Modell­flug­zeu­ge im Natur­schutz­ge­biet

Kann der Flug­be­trieb von Modell­flug­zeu­gen zu einer nach­hal­ti­gen Stö­rung im Natur­schutz­ge­biet füh­ren, ist die Ein­schrän­kung des Modell­flug­be­trie­bes recht­mä­ßig.

Modell­flug­zeu­ge im Natur­schutz­ge­biet

So hat das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in dem hier vor­lie­gen­den Nor­men­kon­troll­ver­fah­ren ent­schie­den und den Antrag auf unein­ge­schränk­ten Flug­be­trieb abge­lehnt. Am 16.06.2016 beschloss der Land­kreis Vech­ta die Ver­ord­nung über das Natur­schutz­ge­biet "Gol­den­s­ted­ter Moor" in der Gemein­de Gol­den­s­tedt. Eine Bestim­mung die­ser Ver­ord­nung unter­sagt den Betrieb von Modell­flug­zeu­gen in dem Natur­schutz­ge­biet in der Zeit vom 1. April bis zum 15. Juli eines jeden Jah­res und in dem Zeit­raum vom 1. Okto­ber bis zum 31. März in der Zeit zwei Stun­den vor Son­nen­un­ter­gang bis zwei Stun­den nach Son­nen­auf­gang. Die­ses Ver­bot bean­stan­de­te der Antrag­stel­ler, ein Modell­flug­ver­ein, soweit es den Zeit­raum vom 1. Juni bis zum 15. Juli und den Zeit­raum vom 1. Okto­ber bis zum 31. März betrifft. Zur Begrün­dung führ­te er aus, dass eine Stö­rung der Brut- und Rast­vö­gel in die­sem Zeit­raum durch den Modell­flug­be­trieb nicht zu erwar­ten sei.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt aus­ge­führt, dass der Flug­be­trieb von Modell­flug­zeu­gen in bei­den Zeit­räu­men zu einer nach­hal­ti­gen Stö­rung im Natur­schutz­ge­biet füh­ren kön­ne. Das Natur­schutz­ge­biet sei Lebens­raum und Brut­stät­te einer Viel­zahl stö­rungs­emp­find­li­cher und teil­wei­se gefähr­de­ter Vogel­ar­ten. Dass der Modell­flug­be­trieb gera­de in der Brut­zeit, die auch den Zeit­raum vom 1. Juni bis zu 15. Juli umfas­se, eine nach­hal­ti­ge Stö­rung der in der Nähe brü­ten­den Vögel zur Fol­ge haben kön­ne, ste­he außer Fra­ge. Da das Natur­schutz­ge­biet und der angren­zen­de Bereich auch ein bedeut­sa­mer Rast­platz für Zug­vö­gel sei, sei auch eine Stö­rung der Zug­vö­gel, ins­be­son­de­re Kra­ni­che, Gän­se und Schwä­ne, im Win­ter­halb­jahr zwei Stun­den vor Son­nen­un­ter­gang bis zwei Stun­den nach Son­nen­auf­gang mög­lich. Die­se Stö­rung sei auch nach­hal­tig, da die Zug­vö­gel in die­ser Zeit ihre Rast- und Schlaf­plät­ze auf­such­ten und daher beson­ders stö­rungs­emp­find­lich sei­en.

Dass der Antrag­stel­ler eine ver­kehrs­recht­li­che Erlaub­nis zum Betrieb von Flug­mo­del­len besit­ze, ste­he dem teil­wei­sen Ver­bot des Modell­flug­be­triebs durch die Natur­schutz­ge­biets­ver­ord­nung nicht ent­ge­gen.

Im Übri­gen müs­se der Antrag­stel­ler jeder­zeit mit einem Wider­ruf die­ser Erlaub­nis rech­nen.

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 4. März 2020 – 4 KN 226/​17