Rest­strom­men­gen für Kern­kraft­wer­ke

Das Ende der deut­schen Kern­kraft­wer­ke rückt näher. Nach zwei aktu­el­len Urtei­len des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt haben die Betrei­be­rin­nen der Kern­kraft­wer­ke Bib­lis A und Bruns­büt­tel kei­nen Anspruch auf Über­tra­gung von Rest­strom­men­gen aus dem Kon­tin­gent des still­ge­leg­ten Kern­kraft­werks Mül­heim-Kär­lich.

Rest­strom­men­gen für Kern­kraft­wer­ke

Die Über­tra­gung der Rest­strom­men­ge des still­ge­leg­ten Kern­kraft­werks Mül­heim-Kär­lich ist in § 7 Abs. 1d des Atom­ge­set­zes sowie einer amt­li­chen Anmer­kung in Anla­ge 3 des Atom­ge­set­zes gere­gelt. In der amt­li­chen Anmer­kung sind sie­ben Kern­kraft­wer­ke auf­ge­führt, auf die die Rest­strom­men­ge des Kern­kraft­werks Mül­heim-Kär­lich über­tra­gen wer­den kann. Die Kern­kraft­wer­ke Bib­lis A und Bruns­büt­tel wer­den in der amt­li­chen Anmer­kung nicht genannt.

Zwi­schen den Betei­lig­ten ist strei­tig, ob die Rege­lung in Absatz 1d nebst amt­li­cher Anmer­kung so zu ver­ste­hen ist, dass die Rest­strom­men­ge des Kern­kraft­werks Mül­heim-Kär­lich aus­schließ­lich auf die in der amt­li­chen Anmer­kung genann­ten Kern­kraft­wer­ke über­tra­gen wer­den kann, oder aber dar­über hin­aus mit Zustim­mung des Bun­des­um­welt­mi­nis­te­ri­ums (im Ein­ver­neh­men mit dem Bun­des­kanz­ler­amt und dem Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um) auch auf ande­re, vor­zugs­wei­se älte­re Kern­kraft­wer­ke über­tra­gen wer­den kann.

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Schles­wig und der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Kas­sel haben die Kla­gen der Kraft­werk­be­trei­be­rin­nen, mit denen die Beklag­te ver­pflich­tet wer­den soll­te, einer Über­tra­gung auf die Kern­kraft­wer­ke Bib­lis A und Bruns­büt­tel zuzu­stim­men, abge­wie­sen.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die dage­gen gerich­te­ten Revi­sio­nen zurück­ge­wie­sen. Die sprach­lich ver­un­glück­te Son­der­re­ge­lung für das Kern­kraft­werk Mül­heim-Kär­lich in § 7 Abs. 1d des Atom­ge­set­zes ist nach ihrer Ent­ste­hungs­ge­schich­te, nach Sinn und Zweck und der Geset­zes­sys­te­ma­tik dahin­ge­hend aus­zu­le­gen, dass die Rest­strom­men­ge des Kern­kraft­werks Mül­heim-Kär­lich nur auf die in der amt­li­chen Anmer­kung in Anla­ge 3 des Atom­ge­set­zes aus­drück­lich genann­ten Kern­kraft­wer­ke, zu denen Bib­lis A und Bruns­büt­tel nicht gehö­ren, über­tra­gen wer­den kann. Eine wei­ter­ge­hen­de Aus­le­gung im Sin­ne der Klä­ge­rin­nen ist auch aus ver­fas­sungs­recht­li­chen Grün­den nicht gebo­ten.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 26. März 2009 – 7 C 8.08 und 7 C 12.08