Ver­wal­tungs­ge­richts­ver­fah­ren – und der Grund­satz der frei­en Beweis­wür­di­gung

Die Grund­sät­ze der Sach­ver­halts- und Beweis­wür­di­gung sind in aller Regel revi­si­ons­recht­lich dem sach­li­chen Recht zuzu­ord­nen 1.

Ver­wal­tungs­ge­richts­ver­fah­ren – und der Grund­satz der frei­en Beweis­wür­di­gung

Der Grund­satz der frei­en Beweis­wür­di­gung ("Über­zeu­gungs­grund­satz") im Sin­ne von § 108 Abs. 1 Satz 1 VwGO betrifft die Fest­stel­lung aller für die Ent­schei­dung des Gerichts erheb­li­chen Tat­sa­chen und deren "freie Wür­di­gung".

Umfasst sind ins­be­son­de­re die aus­rei­chen­de Erfor­schung und Wür­di­gung der tat­säch­li­chen Ent­schei­dungs­grund­la­gen wie etwa des Akten­in­halts, des Vor­trags der Betei­lig­ten, ein­ge­hol­ter Aus­künf­te oder gerichts­kun­di­ger Tat­sa­chen 2.

Die Ein­hal­tung der aus § 108 Abs. 1 Satz 1 VwGO fol­gen­den ver­fah­rens­mä­ßi­gen Ver­pflich­tung ist nicht schon dann in Fra­ge gestellt, wenn ein Betei­lig­ter eine aus sei­ner Sicht feh­ler­haf­te Ver­wer­tung des vor­lie­gen­den Tat­sa­chen­ma­te­ri­als rügt, aus dem er ande­re Schlüs­se zie­hen will als das ange­foch­te­ne Urteil. Denn damit wird ein – angeb­li­cher – Feh­ler in der Sach­ver­halts- und Beweis­wür­di­gung ange­spro­chen, der einen Ver­fah­rens­man­gel im Sin­ne von § 132 Abs. 2 Nr. 3 VwGO grund­sätz­lich nicht begrün­den kann 3.

Ein einen Ver­fah­rens­feh­ler begrün­den­der Ver­stoß gegen § 108 Abs. 1 Satz 1 VwGO kann zwar aus­nahms­wei­se ins­be­son­de­re dann gege­ben sein, wenn die tatrich­ter­li­che Beweis­wür­di­gung auf einem Rechts­irr­tum beruht, objek­tiv will­kür­lich ist oder all­ge­mei­ne Sach­ver­halts- und Beweis­wür­di­gungs­grund­sät­ze, ins­be­son­de­re gesetz­li­che Beweis­re­geln, Natur- oder Denk­ge­set­ze oder all­ge­mei­ne Erfah­rungs­sät­ze miss­ach­tet 4.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 25. April 2018 – 1 B 11.18

  1. stRspr, vgl. BVerwG, Urteil vom 19.01.1990 – 4 C 28.89, BVerw­GE 84, 271, 272[]
  2. BVerwG, Beschluss vom 30.06.2003 – 4 B 35.03, Buch­holz 310 § 108 Abs. 1 VwGO Nr. 26 S. 21[]
  3. stRspr, vgl. BVerwG, Beschluss vom 10.10.2001 – 9 BN 2.01, Buch­holz 401.65 Hun­de­steu­er Nr. 7 S. 11 f.[]
  4. BVerwG, Beschluss vom 10.02.2015 – 5 B 60.14 9 m.w.N.[]