Vor­rang­ge­bie­te für Wind­ener­gie und sei­ne Fes­tetzung

Ein Regio­nal­plan ist hin­sicht­lich der Fest­set­zung der Vor­rang­ge­bie­te für Wind­ener­gie und der damit ver­bun­de­nen Aus­schluss­wir­kung von Wind­ener­gie­an­la­gen an ande­rer Stel­le abwä­gungs­feh­ler­haft, wenn die Regio­na­le Pla­nungs­ge­mein­schaft zwi­schen den har­ten und wei­chen Tabu­zo­nen nicht hin­rei­chend deut­lich unter­schie­den hat.

Vor­rang­ge­bie­te für Wind­ener­gie und sei­ne Fes­tetzung

Mit die­ser Begrün­dung hat das Thü­rin­ger Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in dem hier vor­lie­gen­den Fall ent­schie­den, dass der Regio­nal­plan Ost­thü­rin­gen unwirk­sam ist, soweit er Vor­rang­ge­bie­te für Wind­ener­gie fest­legt und gleich­zei­tig vor­sieht, dass außer­halb die­ser Vor­rang­ge­bie­te grö­ße­re (sog. raum­be­deut­sa­me) Wind­ener­gie­an­la­gen nicht zuläs­sig sind. Die Antrag­stel­le­rin­nen wol­len im räum­li­chen Gel­tungs­be­reich des Regio­nal­plans Ost­thü­rin­gen Wind­ener­gie­an­la­gen errich­ten und betrei­ben. Die für die Anla­gen vor­ge­se­he­nen Stand­or­te waren im ers­ten Ent­wurf des Regio­nal­plans als Vor­rang­ge­bie­te Wind­ener­gie W‑7 Kraft­s­dorf und W‑8 See­ling­städt aus­ge­wie­sen. Die Antrag­stel­le­rin­nen haben des­halb für die ent­spre­chen­den Grund­stü­cke bereits Nut­zungs­ver­trä­ge abge­schlos­sen und die Ertei­lung immis­si­ons­schutz­recht­li­cher Geneh­mi­gun­gen für die Errich­tung der geplan­ten Anla­gen bean­tragt. Bei­de Berei­che sind nicht als Vor­rang­ge­bie­te für die Wind­ener­gie­nut­zung in den Regio­nal­plan Ost­thü­rin­gen über­nom­men wor­den.

Nach Auf­fas­sung des Thü­rin­ger Ober­ver­wal­tungs­ge­richts set­ze eine feh­ler­freie Abwä­gung des hier ange­grif­fe­nen Regio­nal­plans hin­sicht­lich der Fest­set­zung der Vor­rang­ge­bie­te für Wind­ener­gie u.a. vor­aus, dass die pla­nen­de Stel­le bei der Aus­son­de­rung der Flä­chen, die für die Wind­ener­gie­nut­zung nicht in Betracht kämen (sog. Tabu­zo­nen), zwi­schen "har­ten" und "wei­chen" Tabu­zo­nen unter­schei­de. Wäh­rend es sich bei den har­ten Tabu­zo­nen um Flä­chen han­de­le, die für eine Wind­ener­gie­nut­zung aus recht­li­chen oder tat­säch­li­chen Grün­den nicht in Betracht kämen, sei­en wei­che Tabu­zo­nen sol­che Flä­chen, auf denen nach dem Wil­len der pla­nen­den Stel­le kei­ne Wind­ener­gie­an­la­gen errich­tet wer­den soll­ten. Die Ent­schei­dung für wei­che Tabu­zo­nen müs­se der Plan­ge­ber recht­fer­ti­gen und hier­bei deut­lich machen, dass er (anders als bei har­ten Tabu­zo­nen) einen Bewer­tungs­spiel­raum habe.

Daher sei der Regio­nal­plan hin­sicht­lich der Fest­set­zung der Vor­rang­ge­bie­te für Wind­ener­gie und der damit ver­bun­de­nen Aus­schluss­wir­kung von Wind­ener­gie­an­la­gen an ande­rer Stel­le abwä­gungs­feh­ler­haft. Die Regio­na­le Pla­nungs­ge­mein­schaft habe zwi­schen den har­ten und wei­chen Tabu­zo­nen nicht hin­rei­chend deut­lich unter­schie­den. Bei einer feh­ler­frei­en Abwä­gung wären mög­li­cher­wei­se wei­te­re Flä­chen für die Wind­ener­gie­nut­zung aus­ge­wie­sen wor­den.

Thü­rin­ger Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 8. April 2014 – 1 N 676/​12