Fal­scher Kilo­me­ter­stand – kei­ne Irre­füh­rung

Wer ein gebrauch­tes Auto im Inter­net anbie­tet und die Kilo­me­ter­leis­tung in der fal­schen Rubrik angibt, macht sich nicht unbe­dingt einer Irre­füh­rung schul­dig.

Fal­scher Kilo­me­ter­stand – kei­ne Irre­füh­rung

So hat der Bun­des­ge­richts­hof in dem hier vor­lie­gen­den Fall ent­schie­den. Das Anbie­ten eines gebrauch­ten Pkw in einer unzu­tref­fen­den Rubrik zum Kilo­me­ter­stand auf einer Inter­net­han­dels­platt­form ist nicht wegen Irre­füh­rung der am Kauf eines Gebraucht­fahr­zeugs inter­es­sier­ten Ver­brau­cher wett­be­werbs­wid­rig. Eine Täu­schung von Ver­brau­chern ist durch den rich­ti­gen Kilo­me­ter­stand in der Über­schrift aus­ge­schlos­sen gewe­sen.

Ein Gebraucht­wa­gen­händ­ler hat­te gegen einen Kon­kur­ren­ten geklagt, weil jener das Auto in der Platt­form in der fal­schen Rubrik ange­bo­ten hat­te. Der Klä­ger sah dar­in eine wett­be­werbs­recht­lich rele­van­te Irre­füh­rung. Das sahen das Land­ge­richt Frei­burg [1] und das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he [2] eben­so. Schließ­lich habe sich der Händ­ler trotz der Rich­tig­stel­lung des Kilo­me­ter­stan­des im eigent­li­chen Ver­kaufs­an­ge­bot auch gegen­über Mit­be­wer­bern einen rele­van­ten Vor­teil ver­schafft.

Zwar han­delt es sich mit dem Ange­bot in der fal­schen Rubrik um eine unwah­re Anga­be. Im kon­kre­ten Fall ist dies aber nicht irre­füh­rend gewe­sen, weil sich die rich­ti­ge Lauf­leis­tung des Autos bereits aus der Über­schrift des Ange­bots erge­ben hat. Der betref­fen­de Wagen war in der Such­ru­brik «bis 5000 km» ange­bo­ten, tat­säch­lich hat­te er aber schon über 100 000 Kilo­me­ter auf dem Buckel. In der Inter­net­platt­form, auf der der Wagen ange­bo­ten wor­den war, kön­nen Ver­käu­fer Merk­ma­le wie den Kilo­me­ter­stand ein­ge­ben. Inter­es­sen­ten kön­nen eben­falls Kri­te­ri­en für das gesuch­te Fahr­zeug aus­wäh­len.

Die Fra­ge, ob eine Ein­stel­lung in eine fal­sche Rubrik unter ande­ren Gesichts­punk­ten, etwa einer unzu­mut­ba­ren Beläs­ti­gung der Inter­net­nut­zer, wett­be­werbs­recht­lich unlau­ter ist, war nicht Gegen­stand des Rechts­streits.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 6. Okto­ber 2011 – I ZR 42/​10

  1. LG Frei­burg – Urteil vom 12.06.2009 ­- 10 O 5/​09[]
  2. OLG Karls­ru­he – Urteil vom 04.02.2010 ­- 4 U 141/​09[]