art. 20 a GG der Fall wäre.

    Bei der danach vor­zu­neh­men­den Inter­es­sen­ab­wä­gung gibt Art. 20 a GG kei­nen dem Klä­ger güns­ti­gen Aus­schlag. Das öffent­li­che Inter­es­se dar­an, den Alt­stadt­be­reich von C. von so gro­ben Ein­grif­fen ver­schont zu sehen, hat viel­mehr ganz erheb­li­ches Gewicht. Dem Klä­ger wird mit dem Ver­bot, die denk­mal­recht­lich beson­ders rele­van­te Stra­ßen­sei­te mit sol­chen Anla­gen zu bestü­cken, nicht voll­stän­dig ver­sagt, auf die­se Wei­se Ener­gie zu gewin­nen. Die Beklag­te hat ihn viel­mehr wie­der­holt dar­auf ver­wie­sen, dass die Rück­sei­te sei­nes Gebäu­des nicht mehr am Ensem­ble­schutz teil­nimmt und daher für die Instal­la­ti­on sol­cher Anla­gen offen steht. Der Klä­ger kann auf den bei­den an die Nord­sei­te des Gebäu­des haken­för­mig ange­füg­ten flach­ge­deck­ten Anbau­ten Son­nen­kol­lek­to­ren instal­lie­ren. Die­ser Auf­stel­lungs­ort mag ihm nicht so gro­ße Chan­cen ein­räu­men, die Son­nen­en­er­gie zu nut­zen, wie dies auf den hier in Rede ste­hen­den, nach Süden geneig­ten und von kei­nem benach­bar­ten Gebäu­de zu ver­schat­ten­den Dach­flä­chen mög­lich ist. Das ist indes kein trif­ti­ger Ein­wand, weil dem Klä­ger durch Art. 14 oder 20 a GG kei­ne größt­mög­li­che Ener­gie­ein­spar- oder ‑gewin­nungs­mög­lich­keit garan­tiert ist. Das geschieht auch nicht durch das soge­nann­te Kyo­to-Pro­to­koll, wel­ches die Bun­des­re­pu­blik unter­zeich­net hat. Inso­fern ist auf die zutref­fen­den Aus­füh­run­gen des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts in der Ent­schei­dung vom 13. März 2003 14 zu ver­wei­sen.

    Ent­ge­gen dem am Schluss der ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Ent­schei­dung ange­spro­che­nen Gedan­ken geht es hier nicht um den gene­rel­len Vor­rang des Denk­mal­schut­zes vor Belan­gen des Umwelt­schut­zes. Wie oben dar­ge­legt, ist viel­mehr dem Baden-Würt­tem­ber­gi­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hof in der Ein­schät­zung zu fol­gen, dass es dar­auf ankommt, aus wel­chen Grün­den ein Gebäu­de denk­mal­ge­schützt ist. Hier sind es „nun ein­mal“ städ­te­bau­li­che Gesichts­punk­te, wel­che sich in der Häu­ser­zei­le, in die das klä­ge­ri­sche Gebäu­de mit der Fol­ge ent­spre­chen­der Situa­ti­ons­ge­bun­den­heit ein­ge­bet­tet ist, augen­fäl­lig abbil­den. Daher steht nicht ein gene­rel­ler Vor­rang in Rede, son­dern eine Abwä­gung der kon­kre­ten Umstän­de des Ein­zel­falls.“

Städ­te­bau­li­che Grün­de sind es auch im Fall des klä­ge­ri­schen Hau­ses, die eine Unter­schutz­stel­lung nach dem Nds. Denk­mal­schutz­ge­setz recht­fer­ti­gen. In die­sem Fall über­wiegt aus den vom Nds. Ober­ver­wal­tungs­ge­richt dar­ge­leg­ten Grün­den das Inter­es­se am Denk­mal­schutz das Inter­es­se an einer umwelt­freund­li­chen Ener­gie­er­zeu­gung.

Schließ­lich ist der Ein­griff in das Denk­mal auch nicht gemäß § 7 Abs. 2 Nr. 3 NDschG zu geneh­mi­gen. Danach ist ein Ein­griff zu geneh­mi­gen, soweit die unver­än­der­te Erhal­tung den Ver­pflich­te­ten wirt­schaft­lich unzu­mut­bar belas­tet. Aus Abs. 3 der Vor­schrift ergibt sich, dass eine wirt­schaft­li­che Belas­tung ins­be­son­de­re dann unzu­mut­bar ist, soweit die Kos­ten der Erhal­tung und Bewirt­schaf­tung nicht durch die Erträ­ge oder den Gebrauchs­wert des Kul­tur­denk­mals auf­ge­wo­gen wer­den kön­nen. Kann der Ver­pflich­te­te Zuwen­dung aus öffent­li­chen oder pri­va­ten Mit­teln oder steu­er­li­che Vor­tei­le in Anspruch neh­men, so sind die­se anzu­rech­nen. Die­se Vor­aus­set­zun­gen lie­gen beim Klä­ger nicht vor, weil die Anbrin­gung der zwei Son­nen­kol­lek­to­ren mit einer Gesamt­grö­ße von knapp 5 m² erkenn­bar nicht dazu bei­trägt, dass das denk­mal­ge­schütz­te Gebäu­de wirt­schaft­lich zumut­bar genutzt wer­den kann. Soweit der Klä­ger Kos­ten­vor­anschlä­ge vor­legt, die sich mit der Sanie­rung des Daches ins­ge­samt und mit der Erneue­rung des Bund­sand­stein­fun­da­ments befas­sen, hilft dies für die Fra­ge, wel­che Aus­wir­kun­gen die Son­nen­kol­lek­to­ren auf die wirt­schaft­li­che Nutz­bar­keit des Hau­ses haben nicht wei­ter. Im Ergeb­nis hat der Klä­ger inso­weit kei­ne kon­kre­ten Zah­len vor­ge­tra­gen. Das Gericht geht daher vom lebens­na­hen Nor­mal­fall aus, dass ein eigen genutz­tes Haus einen Gebrauchs­wert auf­weist, der die dar­aus ent­ste­hen­de wirt­schaft­li­che Belas­tung auf­wiegt 15.

Ver­wal­tungs­ge­richt Göt­tin­gen, Urteil vom 18. Okto­ber 2011 – 2 A 309/​10

  1. Nds. GVBl S. 517[]
  2. zitiert aus der Denk­mal­to­po­gra­phie Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land S. 212[]
  3. so die st. Rspr. des OVG Lüne­burg seit dem Urt. v. 05.09.1985, OVGE 39, 323, 324f. = BRS 44 Nr. 124, zuletzt Urteil vom 03.05.2006 -1 LB 16/​05, BRS 70 Nr. 201[]
  4. vgl. die Geset­zes­be­grün­dung der Lan­des­re­gie­rung, LT/​Ds. 16/​3208, S. 14[]
  5. Denk­mal­schutz und Solar­an­la­gen“, Az.: ‑34 – 5770/1-[]
  6. vom 09.04.2004 – 5 K 1472/​03[]
  7. 1 S 1674/​04, Öff­BauR 2005, 140 = BWVBl. 2006, 20[]
  8. mit kri­ti­scher Beglei­tung von Fritzsch, BWVBl. 2004, 414[]
  9. vom 27. Juni 2005 – 1 S 1674/​04, Öff­BauR 2005, 140 = BWVBl. 2006, 20[]
  10. 1 S 1849/​88, ESVGH 39, 42 = BauR 1989, 70 = BRS 48 Nr. 118 = NVwZ-RR 1989, 230[]
  11. vgl. Beschl. v. 02.03.1999 – 1 BvL 7/​91, BVerfGE 100, 226 = BauR 1999, 1158 = DÖV 1999, 870[]
  12. BVerfG, Beschl. v. 02.03.1999 – 1 BvL 7/​91, BVerfGE 100, 226, 241= BRS 62 Nr. 214[]
  13. so wohl Fritzsch, Foto­vol­ta­ik­an­la­gen auf denk­mal­ge­schütz­ten Kir­chen, BWVBl. 2004, 414, 415[]
  14. 4 C 4.02, BVerw­GE 118, 33 = BRS 66 Nr. 10[]
  15. eben­falls auf die feh­len­de Nutz­bar­keit abstel­lend: Schmaltz/​Wiechert, Nds. Denk­mal­schutz­ge­setz, § 7 Rn. 11[]