Die Haf­tung für Öffent­lich bestell­te Ver­mes­sungs­in­ge­nieu­re

Die Lage­pla­ner­stel­lung und die Gebäu­de­ein­mes­sung durch Öffent­lich bestell­te Ver­mes­sungs­in­ge­nieu­re wer­den im Land Ber­lin nicht als öffent­li­che Auf­ga­be durch­ge­führt. Die Haf­tung für Ver­mes­sungs­feh­ler gegen­über dem Auf­trag­ge­ber bestimmt sich inso­weit nach werk­ver­trag­li­chen Grund­sät­zen und nicht nach Maß­ga­be des § 839 BGB.

Die Haf­tung für Öffent­lich bestell­te Ver­mes­sungs­in­ge­nieu­re

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs [1] beschränkt sich der öffent­lich­recht­lich gepräg­te Cha­rak­ter der Tätig­keit eines Öffent­lich bestell­ten Ver­mes­sungs­in­ge­nieurs auf die staat­li­chen Auf­ga­ben und Kom­pe­ten­zen, die der Staat als ihrer Natur nach zu sei­nem öffent­lich­recht­li­chen Auf­ga­ben­be­reich gehö­rend auf den Öffent­lich bestell­ten Ver­mes­sungs­in­ge­nieur dele­giert hat. Im Land Ber­lin wer­den nach § 1 des Geset­zes über das Ver­mes­sungs­we­sen in Ber­lin (VermGBln) [2] die Lan­des­ver­mes­sung, die Füh­rung des Lie­gen­schafts­ka­tas­ters sowie die raum­pla­ne­ri­schen und städ­te­bau­li­chen Ver­mes­sungs­auf­ga­ben für Zwe­cke der Raum­pla­nung und der städ­te­bau­li­chen Ent­wick­lung sowie für die räum­li­che Abgren­zung von Rech­ten an Grund­stü­cken nach den Erfor­der­nis­sen von Ver­wal­tung, Wirt­schaft, Recht und Wis­sen­schaft als öffent­li­che Auf­ga­ben wahr­ge­nom­men, an deren Erfül­lung nach § 2 VermGBln Öffent­lich bestell­te Ver­mes­sungs­in­ge­nieu­re mit­wir­ken.

Vor­lie­gend waren die Ver­mes­sungs­in­ge­nieu­re im Zusam­men­hang mit der Stel­lung eines Bau­ge­neh­mi­gungs­an­trags mit der Ver­mes­sung beauf­tragt wor­den. Der Sache nach ging es hier um die Ein­mes­sung des Gebäu­des auf dem Grund­stück. Die Lage­pla­ner­stel­lung und die Gebäu­de­ein­mes­sung sind jedoch pri­vat­recht­li­cher Natur und stel­len sich nicht als hoheit­li­che Tätig­keit im Sin­ne der §§ 1, 2 VermGBln dar [3]. Die ent­spre­chen­de Beauf­tra­gung ist danach als Werk­ver­trag ein­zu­stu­fen [4], so dass die Ver­mes­sungs­in­ge­nieu­re allein nach werk­ver­trag­li­chen Regeln haf­ten.

Die – im Übri­gen nach Auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts­hofs auch in der Sache unbe­grün­de­te – wei­te­re Rüge, der Haf­tungs­aus­schluss des Lan­des Ber­lin nach § 3 Abs. 7 Satz 2 VermGBln für Feh­ler der Öffent­lich bestell­ten Ver­mes­sungs­in­ge­nieu­re bei der Wahr­neh­mung ihrer öffent­li­chen Auf­ga­ben sei wegen Ver­sto­ßes gegen Art. 34 GG nich­tig, geht nach den obi­gen Aus­füh­run­gen wegen der pri­vat­recht­li­chen Natur der zwi­schen den Par­tei­en bestehen­den Rechts­be­zie­hun­gen eben­falls ins Lee­re.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 29. Novem­ber 2012 – III ZR 21/​12

  1. BGH, Beschluss vom 14.01.1993 – I ZB 24/​91, BGHZ 121, 126, 129[]
  2. in der Fas­sung vom 09.01.1996, GVBl. S. 56[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 09.03.1972 – VII ZR 202/​70, BGHZ 58, 225, 226; zustim­mend OLG Düs­sel­dorf, BauR 1992, 665; vgl. auch OLG Düs­sel­dorf, Beschluss vom 02.12.2003 – I21 W 45/​03; OLG Hamm, NZBau 2006, 788, 789 zu den nord­rhein-west­fä­li­schen Öffent­lich bestell­ten Ver­mes­sungs­in­ge­nieu­ren; vgl. für das Land Ber­lin KG, KGRe­port Ber­lin 1998, 360, 361[]
  4. BGH aaO[]