Apo­the­ken­re­zep­te sam­meln im Super­markt

Die Sam­mel­box einer Apo­the­ke­rin für Rezep­te, die in einem Super­markt auf­ge­stellt wird, ist nicht den apo­the­ken­recht­li­chen Vor­schriften zuzu­ord­nen, nach denen zwi­schen der Abga­be von Arz­nei­mit­teln unmit­tel­bar an Kun­den in Prä­senzapotheken und dem Ver­sand von Arz­nei­mit­teln zu unter­schei­den ist. Der Gesetz­ge­ber hat kei­ne ande­re Abga­be­mög­lich­keit vor­ge­se­hen.

Apo­the­ken­re­zep­te sam­meln im Super­markt

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Unter­sa­gung der Sam­mel­ein­rich­tung für rech­tens ange­se­hen und gleich­zei­tig die Kla­ge­ab­wei­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Gel­sen­kir­chen bestä­tigt. Im Ein­gangs­be­reich eines Super­markt, der weni­ge Kilome­ter von ihrer Apo­the­ke ent­fernt liegt, hat die Apo­the­ke­rin aus Her­ne eine Sam­mel­box betrie­ben, in die Kun­den Rezep­te und Bestell­schei­ne für Arz­nei­mit­tel ein­wer­fen kön­nen. Nach dem Ein­sam­meln der Ver­schreibungen und Bestel­lun­gen durch die Mit­ar­bei­ter der Apo­the­ke­rin wer­den die Medi­ka­men­te inner­halb des Her­ner Stadt­ge­biets durch einen kos­ten­lo­sen Boten­dienst nach Hau­se gelie­fert, außer­halb des Stadt­ge­biets erhal­ten die Kun­den die Arz­nei­mit­tel durch einen Logis­tik­dienst­leis­ter gegen Ver­sand­kos­ten. Die Stadt Her­ne unter­sag­te der Apo­the­ke­rin das Betrei­ben der Sam­mel­ein­rich­tung. Nach­dem die hier­ge­gen gerich­te­te Kla­ge der Apo­the­ke­rin vom Ver­wal­tungs­ge­richt Gel­sen­kir­chen 1 abge­wie­sen wor­den ist, hat sie ihr Ziel vor dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter wei­ter ver­folgt.

In sei­ner Ent­schei­dung hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter auf die apo­the­ken­recht­li­chen Vor­schrif­ten ver­wie­sen, nach denen zwi­schen der Abga­be von Arz­nei­mit­teln unmit­tel­bar an Kun­den in Prä­senzapotheken und dem Ver­sand von Arz­nei­mit­teln zu unter­schei­den sei. Ande­re Abga­bemöglichkeiten sehe der Gesetz­ge­ber nicht vor.

Die Sam­mel­vor­rich­tung in dem Su­permarkt sei nicht als eine einer Prä­sen­zapo­the­ke zuge­ord­ne­te soge­nann­te Rezept­sammelstelle aus­nahms­wei­se zuläs­sig, weil die Rezept­samm­lung nicht zur Versor­gung eines abge­le­ge­nen Orts­teils erfor­der­lich sei. Die Sam­mel­box sei auch nicht von der der Klä­ge­rin erteil­ten Erlaub­nis zum Ver­sand von Arz­nei­mit­teln umfasst. Das prak­ti­zier­te Ver­triebs­kon­zept stel­le sich unter den kon­kre­ten Umstän­den des Falls wegen der engen räum­li­chen Bin­dung an die Prä­sen­zapo­the­ke nicht als Versand­handel dar. Das Bestell­sys­tem der Klä­ge­rin rich­te sich ziel­ge­rich­tet und nahe­zu aus­schließlich an Kun­den des Super­markts bzw. Ein­woh­ner der Stadt Her­ne, die dem räum­li­chen Ein­zugs­ge­biet der Prä­sen­zapo­the­ke zuge­ord­net wer­den könn­ten. Zudem wür­den die Arz­nei­mit­tel an die­se Kun­den aus­nahms­los durch das Per­so­nal der Apo­the­ke­rin aus­ge­lie­fert.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter, Urteil vom 2. Juli 2018 – 13 A 2289/​16

  1. VG Gel­sen­kir­chen, Urteil vom 27.09.2016 – 19 K 5025/​15[]