Die Her­aus­nah­me des Pla­nungs­ge­bie­tes für Wind­ener­gean­la­gen aus dem Land­schafts­schutz­ge­biet

Ist die Rechts­un­wirk­sam­keit einer Ände­rung des Flä­chen­nut­zungs­pla­nes einer Stadt ledig­lich in Bezug auf den damit beab­sich­tig­ten Aus­schluss der Errich­tung von Wind­ener­gie­an­la­gen an bestimm­ten Orten inner­halb des Stadt­ge­bie­tes fest­ge­stellt wor­den, hat das kei­ne Aus­wir­kun­gen auf den Bebau­ungs­plan für einen ande­ren Stand­ort im Stadt­ge­biet und damit auch nicht auf die immis­si­ons­schutz­recht­li­che Anla­gen­ge­neh­mi­gung. Die Her­aus­nah­me eines Pla­nungs­ge­bie­tes aus einem Land­schafts­schutz­ge­biet ist recht­lich zuläs­sig.

Die Her­aus­nah­me des Pla­nungs­ge­bie­tes für Wind­ener­gean­la­gen aus dem Land­schafts­schutz­ge­biet

So hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Olden­burg in dem hier vor­lie­gen­den Fall einen Antrag auf Gewäh­rung vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes abge­lehnt, mit dem sich der BUND gegen die Geneh­mi­gung von vier Wind­ener­gie­an­la­gen im Bereich der Born­hors­ter Wie­sen durch die Stadt Olden­burg wand­te. Die Stadt Olden­burg hat­te einen Teil ihres Land­schafts­schutz­ge­bie­tes in den Born­hors­ter Wie­sen unmit­tel­bar an der Kreis­gren­ze zum Land­kreis Ammer­land auf­ge­ho­ben und dort mit der 53. Ände­rung ihres Flä­chen­nut­zungs­pla­nes und einem vor­ha­ben­be­zo­ge­nen Bebau­ungs­plan die Vor­aus­set­zun­gen für die Geneh­mi­gung von vier Wind­ener­gie­an­la­gen geschaf­fen. Auf der Grund­la­ge die­ser Pla­nung geneh­mig­te sie am 2. Sep­tem­ber 2013 die Errich­tung und den Betrieb von ins­ge­samt vier Wind­ener­gie­an­la­gen und ord­ne­te die sofor­ti­ge Voll­zieh­bar­keit der Geneh­mi­gung an. Mit der Errich­tung wur­de bereits begon­nen.

Der BUND erhob Wider­spruch gegen die Geneh­mi­gung für die Wind­ener­gie­an­la­gen und such­te beim erken­nen­den Gericht um vor­läu­fi­gen Rechts­schutz nach. Er macht u.a. gel­tend, dass das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt im Janu­ar 2014 1 den Flä­chen­nut­zungs­plan der Stadt Olden­burg in der Fas­sung der 53. Ände­rung für unwirk­sam erklärt habe, wes­halb auch der Bebau­ungs­plan Nr. 34 und die Her­aus­nah­me des Pla­nungs­ge­biets aus dem Land­schafts­schutz­ge­biet nich­tig sei­en. Die Stadt Olden­burg habe die wert­vol­le Land­schaft und das Land­schafts­bild im und um das Plan­ge­biet, die beson­ders schutz- und erhal­tungs­wür­dig sei, nicht hin­rei­chend berück­sich­tigt. Außer­dem ver­sto­ße die Geneh­mi­gung gegen den natur­schutz­recht­li­chen Habi­tat- und Arten­schutz, weil die Flug­rou­ten der nor­di­schen Gän­se zwi­schen ihren Schlaf­plät­zen am Gro­ßen und Klei­nen Born­hors­ter See und den Nah­rungs­ge­bie­ten, z.B. im Beester­moor und Ipwe­ger Moor, sowie das Vogel­schutz­ge­biet V 11 Hun­te­nie­de­rung beein­träch­tigt wür­den.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Olden­burg sei bei der in dem Eil­ver­fah­ren nur mög­li­chen sum­ma­ri­schen Prü­fung der Sach- und Rechts­la­ge eine dro­hen­de Ver­let­zung der vom BUND gel­tend gemach­ten Rechts­po­si­tio­nen nicht zu erken­nen. Das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt habe die Rechts­un­wirk­sam­keit der 53. Ände­rung des Flä­chen­nut­zungs­pla­nes der Stadt ledig­lich in Bezug auf den damit beab­sich­tig­ten Aus­schluss der Errich­tung von Wind­ener­gie­an­la­gen an ande­ren Orten inner­halb des Stadt­ge­bie­tes fest­ge­stellt. Dies habe kei­ne Aus­wir­kun­gen auf den Bebau­ungs­plan für den Stand­ort an den Born­hors­ter Wie­sen und damit auch nicht auf die ange­foch­te­ne immis­si­ons­schutz­recht­li­che Anla­gen­ge­neh­mi­gung. Die Her­aus­nah­me des Pla­nungs­ge­bie­tes aus dem Land­schafts­schutz­ge­biet sei recht­lich zuläs­sig.

Die FFH-Vor­prü­fung und die Pro­gno­se der nach­tei­li­gen Aus­wir­kun­gen auf die Vogel­welt, ins­be­son­de­re die nor­di­schen Gän­se, sei­en auf einer belast­ba­ren fach­li­chen Grund­la­ge erfolgt. Das zugrun­de lie­gen­de fau­nis­ti­sche Gut­ach­ten sei fun­diert begrün­det und umfang­reich fach­be­hörd­lich über­prüft wor­den. Nach­voll­zieh­bar sei fest­ge­stellt wor­den, dass die von den Klä­gern befürch­te­ten nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen vor allem auf die Gän­se nicht auf­trä­ten, weil man den Stand­ort abseits der Haupt­flug­rou­ten gewählt habe und über­dies Gän­se nach den neu­es­ten Unter­su­chun­gen ein aus­ge­präg­tes Mei­dungs­ver­hal­ten in Bezug auf Wind­ener­gie­an­la­gen zeig­ten. Sie sei­en ins­be­son­de­re in der Lage, Wind­ener­gie­an­la­gen als Hin­der­nis­se zu erken­nen und ihre Flug­be­we­gun­gen ent­spre­chend anzu­pas­sen. Zudem sei­en Kol­li­sio­nen von Gän­sen mit Wind­ener­gie­an­la­gen äußerst sel­ten. Eine Beein­träch­ti­gung der loka­len Gänse­po­pu­la­ti­on sei auch unter Ein­be­zie­hung des Vogel­schutz­ge­bie­tes V 11 Hun­te­nie­de­rung nicht anzu­neh­men. Auch die Popu­la­tio­nen ande­rer Vogel­ar­ten, wie des Weiß­storchs und des Kie­bit­zes wür­den durch die Wind­ener­gie­an­la­gen nicht erheb­lich beein­träch­tigt.

Aus die­sen grün­den hat das Ver­wal­tungs­ge­richt den Antrag auf Gewäh­rung vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes abge­lehnt.

Ver­wal­tungs­ge­richt Olden­burg, Beschluss vom 26. Mai 2014 – 5 B 603/​14

  1. Nie­ders. OVG, Beschluss vom 23.01.2014 – 12 KN 285/​12[]