Zustel­lun­gen an einen Betreu­ten

Wur­de ein Ver­wal­tungs­akt unmit­tel­bar einem Ver­fah­rens­hand­lungs­un­fä­hi­gen zuge­stellt, so kann allein durch die Kennt­nis­nah­me des Ver­wal­tungs­akts durch den Betreu­er kei­ne Hei­lung ein­tre­ten, weil die Behör­de bei der unwirk­sa­men Zustel­lung gegen­über dem Betreu­er regel­mä­ßig nicht den erfor­der­li­chen Bekannt­ga­be­wil­len hat­te.

Zustel­lun­gen an einen Betreu­ten

Wird im ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren durch­gän­gig die Ver­fah­rens­hand­lungs­un­fä­hig­keit gel­tend gemacht, so kann in der Durch­füh­rung des gericht­li­chen Ver­fah­rens kei­ne – kon­klu­den­te – Geneh­mi­gung gese­hen wer­den.

Ist auf­grund bestehen­der Hand­lungs­un­fä­hig­keit des Zustel­lungs­emp­fän­gers die per­sön­li­che Zustel­lung unwirk­sam, so kann die­ser Man­gel auch nicht nach § 9 LVwZG bzw. § 8 VwZG geheilt wer­den. So hat zwar in dem jetzt vom Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg ent­schie­de­nen Fall in der Fol­ge­zeit die Betreue­rin des Klä­gers die Beschei­de tat­säch­lich erhal­ten und von ihnen Kennt­nis genom­men. Die­ser Umstand ist jedoch in der hier zu beur­tei­len­den Ver­fah­rens­kon­stel­la­ti­on nicht hin­rei­chend. Zwar kann der recht­li­che Aus­gangs­punkt, wonach eine wegen Geschäfts­un­fä­hig­keit unwirk­sa­me Zustel­lung nach­träg­lich geheilt wird, wenn der Emp­fän­ger spä­ter nach wie­der her­ge­stell­ter Geschäfts­fä­hig­keit Besitz und Kennt­nis von dem Bescheid erlangt, nicht infra­ge gestellt wer­den [1].

Dar­um geht es hier jedoch nicht. Die Behör­de hat­te näm­lich zu kei­nem Zeit­punkt der Betreue­rin gegen­über den erfor­der­li­chen Bekannt­ga­be­wil­len. Die­ser muss nicht nur die Bekannt­ga­be an sich umfas­sen, son­dern ins­be­son­de­re auch auf eine näher kon­kre­ti­sier­te Per­son bezo­gen sein [2]. Im vor­lie­gen­den Fall konn­te zum Zeit­punkt der Zustel­lung ein auf die Betreue­rin bezo­ge­ner Bekannt­ga­be­wil­le schon des­halb nicht vor­lie­gen, weil sie damals noch gar nicht bestellt war.

Die Betreue­rin hat in der Fol­ge auch kei­ne Geneh­mi­gung erteilt, die grund­sätz­lich auch den unzu­rei­chen­den Bekannt­ga­be­wil­len hei­len kann [3]. Wäh­rend des Kla­ge­ver­fah­rens wur­de viel­mehr durch­gän­gig die Hand­lungs­un­fä­hig­keit des Klä­gers zum Zeit­punkt der Zustel­lung und damit deren Unwirk­sam­keit gel­tend gemacht. Dann jedoch muss eine – auch kon­klu­den­te – Geneh­mi­gung aus­schei­den, weil die­ses unver­ein­bar mit dem zen­tra­len Kla­ge­vor­brin­gen wäre.

Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 2. Novem­ber 2010 – 11 S 2079/​10

  1. vgl. etwa BVerwG, Beschluss vom 11.02.1994 – 2 B 173.93, NJW 1994, 2633[]
  2. vgl. VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 08.03.2005 – 1 S 254/​05, NuR 2006, 440; U.Stelkens, in: Stelkens/​Bonk/​Sachs, VwVfG, 7. Aufl., § 41 Rdn. 51 und 53; GK-AsylVfG § 12 Rdn. 34 f.[]
  3. vgl. VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 08.03.2005 – 1 S 254/​05, NuR 2006, 440; GK-AsylVfG § 12 Rdn. 36[]