Stu­di­en­platz­ver­ga­be in Baden-Würt­tem­berg

Baden-würt­tem­ber­gi­sche Rege­lung für die Ver­ga­be von Stu­di­en­plät­zen außer­halb der fest­ge­setz­ten Kapa­zi­tät ist nach einem ges­tern ver­kün­de­ten Urteil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts mit Bun­des­recht ver­ein­bar ist.

Stu­di­en­platz­ver­ga­be in Baden-Würt­tem­berg

In bestimm­ten stark nach­ge­frag­ten Stu­di­en­gän­gen – ins­be­son­de­re in den medi­zi­ni­schen Fächern – wer­den Stu­di­en­plät­ze grund­sätz­lich inner­halb zuvor fest­ge­setz­ter Zulas­sungs­zah­len in einem zen­tra­len Ver­ga­be­ver­fah­ren zum Teil durch die Stif­tung für Hoch­schul­zu­las­sung (frü­her: Zen­tral­stel­le für die Ver­ga­be von Stu­di­en­plät­zen – ZVS), zum Teil durch die Hoch­schu­len nach einem eige­nen Aus­wahl­ver­fah­ren und einer dort auf­ge­stell­ten Rang­lis­te zuge­teilt. Die Hoch­schu­len kön­nen dabei die Teil­nah­me an ihrem Aus­wahl­ver­fah­ren und damit die Auf­nah­me in die Rang­lis­te auf sol­che Stu­di­en­be­wer­ber beschrän­ken, die im zen­tra­len Ver­ga­be­ver­fah­ren die­se Uni­ver­si­tät mit vor­ran­gi­ger Prio­ri­tät gewählt haben. Hält die den Zulas­sungs­zah­len zu Grun­de lie­gen­de Kapa­zi­täts­be­rech­nung der ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Kon­trol­le im Rah­men von Rechts­schutz­ver­fah­ren, die abge­wie­se­ne Stu­di­en­be­wer­ber gegen ein­zel­ne Hoch­schu­len füh­ren, nicht Stand, wer­den die auf­ge­deck­ten Rest­ka­pa­zi­tä­ten außer­halb des gere­gel­ten Ver­ga­be­ver­fah­rens – in der Pra­xis viel­fach durch Los­ent­scheid – auf die erfolg­rei­chen Rechts­schutz­su­chen­den ver­teilt. Das baden-würt­tem­ber­gi­sche Wis­sen­schafts­mi­nis­te­ri­um hat dem­ge­gen­über im Juli 2009 durch Rechts­ver­ord­nung gere­gelt, dass eine Zulas­sung durch die Uni­ver­si­tä­ten des Lan­des außer­halb der fest­ge­setz­ten Zulas­sungs­zah­len einen Antrag im zen­tra­len Ver­ga­be­ver­fah­ren in dem betref­fen­den Stu­di­en­gang und für den betref­fen­den Stu­di­en­ort vor­aus­setzt und dass sich die Ver­ga­be nach­träg­lich auf­ge­deck­ter Stu­di­en­plät­ze an den Ver­ga­be­kri­te­ri­en im zen­tra­len Ver­ga­be­ver­fah­ren zu ori­en­tie­ren hat, wenn die jewei­li­ge Hoch­schu­le für die Bewer­ber um die­se Zulas­sun­gen ent­spre­chen­de Rang­lis­ten erstellt.

Der Antrag­stel­ler in dem jetzt vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Ver­fah­ren hat sich erfolg­los um einen Medi­zin­stu­di­en­platz im zen­tra­len Ver­ga­be­ver­fah­ren bewor­ben. Er sieht sei­ne Aus­sich­ten, eine baden-würt­tem­ber­gi­sche Hoch­schu­le auf eine Zulas­sung außer­halb der fest­ge­setz­ten Kapa­zi­tät in Anspruch neh­men zu kön­nen, durch die genann­te lan­des­recht­li­che Rege­lung gemin­dert, weil er nicht mehr – wie bis­her üblich – alle Uni­ver­si­tä­ten, die den betref­fen­den Stu­di­en­gang anbie­ten, auf der Suche nach Rest­ka­pa­zi­tä­ten in Anspruch neh­men kann, son­dern nur noch die Uni­ver­si­tä­ten, die er im zen­tra­len Ver­ga­be­ver­fah­ren mit vor­ran­gi­ger Prio­ri­tät benannt hat. Sein Nor­men­kon­troll­an­trag ist vor dem Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg in Mann­heim im Wesent­li­chen ohne Erfolg geblie­ben1.

Mit Beschlüs­sen vom 20. Mai 20102 hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt die Revi­si­on des Antrag­stel­lers gegen die Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs Baden-Würt­tem­berg wegen der grund­sätz­li­chen Bedeu­tung der Rechts­sa­che zuge­las­sen und dem wei­te­ren Antrag, die Rege­lung im Wege der einst­wei­li­gen Anord­nung für das Win­ter­se­mes­ter 2010/​2011 außer Voll­zug zu set­zen, auf Grund einer Inter­es­sen­ab­wä­gung – vor allem unter dem Gesichts­punkt der Ver­mei­dung eines gege­be­nen­falls mehr­ma­li­gen Wech­sels des Zulas­sungs­sys­tems – statt­ge­ge­ben.

Im anschlie­ßen­den Revi­si­ons­ver­fah­ren blieb die Revi­si­on nun jedoch gleich­wohl ohne Erfolg, das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die ein­ge­leg­te Revi­si­on zurück­ge­wie­sen. Der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg hat in sei­ner das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt bin­den­den Aus­le­gung des Lan­des­rechts fest­ge­stellt, dass das baden-würt­tem­ber­gi­sche Wis­sen­schafts­mi­nis­te­ri­um durch den Staats­ver­trag über die Ver­ga­be von Stu­di­en­plät­zen zum Erlass der ange­foch­te­nen Bestim­mun­gen ermäch­tigt war. Wei­ter sei­en mit der gefor­der­ten Bewer­bung für den betref­fen­den Stu­di­en­ort im zen­tra­len Ver­ga­be­ver­fah­ren die­je­ni­ge für das Aus­wahl­ver­fah­ren der Hoch­schu­len und mit den genann­ten Rang­lis­ten die stets zu erstel­len­den Lis­ten eben die­ses Ver­fah­rens gemeint.

Die der­art aus­ge­leg­ten Bestim­mun­gen stel­len mate­ri­el­les (Lan­des-) Ver­wal­tungs­recht dar. Wenn in einem gegen eine baden-würt­tem­ber­gi­sche Hoch­schu­le geführ­ten ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Kapa­zi­täts­pro­zess nicht aus­ge­wie­se­ne Stu­di­en­plät­ze auf­ge­deckt wor­den sind, muss die Hoch­schu­le die­se Plät­ze nach den Rang­lis­ten des Aus­wahl­ver­fah­rens der Hoch­schu­len ver­tei­len. Inner­halb der Rang­lis­te sind dabei vor­ran­gig die­je­ni­gen Stu­di­en­be­wer­ber zu berück­sich­ti­gen, die das ver­wal­tungs­ge­richt­li­che Ver­fah­ren betrie­ben haben. Ver­blei­ben danach noch wei­te­re Rest­ka­pa­zi­tä­ten, sind sie von der Hoch­schu­le an die ande­ren auf der Rang­lis­te auf­ge­führ­ten Stu­di­en­be­wer­ber nach deren Rang zu ver­ge­ben.

Bei die­ser Aus­le­gung ver­sto­ßen die Vor­schrif­ten nicht gegen die in Art. 12 Abs. 1 Satz 1 GG ent­hal­te­nen Gewähr­leis­tun­gen der Berufs­frei­heit und der frei­en Wahl der Aus­bil­dungs­stät­te. Sie gewähr­leis­ten im Inter­es­se des ver­fas­sungs­recht­li­chen Grund­sat­zes der Chan­cen­gleich­heit, dass Stu­di­en­plät­ze inner­halb und außer­halb der fest­ge­setz­ten Kapa­zi­tät nach mög­lichst glei­chen Kri­te­ri­en ver­ge­ben wer­den, ohne die Füh­rung von Kapa­zi­täts­pro­zes­sen so zu erschwe­ren, dass eine gericht­li­che Kapa­zi­täts­über­prü­fung und eine damit ver­bun­de­ne voll­stän­di­ge Aus­schöp­fung der vor­han­de­nen Aus­bil­dungs­ka­pa­zi­tä­ten zu unter­blei­ben droht.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 23. März 2011 – 6 CN 3.10

  1. VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 29. Okto­ber 2009 – 9 S 1858/​09 []
  2. BVerwG, Beschlüs­se vom 20.05.2010 – 6 BN 3.09 und 6 VR 1.10 []