Wei­ter­be­schäf­ti­gung eines Jugend­ver­tre­ters

Dem Lan­des­forst Meck­len­burg-Vor­pom­mernAnstalt des öffent­li­chen Rechts – ist die Wei­ter­be­schäf­ti­gung eines Jugend­ver­tre­ters auch dann unzu­mut­bar, wenn ein aus­bil­dungs­ad­äqua­ter Dau­er­ar­beits­platz, der von einem rechts­wirk­sa­men Ein­stel­lungs­stopp betrof­fen ist, mit einem Arbeit­neh­mer aus dem Per­so­nal­über­hang der unmit­tel­ba­ren Lan­des­ver­wal­tung besetzt wird.

Wei­ter­be­schäf­ti­gung eines Jugend­ver­tre­ters

Nach der hier vor­lie­gen­den Ent­schei­dung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts muss der öffent­li­che Arbeit­ge­ber einem Mit­ar­bei­ter nicht kün­di­gen, um dem Jugend­ver­tre­ter einen Arbeits­platz zu ver­schaf­fen. Er darf eine im Zeit­punkt des Aus­bil­dungs­en­des unbe­setz­te Stel­le für eine aus der Eltern­zeit zurück­keh­ren­de Mit­ar­bei­te­rin frei­hal­ten und vor Aus­bil­dungs­en­de einen Arbeits­platz mit einer aus der Eltern­zeit zurück­keh­ren­den Mit­ar­bei­te­rin beset­zen. Eben­so darf er eine im Zeit­punkt des Aus­bil­dungs­en­des unbe­setz­te Stel­le für einen Arbeit­neh­mer frei­hal­ten, der wegen ver­min­der­ter Erwerbs­fä­hig­keit eine Ren­te auf Zeit erhält. Durch der­ar­ti­ge Vor­gän­ge wird der Norm­zweck des § 9 BPers­VG nicht berührt. Die­ser geht dahin, den Jugend­ver­tre­ter vor nach­tei­li­gen Fol­gen sei­ner Amts­aus­übung zu schüt­zen. Der Jugend­ver­tre­ter kann dadurch dis­kri­mi­niert wer­den, dass statt sei­ner ande­re Absol­ven­ten der Berufs­aus­bil­dung wei­ter­be­schäf­tigt oder exter­ne Bewer­ber ein­ge­stellt wer­den. Hin­ge­gen liegt eine Benach­tei­li­gung typi­scher­wei­se nicht vor, wenn der öffent­li­che Arbeit­ge­ber ledig­lich gegen­über dem Stamm­per­so­nal sei­ner Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­pflicht nach­kommt1.

Eben­so ver­hält es sich, wenn sich der öffent­li­che Arbeit­ge­ber zu einem sozi­al ver­träg­li­chen Per­so­nal­ab­bau ent­schlos­sen hat. Die­ser geht dahin, frei wer­den­de Stel­len nach Mög­lich­keit mit Beschäf­tig­ten zu beset­zen, die sich im Per­so­nal­über­hang befin­den. Eine sol­che Ver­fah­rens­wei­se rich­tet sich nicht gegen den Jugend­ver­tre­ter, der an sei­ner Wei­ter­be­schäf­ti­gung inter­es­siert ist. Sie dient viel­mehr ihrer­seits dem sozi­al­staat­lich anzu­er­ken­nen­den Zweck, sol­che Mit­ar­bei­ter sinn­voll wei­ter­zu­be­schäf­ti­gen, die auf ihrem bis­he­ri­gen Arbeits­platz zur Erfül­lung öffent­li­cher Auf­ga­ben nicht mehr benö­tigt wer­den2.

Die vor­be­zeich­ne­ten Aus­sa­gen bezie­hen sich auf Vor­gän­ge inner­halb eines öffent­li­chen Arbeit­ge­bers. Ist die­ser z.B. das Land, so kann die­ses ohne Ver­stoß gegen § 9 BPers­VG einen frei­en Arbeits­platz in der Aus­bil­dungs­dienst­stel­le des Jugend­ver­tre­ters mit einem Arbeit­neh­mer beset­zen, der bei einer ande­ren Dienst­stel­le des Lan­des nicht mehr sinn­voll wei­ter­be­schäf­tigt wer­den kann. Die­ser Grund­satz bean­sprucht aber auch Gel­tung, wenn eine Stel­le bei einer Anstalt des öffent­li­chen Rechts wie der Antrag­stel­le­rin mit einem Arbeit­neh­mer aus dem Per­so­nal­über­hang der Lan­des­ver­wal­tung besetzt wird.

Nach § 2 Abs. 3 Satz 1 des Lan­des­or­ga­ni­sa­ti­ons­ge­set­zes, LOG M‑V vom 14. März 20053, zuletzt geän­dert durch Gesetz vom 28. Okto­ber 2010,4, gehö­ren die rechts­fä­hi­gen Anstal­ten des öffent­li­chen Rechts zu den Trä­gern der mit­tel­ba­ren Lan­des­ver­wal­tung, soweit sie ihnen über­tra­ge­ne öffent­li­che Auf­ga­ben wahr­neh­men. Anstal­ten des öffent­li­chen Rechts sind ver­selb­stän­dig­te, in der Regel nicht mit­glied­schaft­lich orga­ni­sier­te rechts­fä­hi­ge Ver­wal­tungs­ein­hei­ten, die zur dau­er­haf­ten Wahr­neh­mung von Auf­ga­ben im öffent­li­chen Inter­es­se errich­tet wer­den (§ 10 Abs. 2 LOG M‑V). Sie neh­men Auf­ga­ben der Lan­des­ver­wal­tung nach Maß­ga­be der hier­für gel­ten­den gesetz­li­chen Vor­schrif­ten wahr (§ 10 Abs. 4 Satz 3 LOG M‑V).

Sol­che Vor­schrif­ten fin­den sich im Gesetz zur Errich­tung der Lan­des­forst­an­stalt, LFA­ErG M‑V, vom 11. Juli 20055, zuletzt geän­dert durch Art. 3 des Geset­zes vom 20. Mai 20116. Die Lan­des­forst­an­stalt nimmt die Auf­ga­ben der Lan­des­forst­ver­wal­tung als Auf­ga­ben des eige­nen Wir­kungs­krei­ses wahr (§ 2 Abs. 1 und 2 LFA­ErG M‑V). § 2 Abs. 3 LFA­ErG M‑V bezeich­net den Kata­log von Auf­ga­ben des über­tra­ge­nen Wir­kungs­krei­ses. Die Lan­des­forst­an­stalt unter­steht der Rechts­auf­sicht der obers­ten Forst­be­hör­de, im Bereich der Auf­ga­ben des über­tra­ge­nen Wir­kungs­krei­ses auch der Fach­auf­sicht (§ 3 Abs. 1 LFA­ErG M‑V). Das Land ist Trä­ger der Lan­des­forst­an­stalt und haf­tet für deren Ver­bind­lich­kei­ten Drit­ten gegen­über (§ 4 LFA­ErG M‑V). Bei ihrer Tätig­keit hat die Lan­des­forst­an­stalt die Grund­sät­ze der Wirt­schaft­lich­keit und Spar­sam­keit im Sin­ne von § 7 der Lan­des­haus­halts­ord­nung Meck­len­burg-Vor­pom­mern zu beach­ten (§ 10 Abs. 1 Satz 2 LFA­ErG M‑V). Ihr Wirt­schafts­plan (Erfolgs- und Finanz­plan mit Stel­len­über­sicht) wird dem Haus­halts­plan des Lan­des als Anla­ge bei­gefügt (§ 10 Abs. 2 Satz 1 LFA­ErG M‑V). Die Lan­des­forst­an­stalt hat zwar die Dienst­herrn­fä­hig­keit und kann eige­ne Tarif­ver­trä­ge abschlie­ßen (§ 13 Abs. 1 und 2 LFA­ErG M‑V). Die Zah­lung der Löh­ne und Gehäl­ter erfolgt aber durch das Lan­des­be­sol­dungs­amt (§ 13 Abs. 4 LFA­ErG M‑V).

Aus alle­dem geht her­vor, dass die Lan­des­forst­an­stalt inte­gra­ler Bestand­teil der Lan­des­ver­wal­tung und als sol­cher mit der unmit­tel­ba­ren Lan­des­ver­wal­tung eng ver­zahnt ist. Dies gilt ins­be­son­de­re in per­so­nal­wirt­schaft­li­cher Hin­sicht. Es ist daher fol­ge­rich­tig, dass sie mit den Stel­len der unmit­tel­ba­ren Lan­des­ver­wal­tung einen Ver­bund bil­det, wonach Arbeit­neh­mer im Per­so­nal­über­hang wech­sel­sei­tig über­nom­men wer­den. Dadurch wer­den Jugend­ver­tre­ter eben­so wenig dis­kri­mi­niert wie durch ver­gleich­ba­re Vor­gän­ge inner­halb der unmit­tel­ba­ren Lan­des­ver­wal­tung. Die­se Vor­gän­ge sind nicht ver­gleich­bar mit Fall­ge­stal­tun­gen, in denen ein ande­rer Absol­vent der Aus­bil­dung in der Aus­bil­dungs­dienst­stel­le oder ein Bewer­ber außer­halb der Lan­des­ver­wal­tung dem Jugend­ver­tre­ter vor­ge­zo­gen wer­den. In den letzt­ge­nann­ten Fäl­len bedarf die Stel­len­be­set­zung einer beson­de­ren sach­li­chen Recht­fer­ti­gung, um vor § 9 BPers­VG Bestand zu haben. In den Fäl­len der Stel­len­be­set­zung mit Arbeit­neh­mern im Per­so­nal­über­hang ist der sozi­al­ver­träg­li­che Per­so­nal­ab­bau die sach­li­che Recht­fer­ti­gung, die sich gegen­über den schüt­zens­wer­ten Belan­gen des Jugend­ver­tre­ters durch­setzt. Dies gilt ins­be­son­de­re dann, wenn – wie im vor­lie­gen­den Fall – der frag­li­che Arbeits­platz wegen eines rechts­wirk­sa­men Ein­stel­lungs­stopps sonst nicht besetz­bar wäre. § 9 BPers­VG ver­langt nicht, dass das Land auf das Mit­tel der Ver­set­zung ver­zich­tet, wenn dadurch einem Arbeit­neh­mer im Per­so­nal­über­hang eine sinn­vol­le Wei­ter­be­schäf­ti­gung ver­schafft wird. Die mate­ri­el­le Berech­ti­gung die­ser Vor­ge­hens­wei­se ver­liert nicht ihr Gewicht, wenn dabei ein Trä­ger mit­tel­ba­rer Lan­des­ver­wal­tung wie die Lan­des­forst­an­stalt ein­be­zo­gen wird. Arbeit­neh­mer aus der unmit­tel­ba­ren Lan­des­ver­wal­tung kön­nen daher nicht mit exter­nen Bewer­bern gleich­ge­setzt wer­den, die Jugend­ver­tre­tern gegen­über grund­sätz­lich nach­ran­gig zu behan­deln sind.

Der Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts­be­schluss vom 19. Janu­ar 20097 ist hier nicht ein­schlä­gig. In die­sem Beschluss war die Fra­ge zu behan­deln, auf wel­che Dienst­stel­len im Rah­men der zu prü­fen­den Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­mög­lich­kei­ten abzu­stel­len ist. Dies ist bei einem Mit­glied der ört­li­chen Jugend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tung aus­schließ­lich die Aus­bil­dungs­dienst­stel­le, weil nur bei einer dor­ti­gen Wei­ter­be­schäf­ti­gung der für § 9 BPers­VG wesent­li­che Schutz­zweck der Ämter­kon­ti­nui­tät gewahrt bleibt. Dage­gen kommt es bei einem Mit­glied der Jugend- und Aus­zu­bil­den­den­stu­fen­ver­tre­tung auf alle Dienst­stel­len im Geschäfts­be­reich der über­ge­ord­ne­ten Dienst­stel­le an, weil der Jugend­ver­tre­ter bei einem Dienst­stel­len­wech­sel nach Aus­bil­dungs­en­de Gre­mi­en­mit­glied bleibt und sein erhöh­ter Ver­ant­wor­tungs­be­reich mit einem erhöh­ten Schutz­be­darf ein­her­geht8. Die­se The­ma­tik ist von der hier in Rede ste­hen­den, ganz anders gela­ger­ten Fra­ge der Beset­zung aus­bil­dungs­ad­äqua­ter Dau­er­ar­beits­plät­ze mit Arbeit­neh­mern der Lan­des­ver­wal­tung zu tren­nen, die sich im Per­so­nal­über­hang befin­den.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 6. Sep­tem­ber 2011 – 6 PB 10.11

  1. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 04.06.2009 – 6 PB 6.09, Buch­holz 250 § 9 BPers­VG Nr. 35 Rn. 11 und vom 09.12.2009 – 6 PB 35.09, Buch­holz 250 § 9 BPers­VG Nr. 40 Rn. 12 f. m.w.N. []
  2. vgl. BVerwG, Beschluss vom 04.06.2009 a.a.O. Rn. 12 []
  3. GVOBl M‑V S. 98 []
  4. GVOBl M‑V S. 615 []
  5. GVOBl M‑V S. 326 []
  6. GVOBl M‑V S. 311, 322 []
  7. BVerwG 6 P 1.08, BVerw­GE 133, 42 = Buch­holz 250 § 9 BPers­VG Nr. 33 []
  8. vgl. im Ein­zel­nen BVerwG, Beschluss vom 19.01.2009 a.a.O. Rn. 25 ff. []