Wie­sen­wei­he

Der Schutz der Wie­sen­wei­he recht­fer­tigt die zeit­wei­se Betriebs­ein­schrän­kung einer Wind­kraft­an­la­ge.

Wie­sen­wei­he

WiesenweiheMit die­ser Begrün­dung hat jetzt das Ver­wal­tungs­ge­richt Olden­burg einen Antrag auf Gewäh­rung vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes abge­lehnt, mit dem der Betrei­ber sich gegen Beschrän­kun­gen des Betriebs einer Wind­kraft­an­la­ge durch eine Ver­fü­gung des Land­krei­ses Aurich wand­te.

Der Land­kreis Aurich hat dem Betrei­ber in der Zeit vom 21. Mai bis 1. August 2011 zum Schutz eines etwa 50 m ent­fernt nis­ten­den Brut­paa­res der streng geschütz­ten Vogel­art Wie­sen­wei­he den Tag­be­trieb (4 – 22 Uhr) der Wind­kraft­an­la­ge unter­sagt. Der Betrei­ber ver­wies zur Begrün­dung sei­nes Antrags auf Ertrags­ein­bu­ßen pro Tag in Höhe von min­des­tens 1.000 € nebst künf­ti­gen abseh­ba­ren Ertrags­aus­fäl­len. Die zeit­wei­se Betriebs­ein­schrän­kung sei for­mal wie inhalt­lich unhalt­bar. Jeden­falls sei sie unver­hält­nis­mä­ßig bzw. ermes­sens­feh­ler­haft, weil Bestands­schutz, wirt­schaft­li­che Inter­es­sen und die beson­de­re Bedeu­tung von Anla­gen zur Erzeu­gung rege­ne­ra­ti­ver Ener­gie miss­ach­tet wür­den.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Olden­burg folg­te dem nicht. Bei der im hier vor­lie­gen­den Eil­ver­fah­ren nur mög­li­chen sum­ma­ri­schen Prü­fung der Sach- und Rechts­la­ge kam es viel­mehr zu dem Ergeb­nis, dass sich die vom Land­kreis Aurich ver­füg­te zeit­wei­se Betriebs­ein­schrän­kung vor­aus­sicht­lich als recht­mä­ßig erweist. Das hohe Gewicht des Arten­schut­zes recht­fer­ti­ge die Beschrän­kun­gen in die­sem beson­de­ren Ein­zel­fall. Ein Wei­ter­be­trieb der Wind­kraft­an­la­ge gefähr­de die ledig­lich aus etwa zwei Brut­paa­ren bestehen­de loka­le Popu­la­ti­on der streng geschütz­ten Vogel­art Wie­sen­wei­he stark und irrever­si­bel. In Nie­der­sach­sen betra­ge der aktu­el­le Brut­be­stand etwa 100 Brut­paa­re. Das Gericht ver­weist dar­auf, dass in der roten Lis­te Deutsch­land und Nie­der­sach­sen der Gefähr­dungs­grad mit „2 – stark gefähr­det" ein­ge­stuft wird. Fach­lich sei hin­rei­chend nach­ge­wie­sen, dass die Raub­vö­gel ins­be­son­de­re in unmit­tel­ba­rer Nähe zur Brut­stät­te wegen ihres cha­rak­te­ris­ti­schen Flug­ver­hal­tens einem erhöh­ten Kol­li­si­ons­ri­si­ko aus­ge­setzt sei­en und als wich­ti­ge Repro­duk­ti­ons­ein­heit aus­fal­len könn­ten.

Wäre der Schutz des Men­schen immer so ernst genom­men wor­den wie hier der Vogel­schutz – hät­te es nie Kern­kraft­wer­ke in Deutsch­land gege­ben.

Ver­wal­tungs­ge­richt Olden­burg, Beschluss vom 10. Juni 2011 – 5 B 1246/​11