Luft­rein­hal­tung – Kla­ge­recht für Umwelt­ver­bän­de

Aner­kann­te Umwelt­ver­bän­de kön­nen die Ein­hal­tung der Vor­schrif­ten über Luft­rein­hal­te­plä­ne gericht­lich gel­tend machen.

Luft­rein­hal­tung – Kla­ge­recht für Umwelt­ver­bän­de

Damit wei­te­te das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt jetzt die Kla­ge­be­fug­nis für Umwelt­ver­bän­de auch auf den Bereich der Luft­rein­hal­tung aus. Anlass hier­für bot ein Streit über den Luft­rein­hal­te­plan für Darm­stadt:

Der Luft­rein­hal­te­plan für die Stadt Darm­stadt sieht für die Ver­min­de­rung der Schad­stoff­kon­zen­tra­ti­on von Fein­staub und Stick­oxi­den ver­schie­de­ne ins­be­son­de­re ver­kehrs­be­zo­ge­ne Maß­nah­men wie z.B. Durch­fahrt- und Nacht­fahrt­ver­bo­te für Lkw vor. Die gel­ten­den Grenz­wer­te für Stick­oxi­de wer­den an den drei am stärks­ten belas­te­ten Stra­ßen­zü­gen gleich­wohl auf abseh­ba­re Zeit nicht ein­ge­hal­ten. Auf die Kla­ge eines Umwelt­ver­ban­des hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Wies­ba­den das beklag­te Land Hes­sen ver­pflich­tet, den Luft­rein­hal­te­plan so zu ändern, dass die­ser die erfor­der­li­chen Maß­nah­men zur schnellst­mög­li­chen Ein­hal­tung des Immis­si­ons­grenz­werts für NO2 vor­sieht1; zu den in Betracht kom­men­den Maß­nah­men zählt etwa auch die Ein­füh­rung einer Umwelt­zo­ne.

Mit sei­ner hier­ge­gen gerich­te­ten Sprung­re­vi­si­on macht das Land Hes­sen gel­tend, dass der kla­gen­de Umwelt­ver­band auch bei Beach­tung des euro­päi­schen Uni­ons­rechts nicht kla­ge­be­fugt und die Kla­ge dem­nach bereits unzu­läs­sig sei.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die Sprung­re­vi­si­on des Lan­des Hes­sen zurück­ge­wie­sen und die Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts im Ergeb­nis bestä­tigt. Nach der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on zur Aar­hus-Kon­ven­ti­on for­dert das Uni­ons­recht einen Zugang von Umwelt­ver­bän­den zu den Gerich­ten zur effek­ti­ven Durch­set­zung des euro­päi­schen Umwelt­rechts. Bei Beach­tung die­ser Leit­li­nie kann das deut­sche Recht so aus­ge­legt wer­den, dass den nach dem Umwelt-Rechts­be­helfs­ge­setz aner­kann­ten Umwelt­ver­bän­den ein Recht auf Beach­tung der Vor­ga­ben des zur Umset­zung einer uni­ons­recht­li­chen Richt­li­nie erlas­se­nen Luft­rein­hal­te­rechts ein­ge­räumt ist, das sie gericht­lich gel­tend machen kön­nen. Auf der Grund­la­ge der tat­säch­li­chen Annah­men des Ver­wal­tungs­ge­richts, die das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt zugrun­de zu legen hat­te, war auch die Sach­ent­schei­dung nicht zu bean­stan­den.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 5. Sep­tem­ber 2013 – 7 C 21.12

  1. VG Wies­ba­den, Ureil vom 16.08.2012 – 4 K 165/​12.WI(1) []